"Konstruktion der Welt" in der Kunsthalle Mannheim Overkill bei der Weltkonstruktion

"Konstruktion der Welt" in der Kunsthalle Mannheim Overkill bei der Weltkonstruktion

Edward Hopper, Apartment Houses (Foto: Kunsthalle Mannheim - Foto: Pennsylvania Academy of the Fine Arts / Barbara Katus)
Von Eberhard ReußSeit vier Monaten ist der 70 Millionen Euro teure Neubau der Mannheimer Kunsthalle eröffnet. Mehr als 100.000 Besucher sind seitdem gekommen. Jetzt schiebt Kunsthallen-Direktorin Ulrike Lorenz das erste große Ausstellungsprojekt an, „Konstruktion der Welt – Kunst und Ökonomie”.Im Bild: Edward Hopper, Apartment Houses, 1926 Kunsthalle Mannheim - Foto: Pennsylvania Academy of the Fine Arts / Barbara Katus
Ein gewaltiges, komplexes Thema, das die Finanzkrise von 2008 und deren Folgen für die Gegenwart in Bezug setzt zu den Krisenjahren zwischen den beiden Weltkriegen. Im Bild: Carl Grossberg, Entwurf für Industrielandschaft Kunsthalle Mannheim -
Das Projekt ist kühn und kopflastig. Aber Direktorin Ulrike Lorenz ist überzeugt, dass es funktioniert. Im ersten Ausstellungsteil geht es um Wirtschaft, Industrie und Gesellschaft zwischen den beiden Weltkriegen. Gespiegelt durch Kunst aus Deutschland, der Sowjetunion und den USA. Im Bild: José Antonio Vega Macotela: Der Meißel und der Stollen, 2016/17 Kunsthalle Mannheim -
In einem zweiten Teil wird das Ganze in Bezug zur Finanzkrise von 2008 und deren Folgen bis heute gesetzt. Womit wir ganz aktuell bei deutschen Befindlichkeiten wären. Ist 2018 am Ende nicht Weimar 4.0?Im Bild: Alice Lex-Nerlinger, Für den Profit, 1931 Kunsthalle Mannheim -
Im Unterschied zu Weimar allerdings glauben wir im Westen heute nicht mehr an die Utopien von Kapitalismus, Kommunismus und Faschismus, wie sie uns der erste Teil der Mannheimer Ausstellung präsentiert.Im Bild: Francis Criss, Tagesschicht, 1943, Öl auf Leinwand Kunsthalle Mannheim - Foto: Dwight Primiano / Katherine Criss
Alexander Deineka feiert 1928 in Gestalt einer weiß gekleideten strahlenden Blondine die neue Fabrik, deren Maschinen die Arbeit so leicht machen. Im Bild: Alexander Deineka, Beim Bau neuer Werkhallen, 1926, Öl auf Leinwand, 212,8 x 201,8 cm, Tretyakow Gallery, Moscow. Pressestelle Kunsthalle Mannheim - Foto: VG-Bild Kunst / Tretjakow-Galerie, Alexej Sergeew
Links daneben scheint sich ein deutscher Künstler der neuen Sachlichkeit mit einem menschenlosen Fabrikbild verewigt zu haben. Aber nein, das Gemälde aus dem Jahr 1931 stammt von dem US-Amerikaner Charles Sheeler und zeigt das Ford-Werk in Dearborn.Im Bild: Charles Sheeler: Classic Landscape, 1931 SWR - Eberhard Reuß
Ganz außen zeigt Karl Völker währenddessen 1924 die deutschen Arbeiter als gesichtslose Lohnsklaven auf dem Weg in die Fabrik. Karl Völker, Bahnhof, um 1924 – 1926 SWR - Eberhard Reuß
Ist dem kritischen Blick der Künstler also überhaupt zu trauen? Erst recht in einem von Sammlern und Spekulanten gelenkten Kunstmarkt? Mit dieser Frage katapultiert uns die Ausstellung geradewegs ins Obergeschoss des Neubaus der Mannheimer Kunsthalle, in Teil 2 der Ausstellung über Ökonomie und Kunst. Dort findet sich ein Biennale-Zelt des Kunstmarktverweigerers Thierry Geoffroy. Mit hektografierter Botschaft: „Der Notfall wird die zeitgenössische Kunst ersetzen…“ Im Bild: Installation von Thierry Geoffroy SWR - Eberhard Reuß
Wir sehen alles und verstehen doch kaum etwas von der Welt der von Computern und Algorithmen gelenkten Geschäfte. Hier wird der Betrachter von sechs voll beweglichen Kleincomputern mit Megaphonen umkreist. Es sind Repliken von längst existierenden Robotern, die in der Lage sind, autonom und bedenkenlos zu töten. Im Bild: BBM (Beobachter der Bediener von Maschinen, Observers of Operators of Machines): EPKOT (Experimental Prototype Killers of Tomorrow), 2018 SWR - Eberhard Reuß
Am Ende erweist sich die Ausstellung „Konstruktion der Welt – Kunst und Ökonomie“ als gigantischer Overkill. Wie in der Welt der Finanzkrisen fällt es uns schwer, den Überblick zu behalten und Zusammenhänge zu erschließen.Im Bild: Tobias Rehberger: Som-Tam-Poo, 2004"Konstruktion der Welt. Kunst und Ökonomie 1919 - 1939 und 2008 -2018" in der Kunsthalle Mannheim, 12.10.2018 bis 3.2.2019. Kunsthalle Mannheim -
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