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Musik | Industrial „Rammstein“: Erfolgsrezept mit Variation

Nazi-Vokabular, Marsch-Rhythmen, riesige Geschlechtsteile auf der Bühne: Mit Tabu-Brüchen wurden Rammstein zu einem der erfolgreichsten deutschen Musik-Exporte der vergangenen Jahrzehnte. In den USA oder Frankreich füllen sie die größten Hallen. Nach zehn Jahren Pause veröffentlichen die fünf Musiker jetzt ein neues Album mit dem schlichten Namen „Rammstein“.

„Überheblich, überlegen, übernehmen, übergeben.
Überraschen, überfallen – Deutschland, Deutschland, über allen!“

Noch bevor das neue Rammstein-Album auf dem Markt war, hatte es für einen Eklat gesorgt. Im Video zur Single-Auskopplung „Deutschland“ waren die Musiker als KZ-Häftlinge zu sehen, die auf ihre Hinrichtung warten. Es folgten wütende Proteste von Politikern und Verbänden und damit wohl genau das, was die Band mit dieser kalkuliert geschmacklosen Provokation bewirken wollte.

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Das neue Rammstein-Album – Zwischen Tanzmetall und Provokation

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Nach zehn Jahren Pause veröffentlichen Rammstein ihr neues Album. Die erste Singleauskopplung wurde massiv über Youtube beworben. Zur Promo der zweiten Single – „Radio“ – luden die Berliner zum Public Viewing des Musikvideos in drei deutschen Städten: In Berlin, Köln und Hamburg wurde das Video auf Häuserwände projiziert und so rund 12 Stunden vor der eigentlichen Premiere bereits von zahlreichen Fans gefeiert.

Nach zehn Jahren Pause veröffentlichen Rammstein ihr neues Album. Die erste Singleauskopplung wurde massiv über Youtube beworben. Zur Promo der zweiten Single – „Radio“ – luden die Berliner zum Public Viewing des Musikvideos in drei deutschen Städten: In Berlin, Köln und Hamburg wurde das Video auf Häuserwände projiziert und so rund 12 Stunden vor der eigentlichen Premiere bereits von zahlreichen Fans gefeiert.

Große Anerkennung findet vor allem die Show mit Pyro-Effekten, mit der Rammstein bereits seit ihren Anfangstagen ihre Konzerte umrahmen.

Frontmann Till Lindemann ist Texteschreiber der Berliner Band. Neben seiner musikalischen Arbeit bei Rammstein und seinem Soloprojekt „Lindemann“ hat er bereits mehrere Gedichtbände veröffentlicht.

Durch die häufig polarisierenden Bühnenshows, die mit politischer und sexueller Symbolik bewusst provozieren und schocken wollen, sind Rammstein eine der am meisten diskutierten Bands ihrer Zeit.

1994 gründeten sich Rammstein zunächst als "Rammstein Flugshow" in Berlin. Der Bandname ist in Anlehnung an das Flugunglück im rheinland-pfälzischen Ramstein gewählt - die Band ist jedoch bis heute unglücklich über die Namenswahl. So sagt Gitarrist Paul Landers über den Bandnamen: "Doof, wie wir waren, schrieben wir Rammstein gleich mit zwei M, weil wir nicht wussten, dass der Ort Ramstein nur ein M hat. Wir haben uns erstmal aus Quatsch so genannt, aber der Name blieb kleben wie ein Spitzname, den man nicht gut findet."

Geschmacklose Provokationen, aber keine Faschisten

Der Vorwurf, ob Rammstein eine rechte Band ist, ist so alt wie die Gruppe selbst. Und er zielt ins Leere. Die fünf Musiker pflegten optisch mitunter eine Ästhetik, die den Faschismus zitiert, aber das taten auch schon Punk- oder Heavy Metal-Bands. Sänger Till Lindemann hantierte in der Vergangenheit mit Reizworten wie „Blitzkrieg“ und „Heil“, allerdings nicht ohne das eine mit dem Fleischgewehr zu verbinden und das andere als „Waidmanns Heil“ aufzulösen. Das ist unbestritten künstlerische Freiheit.

Dass Rechte diese Band gut finden könnten, steht auf einem anderen Blatt. Rammstein selbst distanzieren sich nicht, sie erklären nichts, sie genügen sich als lärmende Provokationskünstler.

Das Video zum Lied „Deutschland“: Ein kalkulierter Eklat

Auch auf ihrem siebten Album wimmelt es wieder von solchen Ambivalenzen.

Der Song zum anstößigen Video etwa ist ein Exkurs durch die deutsche Geschichte. Und auch wenn das Wort Deutschland so skandiert wird, dass man unwillkürlich an rechte Randalierer denkt, macht sich Lindemann im Refrain eben nicht mit diesen gemein. Auf „Deutschland, Deine Liebe ist Fluch und Segen“ folgt die Zeile „Deutschland, meine Liebe kann ich Dir nicht geben“.

Überraschend klare kritische Positionen

Auch an anderer Stelle wird Lindemann ungewohnt konkret und kritisch. In „Zeig Dich“ singt er über die Macht der Kirche: „Verhütung – verboten! Vergnügen – verpönt!“ Und über deren Verfehlungen: „Aus Versehen - sich an Kindern vergehen“. Natürlich ist auch das brachial, aber damit typisch Rammstein.

Nach zehn Jahren Studiopause hat sich diese Band also nicht neu erfunden, sondern lediglich das bekannte Spiel mit den Zeichen erweitert und verfeinert.

„Rrrrradio, mein Rradio – ich lass mich in den Äther saugen, meine Ohren werden Augen.“

Der Sound: Gewaltig, aber weniger brachial

Das Klangbild ist durchscheinender als früher, das Gitarrengeballer zurückhaltender, und Keyboarder Flake bekommt akustisch mehr Raum. Till Lindemann legt in seine trotz fortschreitendem Alter immer noch gewaltige Stimme erstaunlich viele Nuancen. Wenn er im Lied „Puppe“ mit überkippendem Diskant schreit: „Und dann reiß ich der Puppe denn Kopf ab“, dann ist das markerschütternd, aber eben auch: zum Schreien komisch.

Ansonsten bleibt alles beim Alten im vereinten Deutschland: Volkswagen verkauft Autos und Rammstein das rollende R.

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