Der Kapitän der "Lifeline" Claus-Peter Reisch 450 Menschen gerettet - erhobenen Hauptes vor Gericht

Der Kapitän der "Lifeline" Claus-Peter Reisch 450 Menschen gerettet - erhobenen Hauptes vor Gericht

Der Kapitän des Flüchtlingsrettungsschiffs "Mission Lifeline", Claus Peter Reisch, in München. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: Sachelle Babbar/Zumapress)
Insgesamt 450 Menschen haben er und sein Team vor der libyschen Küste vor dem Tod gerettet: Kapitän Claus-Peter Reisch und die Besatzung des Seenotretters „Lifeline“. Tagelang irrte das Schiff im Sommer mit 235 Flüchtlingen auf dem Mittelmeer herum, weil es nirgends anlegen durfte. In Malta wurde Claus-Peter Reisch verhaftet und vor Gericht gestellt. Die maltesischen Behörden werfen ihm vor, dass das Schiff nicht ordnungsgemäß registriert gewesen sei. Am 19. November wird der Prozess in Valetta fortgesetzt.Mission "Lifeline" sucht für die neuen Rettungsschiffe gute Segler mit Erfahrung und mindestens SKS Schein und Funkzeugnis SRC für Einsätze mit ca. zweiwöchiger Dauer, Ärzte, Krankenschwestern und Rettungssanitäter, KFZ-Mechaniker, Elektriker und Informatiker. Spendenkonto: MISSION LIFELINE e.V. IBAN DE85 8509 0000 2852 2610 08 BIC GENODEF1DRS, Volksbank Dresden. picture-alliance / dpa - Foto: Sachelle Babbar/Zumapress
235 Flüchtlinge auf einem Schiff unterzubringen, das normalerweise nur 50 Personen beherbergt, das sei schon möglich, sagt Claus-Peter Reisch in SWR2. Wobei viele Passagiere dann unter freiem Himmel schlafen müssen. "Bei schlechtem Wetter geht es natürlich nicht so lange", so der Kapitän. Verköstigen könne das Schiff die Passagiere mit 200 Kilo Cuscus und 150 Kilo Reis, die das Team in großen Dosen transportiere. Seit Ende Juni allerdings wird die "Lifeline" im Hafen von Malta festgehalten. picture-alliance / dpa - Annette Schneider-Solis
Das Wichtigste auf dem Schiff jedoch sei Wasser, erklärt Claus-Peter Reisch. Die Flüchtlinge hätten furchtbaren Durst, nachdem sie auf den Schlauchbooten oft tagelang ohne Versorgung unterwegs gewesen seien. Schon vorher hätten viele von ihnen zu wenig Wasser bekommen und sich oft monatelang nicht waschen können. "Wir haben auf dem Schiff über 250 Bundeswehrdecken, in die wir die Leute nachts einpacken, damit sie auf dem Deck nicht frieren müssen." picture-alliance / dpa - Jonathan Borg
An Bord der "Lifeline" kann der Kapitän auf ein starkes Team zurückgreifen. Claus-Peter Reisch: "Unser Arzt ist ein pensionierter Herzchirurg, eine Intensiv-Krankenschwester, ein Medizinstudent im zehnten Semester, der hervorragend die Logistik für die Krankenstation auf dem Schiff macht, plus vier ausgebildete Rettungssanitäter." Selbst eine Notevakuierung war möglich, mit der ein schwerverletzter Somalier in ein maltesisches Krankenhaus geflogen werden konnte. picture-alliance / dpa - Axel Steier
Die Irrfahrt durchs Mittelmeer habe "Frust" bei der Mannschaft hervorgerufen, erinnert sich Claus-Peter Reisch. "Zumal wir gehört hatten, dass verschiedene Bundesländer in Deutschland Kontingente von unseren Gästen aufnehmen wollten und der Noch-immer-Innenminister Seehofer das dann erfolgreich vereitelt hat. Dann sind wir natürlich erst einmal dagestanden und haben uns gefragt: Wie geht es jetzt weiter?" picture-alliance / dpa - Markus Scholz
Hätte ernstliche Gefahr für Leib und Leben bestanden, so der Kapitän, hätte sich die Crew auch in einen Hafen einklagen oder ein SOS senden und damit Dritte zur Hilfe verpflichten können. Das jedoch habe er nicht gewollt. Im Mayday-Fall nämlich wäre Malta allein für die Aufnahme der Flüchtlinge zuständig gewesen, wäre also das Dublin-Abkommen nicht in Kraft getreten "und hätten wir den Flüchtlingen keinen Gefallen getan". picture-alliance / dpa - Arne Dedert
Als 2015 und 2016 Menschen im Mittelmeer ertranken, da hat der ausgebildete Mechatroniker und Sportschiffer Claus-Peter Reisch für sich entschieden: "Ich fahre bei einer solchen Rettungsmission einmal mit." Im April 2017 habe er dann zum ersten Mal selbst als Kapitän einen Einsatz gefahren und seitdem sechs solcher Missionen absolviert. picture-alliance / dpa - Matthias Balk
Auf Malta muss sich Claus-Peter Reisch weiter vor Gericht verantworten (im Bild mit seinen Anwälten in Valetta). Das störe in keiner Weise. "Wenn man 450 Menschen mit seiner Crew zusammen und den fleißigen Leuten, die im Hintergrund das Schiff am Laufen halten, zusammen rettet, dann kann man erhobenen Hauptes zum Gericht gehen. Und das tue ich auch", so der Kapitän. "Es ist ein Politikum. Es geht nicht darum, dass wir etwas falsch gemacht haben, sondern es darum, dass dieses und die anderen Schiffe nie mehr auslaufen sollen, um Menschenleben zu retten." picture-alliance / dpa -
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