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Musikhochschulen auf dem Prüfstand Sparen nach dem Rasenmäherprinzip

Wibke Gerking stellt die "Beratende Äußerung" des Landesrechnungshofs zu den Musikhochschulen des Landes vor, die im Juli 2013 veröffentlicht wurde.

Die Hochschulen im Land sind hervorragend verwaltet – das ist die gute Nachricht des Landesrechnungshofs. Die schlechte: gespart werden muss trotzdem. An Geld würde das Land rund viereinhalb Millionen einsparen – ein vergleichsweise geringer Betrag. Gibt es da nicht dickere Bretter zu bohren? Dazu Andreas Knapp, zuständiger Abteilungsleiter beim Landesrechnungshof:

"Wir prüfen im Laufe der Zeit alle Einrichtungen des Landes. Die Musikhochschulen waren turrnusmäßig dran. Die Einsparquote, die sich in einer Größenordnung von 10 Prozent bewegt, entspricht dem, was in den personalintensiven Bereichen in den nächsten Jahren in allen öffentlichen Bereichen kommen wird. Es geht nicht um dünne oder dicke Bretter, sondern es geht um alle Bretter in der Landesverwaltung. Wir werden quer über alle personalintensiven Bereiche in dieser Größenordnung Einsparungen brauchen." Andreas Knapp

Studentenzahl in den künstlerischen Fächern soll sinken

Drei Personen an einem Konzertflügel

Da die Hochschulen offenbar nahezu optimal verwaltet sind, gibt es keine Einsparungen durch mehr Effizienz. Bleibt also nur: Schrumpfen. Und genau das verlangt der Landesrechnungshof: Im Moment studieren rund 3130 junge Leute an einer der Musikhochschulen im Land. In Zukunft sollen es nur noch 2525 sein, also rund 500 weniger. Die Zahl der Schulmusiker soll nicht angetastet werden. Es geht dem Rechnungshof um die rein künstlerischen Fächer, etwa Diplom-Orchestermusiker.

"Im Bereich der künstlerischen Musiker ist es so, dass wir den Eindruck haben dass die A-Orchester kein Problem haben, Musiker zu finden, im Gegenteil. Eine Referentin aus einem A-Orchester erzählte uns, dass sie 27 Bewerbungen brauchte, bis sie einen Platz in einem Orchester gefunden hatte. Das spricht dafür, dass die Orchester eher einen Bewerberüberhang haben als dass sie ihre Plätze nicht besetzen können." Andreas Knapp

Kürzung nach dem Rasenmäherprinzip

Der Landesrechnungshof empfiehlt ausdrücklich, keine der fünf Hochschulen im Land Hochschule zu schließen. Das ist neu. Bisher war immer wieder mal gefordert worden, eine oder sogar zwei Hochschulen zuzumachen. Vor allem die abgelegene Musikhochschule in Trossingen war im Gespräch. Jetzt sollen alle Standorte erhalten bleiben und nach dem Rasenmäherprinzip gekürzt werden, wobei die einzelnen Hochschulen ihre Profile aber gleichzeitig weiter stärken sollen.

"Der Grund, warum ich glaube, dass wir einen Nutzen davon haben, dass wir diese kleinen Musikhochschulen an fünf Standorten haben, ist, dass wir eine sehr effiziente Verwaltung dadurch kriegen. Musikhochschulen dieser Größenordnung sind sehr effizient zu führen. Hinzu kommt, dass ich nach vielen Gesprächen verstanden habe, dass die Musikhochschulen regional einen erheblichen Beitrag zum Kulturleben leisten, und der würde dann wegfallen. Außerdem würde der Prozess, der zur Schließung eines Standorts führt, über viele Jahre gehen, denn wir haben ja dann dort Studierende und Professoren, die da sind, während die Vorschläge des Bundesrechnungshofs relativ schnell, also 2015 schon umgesetzt werden könnten." Andreas Knapp

Am stärksten würde die Reduzierung Mannheim und Karlsruhe treffen. Ihnen würde das Land 166 bzw. 130 Studienplätze weniger finanzieren. Trossingen würde um 99 Studienplätze verringert. Am besten kämen Freiburg und Stuttgart weg, die nur 45 bzw. 66 Studienplätze weniger hätten.

