Ausstellung "Frank Stella - Abstract Narration" in Tuttlingen Tuttlinger Farbgebirge

Ausstellung "Frank Stella - Abstract Narration" in Tuttlingen Tuttlinger Farbgebirge

FRANK STELLA - Abstract Narration (Foto: SWR, Galerie der Stadt Tuttlingen - ®VG Bild-Kunst)
Von Andreas LangenDer amerikanische Maler Frank Stella war als radikaler Vertreter des Minimalismus mit gerade einmal 33 Jahren der jüngste Künstler, dem das MoMA in New York jemals eine Einzelausstellung gewidmet hat. Das war 1971. Kurz danach änderte Stella seinen Stil radikal. Sie sind seitdem bunt und chaotisch, zur Malerei kam die Skulptur. Das ist nicht die einzige Überraschung, mit der der mittlerweile 82jährige aufwartet.links: Bene Come il Sale, 1989 - rechts: Had Gadya Back Cover, 1982-84 Galerie der Stadt Tuttlingen - ®VG Bild-Kunst
Frank Stella hat eine charmante Art, sich nicht in die Karten sehen zu lassen. Der große alte Mann der Abstraktion hat schon als blutjunger Shootingstar in den 60ern gesagt: Was du siehst, ist, was du siehst. Noch heute überlässt er es dem Betrachter, sich seinen eigenen Reim zu machen: "Es ist abstrakt, ziehen sie ruhig ihre eigenen Schlüsse. Ich predige nicht.", sagt er in der Ausstellung.links: Then Came an Ox and Drank the Water, 1982-84 - rechts: The Fossil Whale, 1991 Galerie der Stadt Tuttlingen - ®VG Bild-Kunst
Der Weltstar aus New York ist vertraut mit der schwäbischen Alb, es ist schon sein zweites Gastspiel hier. Die Ausstellung in Tuttlingen lenkt den Blick auf Literatur als Inspirationsquelle von Stellas Kunst. Zu sehen sind Bilder aus vier Werkgruppen, über "Moby Dick", italienische Märchen, jüdische Volkslieder und imaginäre Orte aus literarischen Werken. Mit herkömmlichen Illustrationen haben Stellas Bilder allerdings nichts zu tun. Sie verweigern alles Erzählerische - vielleicht, weil der kunsthistorisch stets hellwache Stella das warnende Beispiel der Urväter aller Abstraktion vor Augen hatte.links: Then Came A Fire and Burnt the Stick, 1982-84 - rechts: Stubb & Flask Kill a Right Whale, 1991 Galerie der Stadt Tuttlingen - ®VG Bild-Kunst
Stellas Bilder halten alle Wege offen. Sie spielen nur sehr indirekt auf ihre literarischen Quellen an, zum Beispiel, wenn Stella unterschiedliche Farbfassungen desselben Märchen-Motivs mit der mündlichen Überlieferung solcher Stoffe vergleicht, bei der jeder Erzähler einen eigenen Ton und persönliche Ausschmückungen einbringt. Die wild wabernden Muster, Kringel, Flecken, Flächen und Linien haben psychedelische Power. Es sind großformatige Druckgrafiken, die technisch alles auffahren, was überhaupt nur möglich ist.links: One Small Goat Papa Bought For Two Zuzim, 1982-84 - rechts: Stranz, 1999 Galerie der Stadt Tuttlingen - ®VG Bild-Kunst
Am Ende von zwei Jahren Arbeit besteht eines der Werke aus handgeschöpftem Papier, einer unbestimmten Zahl von Flach-, Tief- und Hochdruck-Verfahren sowie sage und schreibe 144 verschiedenen Farben. Woher weiß der Meister in diesem Gebirge aus Material- und Farbschichten, wann das Bild fertig ist? – Dann, wenn es wirklich allen reicht.links: Had Gadya Front Cover,1982-84 - rechts: Juam, State I, 1997Frank Stella "Abstract Narration" in der Galerie Tuttlingen, 5. Oktober bis 25. November 2018. Galerie der Stadt Tuttlingen - ®VG Bild-Kunst
STAND