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Tschechische Sängerin Věra Bílá in Pilsen gestorben Die Gypsy-Queen ist tot

Am kommenden Freitag sollte die Roma-Sängerin Věra Bílá nach langer Pause mit einer neuen Formation auf die Bühne zurückkehren. Ihr überraschender Tod kam ihrem Comeback allerdings zuvor.

Vera Bila

Die Romni und Sängerin Věra Bílá galt als "Ella Fitzgerald der Gypsy-Musik". Ihr internationaler Durchbruch gelang ihr Ende der 1990er-Jahre mit ihrer Gruppe Kale, die insbesondere in französischsprachigen Ländern viele Fans hatte.

Die tschechische Roma-Sängerin Věra Bílá ist tot. Sie starb im Krankenhaus in Pilsen (Plzen) an den Folgen eines Herzinfarkts, wie das Nachrichtenportal Romea.cz am Dienstag, 12. März, unter Berufung auf die Familie berichtete. Bílá, in Tschechien als "Königin des Gipsy-Pop" gefeiert, wurde 64 Jahre alt. Mit ihrer damaligen Band Kale war die Künstlerin um die Jahrtausendwende auch international erfolgreich. Sie trat beim Montreux Jazz Festival und beim Paléo Festival Nyon auf, sang vor dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton im Weißen Haus und war zu Gast im Pariser Olympia.

Sie singe, um die Sprache der Roma zu retten, sagte Bílá einmal. Sie wurde am 22. Mai 1954 im westböhmischen Rokycany in eine bekannte Musikerdynastie, die Familie Gina, geboren. Bereits als Kind trat sie bei Feierlichkeiten und Hochzeiten auf. Der Durchbruch kam 1995 mit ihrer ersten CD "Rom pop", auf die "Kale kalore" und "Rovava" folgten. Ihre Musik bewegte sich zwischen Melancholie und tänzerischer Leichtigkeit.

Verarmt und spielsüchtig

Im persönlichen Leben erlitt Bílá mehrere Schicksalsschläge. Kurz hintereinander starben 2013 ihr Ehemann und ihr einziger Sohn. Sie selbst verfiel nach Medienberichten dem Glücksspiel, war zuckerkrank, mittellos und wohnte zuletzt in einem Wohnheim eines Roma-Ghettos.
In Tschechien leben Schätzungen zufolge 200.000 bis 300.000 Roma. Viele Angehörige der Minderheit, die dort seit Jahrhunderten beheimatet ist, leiden unter Diskriminierung und leben in ärmlichen Verhältnissen.

Věra Bílá & Kale 1998: Ma Dza Nikhaj

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