Hoher Ausländeranteil unter Studierenden wird kritisiert

Der Landesrechnungshof schneidet ein weiteres brisantes Thema an: Die an den Musikhochschulen traditionell hohe Zahl von Studierenden aus dem Ausland. Im Durchschnitt sind 44 Prozent der Studierenden aus dem Ausland. Spitzenreiter sind dabei an allen fünf Musikhochschulen Studierende aus Südkorea: Außerdem gibt es besonders viele Studierende aus Japan, China und Taiwan. Besonders ausgeprägt ist das auch hier in den künstlerischen Fächern. Den höchsten Ausländeranteil hat Freiburg mit 52 Prozent, gefolgt von Mannheim mit 50. Am wenigsten Ausländer studieren in Karlsruhe und Stuttgart, an beiden Standorten sind es 38 Prozent, in Trossingen 43. Das ist zu viel, findet der Landesrechnungshof:

"Es geht nicht darum jetzt ausländische Studierende rauszumobben. Jeder ausländische Studierende ist natürlich eine Bereicherung für die Musikhochschulen, weil dadurch die Interkulturalität hereinkommt. Es geht nur darum die Zahl in einem vernünftigen Maß zu halten. Taiwan, Südkorea, Japan haben Bruttosozialprodukte, die zum Teil sogar höher sind als unsere, und es gibt überhaupt keinen Grund, warum die Bundesrepublik Deutschland – es geht ja nicht nur um Baden-Württemberg – teure Angebote macht, die dann von dort wahrgenommen werden. Das ist nicht die internationale Arbeitsteilung die wir uns vorstellen." Andreas Knapp

Der Landesrechnungshof empfiehlt zwar keine Ausländerquote – aber will letztlich etwas ähnliches: Jede Hochschule soll vom Land demnach nur noch eine bestimmte festgelegte Anzahl von Studienplätzen für Ausländer finanziert bekommen. Möchte eine Hochschule mehr Ausländer studieren lassen, kann sie das zwar tun – sie muss es aber selbst bezahlen. etwa aus Drittmitteln und Spenden. Das würde natürlich nur in Einzelfällen funktionieren.

Außerdem fordert der Landesrechnungshof Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer, und zwar 4000 Euro jährlich. Dabei geht es aber offenbar weniger um eine weitere Abschreckungsmaßnahme, sondern eher um eine Geldquelle. Der Landesrechnungshof verlangt Studiengebühren auch für Langzeitstudierende und für solche, die neben ihrem Beruf studieren. Ein Mehr an Studiengebühren hält der Rechnungshof für wünschenswert, aber nicht durchsetzbar. Dazu Andras Knapp:

"Der Rechnungshof hat die Abschaffung der Studiengebühr nicht gefordert. Es wäre richtig, Studiengebühren von allen zu verlangen, mit der Möglichkeit einer sozialen Ausnahme. Aber der Landtag hat entschieden, dass es keine allgemeinen Studiengebühren geben soll. Wenn der Landtag sich anders entscheiden würde, wären wir sicherlich nicht dagegen. Andreas Knapp

Neben diesen brisanten Forderungen verlangt der Landesrechnungshof übrigens auch, dass die Hochschulen eine Kosten-Leistungs-Rechnung einführen, um die Dienstleistungen besser finanziell bewerten zu können – und: einen Strukturentwicklungsplan für die Musikhochschulen Baden-Württembergs.

Keine gemeinsame Stellungnahme der Hochschulen

Die offizielle Stellungnahme des Wissenschaftsministeriums ist im Moment noch dürftig: es hält die Vorschläge des Landesrechnungshofs für "nicht zielführend".

Die Hochschulen konnten sich zu keiner gemeinsamen Stellungnahme durchringen. Nur Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg haben sich zusammengetan, während Mannheim und Trossingen jeweils separat reagierten. Alle Hochschulen melden Zweifel daran an, dass es zu viele Studenten gebe, da es keine zuverlässigen Bedarfszahlen gebe. Alle lehnen eine Ausländerquote oder Gebühren für Nicht-EU-Ausländer ab. Unterschiede in den Standpunkten der Hochschulen gibt es aber auch: Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg wollen ausdrücklich nicht nach dem Rasenmäherprinzip sparen, da das alle Standorte schwäche. Mannheim und Trossingen dagegen legen großen Wert auf die Gleichbehandlung der Hochschulen.

Am Tag der Veröffentlichung waren Vertreter der Hochschulen und des Ministeriums in Klausur. Am Mittwoch wird die Öffentlichkeit wohl mehr über ihre Standpunkte erfahren.

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