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Arbeitsrecht Sopranistin erhält Entschädigung nach Kündigung wegen Schwangerschaft

Vier Tage vor dem Probebeginn erfuhr die Pamina-Darstellerin Julie Fuchs, dass sie bei der Hamburger Zauberflöte nicht mit dabei sein kann. Grund war ihre Schwangerschaft. Vor dem Hamburger Bühnenschiedsgericht gab es nun eine Einigung.

Sopranistin Julie Fuchs

Wollte in Hamburg ihr Rollendebüt als Pamina feiern: Julie Fuchs.

Die Sopranistin Julie Fuchs (34) und die Hamburger Staatsoper haben sich vor dem Hamburger Bühnenschiedsgericht geeinigt. Fuchs erhält von der Oper nun ihr vereinbartes Honorar als Entschädigung, nachdem sie wegen ihrer Schwangerschaft nicht wie geplant im Mai letzten Jahres in Mozarts „Zauberflöte“ an der Staatsoper Hamburg auftreten durfte. Dies teilte die Französin auf ihrer eigenen Webseite mit. Die Oper hatte die Kündigung damals mit den Schutz der im vierten Monat Schwangeren begründet.

"Nachdem die Einigung erzielt wurde, bin ich stolz darauf, für das eingetreten zu sein, was richtig ist, und ich hoffe, dass dieser Vorfall und das Urteil dazu beitragen, anderen schwangeren Frauen und anderen Opernhäusern ein gutes Beispiel zu geben." (Julie Fuchs auf ihrer privaten Webseite)

Fuchs hatte im April letzten Jahres die Öffentlichkeit über die Kündigung ihres Vertrags und ihre Enttäuschung darüber auf ihrer Facebook-Seite informiert. Ihr Post wurde daraufhin tausendfach geteilt und kommentiert.

Vorrang für den Schutz der Schwangeren

Die Staatsoper bedauerte damals die Entscheidung. Es sei jedoch nicht möglich gewesen, die Inszenierung aus dem Jahr 2016 so zu ändern, dass keinerlei Gefahr für die werdende Mutter bestehe und gleichzeitig der Kern der Inszenierung erhalten bleibe, hieß es in einer Stellungnahme. Es gebe in der Inszenierung eine Vielzahl von körperlich sehr fordernden Szenen, darunter mehrere Flugszenen, die für schwangere Frauen prinzipiell verboten seien.
Die Rechtslage zum Schutz der werdenden Mutter ist eindeutig und wir gehen in keinem Fall ein gesundheitsgefährdendes Risiko ein, wenn auch nur im Ansatz riskante szenische Aktionen auf der Bühne stattfinden könnten“, begründete Staatsoper-Betriebsdirektor Tillmann Wiegand die damalige Entscheidung. Als Ausgleich hatte man Fuchs Vorstellungen in den nächsten Spielzeiten angeboten.

Ich fühlte mich sowohl körperlich als auch akustisch in Topform und freute mich sehr darauf, zum ersten Mal in Hamburg aufzutreten. Ich weiß, dass schwangere Frauen auf der ganzen Welt immer noch Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben, aber ich war sehr überrascht, so viele Botschaften von Frauen zu erhalten, die mir von ähnlichen Erlebnissen erzählen.“ (Julie Fuchs im April 2018)

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