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Orchester spielen ohne Dirigent Herrschaftsfreies Musizieren

Das Experiment des angewandten musikalischen Kollektivismus fiel den Repressionen Stalins zum Opfer. In Düsseldorf lebt es wieder auf.

Persimfans Orchester

Einer fehlt: der Dirigent des Persimfans Orchester.

So klang die Oktoberrevolution: Im Jubiläumsjahr der russischen Revolution von 1917 ist in Düsseldorf das Experiment des „herrschaftsfreien Musizierens“ neu zu erleben. Für zwei Konzerte am 7. und 8. Oktober vereint sich das russische „Persimfans“-Orchester aus Moskau mit den Düsseldorfer Symphonikern zu einem großen Ensemble. Einer fehlt allerdings. Es gibt keinen Dirigenten.

In der Tonhalle Düsseldorf werden die beiden Orchester im Halbkreis sitzen und sich ohne Dirigent über intensiven Blickkontakt verständigen, wie die Tonhalle mitteilte. Vorbild ist das 1922 in Moskau gegründete kollektivistisch-experimentale Persimfans-Orchester. Im Einklang mit den Idealen der frühen Sowjetzeit wollte es sich keinem Dirigenten mehr unterordnen. Nach zehn Jahren wurde das anarchische Orchester 1932 unter Stalin aufgelöst - der Glaube an das führungslose Kollektiv war verschwunden.

Prinzip des gleichberechtigten Spiels

„Persimfans“ ist die Kurzform des russischen „Perwy Simfonitscheski Ansambl“, zu Deutsch: „Erstes symphonisches Ensemble“. Die Musiker, die sich auf Initiative des Moskauer Geigenprofessors Lew Zeitlin zusammenfanden, waren Pioniere und leidenschaftliche Idealisten, die die ursprüngliche Bedeutung von „symphonisch“ („zusammenklingend“) und Ensemble („Gesamtheit, Einheit“) beim Wort nahmen. Sie übertrugen das in der Kammermusik gängige Prinzip des gleichberechtigten Spiels auf das große Orchester.

Bei den beiden Konzerten in der Tonhalle werden Kompositionen zu hören sein, die auch vom originalen Persimfans-Orchester Anfang des 20. Jahrhunderts gespielt wurden. Die Werke von Meitus, Wyschnegradsky, Meisel und Mossolow stehen für die russische Avantgarde zu Zeiten der Oktober-Revolution. Unter dem Motto „Sound der Utopie“ spielen die Düsseldorfer Symphoniker mit dem Persimfans-Orchester aber auch Werke, die mit dem Geist der Oktober-Revolution verbunden sind. Neben Schwitters und Hindemith steht auch Beethoven als Lenins Lieblingskomponist auf dem Programm.

Ein weiteres gemeinschaftliches Konzert wird im Dezember in Moskau stattfinden - als zweiter Teil des gemeinsamen Projektes von der Tonhalle Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Moskau.

Der Probenbericht


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Im Programm

Rupert Ignaz Mayr:
Suite Nr. 6 D-Dur
L'Arpa Festante
Leitung: Rien Voskuilen
Paul Taffanel:
"Freischütz-Fantasie"
Emmanuel Pahud (Flöte)
Philharmonisches Orchester Rotterdam
Georg Muffat:
"Fasciculus IV - Impatientia"
Salzburg Barock
Frédéric Chopin:
Walzer Es-Dur op. 18
Alice Sara Ott (Klavier)
Ludwig van Beethoven:
Finale aus der Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55
Orchestre Révolutionnaire et Romantique
Leitung: John Eliot Gardiner
Johann Christian Bach:
Sinfonie F-Dur op. 3 Nr. 5
Academy of St. Martin in the Fields
Leitung: Neville Marriner

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