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Rückblick Das Musikjahr 2018

Von Bernd Künzig

Ereignisreich war das Musikjahr 2018. Der Echo Klassik wurde abgeschafft, Sir Simon Rattle beendete seine Ära als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Aretha Franklin und Montserrat Caballé starben und es gab den 100. Geburtstag von Leonard Bernstein zu feiern.

Aus Echo Klassik wird Opus Klassik

Zwei Rapper werden mit dem Echo Pop geehrt, obwohl ihre Texte antisemitische und homophobe Äußerungen enthalten. Rund um den Skandal geht auch der Echo Klassik die Knie. Stattdessen wird am 14. Oktober der Opus Klassik verliehen.

Sir Simon Rattle nimmt Abschied von den Berliner Philharmonikern

Nach sechzehn Jahren als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker verabschiedet sich Sir Simon Rattle am Ende der Saison mit Gustav Mahlers sechster Sinfonie. Zuvor leitet er zum letzten Mal die Osterfestspiele in Baden-Baden. Die Aufführung von Wagners "Parsifal" wird zurecht gefeiert.

Todesfälle: Aretha Franklin, Charles Aznavour, Montserrat Caballé

Die Musikwelt hat mehrfach zu trauern. Es sterben am 20. Mai: Komponist Dieter Schnebel, am 16. August: Soul-Sängerin Aretha Franklin, am 1. Oktober: Chansonier und Schauspieler Charles Aznavour und am 6. Oktober: Montserrat Caballé.

Runde Geburtstage: Leonard Bernstein, Bernd Alois Zimmermann

Zwei Hundertjährige waren in diesem Jahr zu feiern, die kontrastreicher kaum sein konnten: der Tausendsassa Leonard Bernstein und der schwermütige Bernd Alois Zimmermann.

Neue Ära an der Staatsoper Stuttgart beginnt

Nach sieben Jahren endet im Juli die Intendanz von Jossi Wieler. Er und sein eng verbundener Sergio Morabito verabschieden sich allerdings nicht mit einem allseits beliebten Klassiker, sondern mit einer Uraufführung: mit Toshio Hosokawa "Erdbeben Träume". Respekt!

Das neue Team der Staatsoper Stuttgart mit dem Intendanten Victor Schoner startet am 29. September mit einer Aufführung von Richard Wagners "Lohengrin". Dabei brilliert der neue Generalmusikdirektor Cornelius Meister. Gleich bei der zweiten Produktion mit Bartóks "Herzog Blaubarts Burg" gibt es eine vielversprechende Bühneninstallation im ehemaligen Paketpostamt, die sich das Publikum durchs Wasser watend erobern muss.

Bayreuther Festspiele zeigen "Lohengrin" ganz in Blau

Den deutschen Maler-Star Neo Rauch und seine Frau Rosa Loy als Ausstatter hat man zum Hauptereignis bei den Bayreuther Festspielen stilisiert. Was zu sehen war: ein blau getünchter Rückfall in die bereits zu Wagners Zeiten überkommene Kulissenmalerei mit steifen Inszenierungsgesten und oratorischer Statik des kurzfristig eingesprungenen Regie-Shooting-Stars Yuval Sharon.

Große Inszenierungskunst in Salzburg

Wie große Inszenierungskunst und atemberaubende Gesangsleistungen zustande kommen, hat die Salzburger Festspiel-Aufführung von Richard Strauss' "Salome" am 28. Juli gezeigt.

Teodor Currentzis wird Chefdirigent des SWR Symphonieorchesters

Das Antrittskonzert von Teodor Currentzis im September mit Mahlers monumentaler dritter Sinfonie ist ein emotional spannungsgeladener Abend. Und klar: am Ende öffnet sich der Himmel und vielleicht war es der kunstreligiösen Erlösung durch Musik auch etwas zu viel, die Musiker folgen ihrem neuen Chef jedenfalls mit verzückter Hingabe.

Zwei neue Kompositionen von Helmut Lachenmann

Das Stuttgarter Staatsorchester bringt in seinem Neujahrskonzert ein neues Werk von Helmut Lachenmann zur Uraufführung. Anlass ist das 425-jährigen Bestehen des Orchesters. Das Überraschende: der "Marche fatal" des auf Geräuschmusik spezialisierten Komponisten klingt so gar nicht avantgardistisch.

Am 7. Juni folgt die seit Jahren angekündigte Uraufführung von Lachenmanns Orchesterstück "My Melodies" in München, dieses Mal mit dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks unter der Leitung von Peter Eötvös. Alles was Rang und Namen hat, gibt sich bei diesem Superereignis der Neuen Musik die Türklinke in die Hand. Und da ist sie wieder: die klangmagische Verführung des Altmeisters, der doch jung geblieben ist.

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