Bitte warten...

Musik und Missbrauch Studie zu Gewalt bei Regensburger Domspatzen: Geschlossenes System

Im Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen sind bislang 500 Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt bekannt. Zwei Studien beleuchten das System der Gewalt und Überwachung, das sich an der Schule ausbilden konnte.

Gang mit Musikproberäumen in der ehemaligen Vorschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen.

Ein Ort der systematischen Überwachung: Der Gang mit Musikproberäumen in der ehemaligen Vorschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen.


Bei den Regensburger Domspatzen sind Missbrauch und Gewalt durch undurchsichtige Strukturen und unklare Verantwortlichkeiten begünstigt worden. Zu diesem Ergebnis kommen zwei Studien im Auftrag des Bistums Regensburg, die am Montag, 22. Juli, vorgestellt wurden. Der berühmte Knabenchor und seine Schulen und Internate seien demnach ein abgeschottetes soziales System gewesen. Der Historiker Löffler von der Universität Regensburg sprach von einem System des Schweigens und der dauernden Überwachung, das von außen nicht kontrolliert wurde.

„Der Chor, seine Finanzierung und sein Erfolg standen stets im Zentrum und waren wichtiger als individuelles Wohlergehen der Schüler oder eine kindgerechte Pädagogik.“ (Aus der Studie der Universität Regensburg)

Zu dem geschlossenen System und den Übergriffen hätten sowohl kirchliche Stellen als auch staatliche Institutionen wie das Kultusministerium sowie Teile der Elternschaft beigetragen. Die meisten Verantwortlichen hätten über keine pädagogische Ausbildung verfügt. Schule und Internat seien letztlich nur wichtig gewesen, um „gute Stimmen“ zu rekrutieren - mit überzogener Strenge und körperlicher Züchtigung. Der Einzelne habe dabei nichts gezählt, die Qualität des Chores aber alles. Als Täter seien 49 Menschen ausgemacht worden.

3,8 Millionen Euro Entschädigung für misshandelte Chorknaben

„Es ist mittlerweile eine Offenheit in diesem System, die in absolut keiner Weise mehr vergleichbar ist mit dem, was wir erlebt haben bis in die 90er Jahre hinein.“ (Alexander Probst, Sprecher der Missbrauchsopfer der Regensburger Domspatzen)

Untersucht wurden die Jahre zwischen 1945 und 1995 aus historischer und aus sozialwissenschaftlicher Sicht. Die Übergriffe hätten vor allem in den 60er und 70er Jahren stattgefunden. Nach Angaben des Bistums haben 376 Personen bislang Anerkennungszahlungen erhalten. Insgesamt seien rund 3,8 Millionen Euro ausbezahlt worden. Mit den Studien wolle das Bistum einen „entscheidenden Beitrag zur Aufarbeitung“ leisten, sagte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Im Programm

Ernest Schelling:
"Suite fantastique" op. 7
Ian Hobson (Klavier)
BBC Scottish Symphony Orchestra
Leitung: Martyn Brabbins
Richard Strauss:
"Metamorphosen"
Alois Posch (Kontrabass)
Wiener Streichsextett
Johann Georg Heinrich Backofen:
Klarinettenkonzert Es-Dur op. 16
Dieter Klöcker (Klarinette)
SWR Rundfunkorchester Kaiserslautern
Leitung: Johannes Moesus
Cristobal de Morales:
"Salve Regina"
Weser-Renaissance Bremen
George Enescu:
Sinfonie Nr. 1 Es-Dur op. 13
Philharmonisches Orchester Tampere
Leitung: Hannu Lintu

Weitere Themen in SWR2