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Bossa Nova Kritik an Bolsonaros Reaktion auf den Tod von João Gilberto

Wegen seiner verhaltenen Reaktion auf den Tod der brasilianischen Musik-Legende João Gilberto regt sich massive Kritik an Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro. Der Staatschef hatte am Samstag über den verstorbenen Sänger und Gitarristen gesagt, dieser sei „eine bekannte Person“ gewesen.

Der Musiker Joao Gilberto bei einem Konzert von 2008

Synkopische Gitarrenrhythmen und Flüsterstimme: Der Jazz-Musiker João Gilberto

Er galt als der Vater des Bossa Nova: Mit seiner Interpretation von „The Girl from Ipanema“ machte João Gilberto die moderne Mischung aus Samba und Jazz auf der ganzen Welt berühmt. Zuletzt lebte er krank und verschuldet in seiner Wohnung in Rio de Janeiro.

Im Alter von 88 Jahren starb der Musiker, wie das brasilianische Kulturministerium mitteilte. Nach seinem Tod huldigen ihm viele Weggefährten. Wegen seiner verhaltenen Reaktion auf den Tod des Musikers wird nun der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro massiv kritisiert.

Bolsonaro verherrlicht die Militärdiktatur und verachtet deren Kritiker

Zwar galt Gilberto als relativ unpolitisch, doch wandten sich etliche seiner Musikkollegen in der Bossa-Nova-Bewegung offen gegen die mehr als 20 Jahre lange Militärdiktatur, die 1964 begann. Diese Ära hat Bolsonaro wiederum wiederholt gelobt.

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro

Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro

Nach den Äußerungen von Bolsonaro zu Gilbertos Tod warf die brasilianische Sängerin Leoni dem Präsidenten auf Twitter vor, er habe „keinen Schimmer von der Bedeutung der Kultiviertheit João Gilbertos“. Das Verhältnis zwischen Jair Bolsonaro und der brasilianischen Künstlerszene gilt als angespannt. Hintergrund sind Pläne seiner Regierung, die staatlichen Ausgaben für Kunst und Kultur zu kürzen.

Vater des „Bossa Nova“

Mit seiner synkopischen Gitarrenbegleitung und seinem nasalen Flüster-Singsang prägte er die neue sensationelle Stilrichtung „Bossa Nova, umgangssprachlich für „der neueste Schrei. Davor saß er angeblich jahrelang depressiv im Pyjama in seinem Badezimmer, bis er dort jenen neuartigen Sound entdeckte, den er 1958 den verblüfften Kollegen präsentierte.

Die letzten Jahre

João Gilberto war zwar mit seiner Musik weltberühmt, doch während der letzten Jahre lebte er zurückgezogen, ohne Interviews oder Konzerte zu geben. Zuletzt war der Musiker in den Medien präsent, als seine hohe Verschuldung und ein damit einhergender Familienstreit bekannt wurden.

Im Programm

Peter Tschaikowsky:
1. Satz aus dem Streichsextett op. 70 "Souvenir de Florence"
Yuri Yurov (Viola)
Mikhail Milman (Violoncello)
Borodin-Quartett
Gotthard Odermatt:
"Eté"
Albrecht Mayer (Oboe)
Academy of St. Martin in the Fields
Joaquín Turina:
4 "Postkarten"
Maria Bergmann (Klavier)
Johann Strauß:
"Ach, wie so herrlich zu schau'n" aus der Operette "Eine Nacht in Venedig"
Fritz Wunderlich (Tenor)
Berliner Symphoniker
Leitung: Fried Walter
Richard Wagner:
"Waldweben" aus der Oper "Siegfried"
Leitung: Philippe Jordan
Louise Héritte-Viardot:
"Fliegen und Schmetterlinge" aus dem Klavierquartett Nr. 2 A-Dur op. 9
Ensemble Viardot

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