Ausstellung des Theaterhauses G7 im Marchivum Mannheimer Archiv des Misserfolgs

Ausstellung des Theaterhauses G7 im Marchivum Mannheimer Archiv des Misserfolgs

Menschen stehen um die Projektion eines Mannes (Foto: Theaterhaus G7 - Foto: Arthur Bauer)
Von Annette LennartzDas Scheitern, der Misserfolg, ist ein großes Tabu der modernen Gesellschaft. Das Theaterhaus G7, ein freies Theater in Mannheim, hat dazu eine Ausstellung im Marchivum gestaltet, dem Mannheimer Stadtarchiv. Dort wird nun das Scheitern von Bürgern und Bürgerinnen dokumentiert, nicht in Akten, sondern als theatrale Inszenierung. Das Gebäude ist ein Hochbunker. Im fensterlosen ersten Stock, wird der Besucher auch mit dem eigenen Scheitern konfrontiert. Theaterhaus G7 - Foto: Arthur Bauer
Ein Chor lockt in den komplett dunklen, 700 Quadratmeter großen Ausstellungsraum. Der Lichtstrahl der Taschenlampe fällt auf sicher 100 durchsichtige Blätter, aufgehängt an dünnen Fäden und beschrieben mit persönlichen Geständnissen. Sie erzählen von verpatzten Prüfungen, gescheiterten Ehen und beruflichem Versagen.Auch Kinder haben geschrieben, über schlechte Noten oder Angst auf dem 10-Meter Brett. Hanneke Paauwe, eine Regisseurin aus Belgien, hat zusammen mit dem Team vom Theaterhaus Tig7 diese Stories gesammelt und außerdem sehr viele Mannheimer interviewt, Obdachlose, Menschen im Altenheim, auf dem Markt, überall in der Stadt. Theaterhaus G7 - Foto: Arthur Bauer
Das ist aber nur die erste von sechs Stationen, die sich Hanneke Paauwe ausgedacht hat. An ein helles Loch in der Wand kann man sein Ohr legen und hört eine Floristin. Sie erzählt über ihre Pleite: „Es geht ums Scheitern. Ich bin gescheitert. Der Laden war nicht mehr rentabel. Da musste ich in den sauren Apfel beißen und sagen, ich schließe mein Geschäft jetzt. Ja! Es ist nun mal so. Man muss eben nach vorne schauen. Es geht weiter.“ Theaterhaus G7 - Foto: Arthur Bauer
Dann steht man vor einer Art Acker. Braune Erde bedeckt hier großflächig den Bunkerboden: Es ist der Friedhof des Scheiterns. Ein Schreibtisch steht bereit und Papier. Darauf kann ich meinen eigenen Misserfolg festhalten und vergraben. Gar nicht so einfach, sein Scheitern zu dokumentieren. Diese Erfahrung machte Hanneke Paauwe auch bei ihren Interviews. Theaterhaus G7 - Foto: Arthur Bauer
Hanneke Paauwe: „Wir haben hier eine Station, wo wir Menschen gefilmt und gesagt haben, sie sollten mal die Augen schließen und eine Reise in sich selbst machen. Suche einen Moment, in dem du Misserfolg hattest und dann, wenn du es erlebt hast, öffne deine Augen wieder und gucke in die Kamera. Das ist Gesichtskino. Da kann man die Gefühle sehen, ohne Wörter, also das was Misserfolg mit Menschen macht.“ Theaterhaus G7 - Foto: Arthur Bauer
STAND