Bitte warten...

Neue "Salome" an der Berliner Staatsoper Zwei Dirigentenabsagen und provokante Regie

Am 4.3. hatte an der Berliner Staatsoper Unter den Linden eine Neuinszenierung der „Salome“ Premiere. Zwei berühmte Dirigenten fielen aus. Ein junger Nachwuchsdirigent sprang ein: Thomas Guggeis. Er wird nächste Spielzeit Kapellmeister an der Stuttgarter Oper.

Die neue Produktion an der Staatsoper Unter den Linden stand unter keinem guten Stern: Erst fiel der ursprünglich vorgesehene Dirigent Zubin Mehta wegen Erkrankung aus, dann überwarf sich der für ihn eingesprungene Grandseigneur Christoph von Dohnányi mit dem Regisseur Hans Neuenfels und warf kurz vor der Premiere das Handtuch. Doch man hatte Glück im Unglück, denn kurzerhand sprang der 24-jährige Thomas Guggeis in die Bresche und rettete die Premiere.

Sängerisch keine Offenbarung

Sängerisch war die Aufführung Unter den Linden keine wirkliche Offenbarung. Die debütierende litauische Sopranistin Ausrine Stundyte bewältigte die Titelpartie überwiegend wortunverständlich und glanzlos, Gerhard Siegel legte den Herodes allzu heldisch an, Maria Prudenskaya sang immerhin eine sehr solide Herodias und Thomas Mayer einen ehrenwerten Propheten Jochanaan.

Salome (Szenenfoto)

Ausryne Stundyte als Salome

Allerdings sang Jochanaan nicht aus einer Zisterne, wie die Partitur es verlangt, sondern aus einer Art phallischer Rakete, die vom Bühnenhimmel herabschwebte. Regisseur Hans Neuenfels und sein Ausstatter Reinhard von der Thannen lassen das altbiblische Orientstück in einem an ein Kino erinnernden, modernen Saal spielen als Stück über die Erotik des Librettisten Oscar Wilde. Der tritt auch auf wie ein Satyr im Smoking mit großem, freihängendem, versilbertem Gemächt. Mit Salome darf er beim Tanz der sieben Schleier einen Todes-Pas-de-deux tanzen.

1/1

Neue "Salome" an der Berliner Staatsoper

Zwei Dirigentenabsagen und provokante Regie

In Detailansicht öffnen

Dirigent Nr. 1: Der 81-jährige Zubin Mehta musste sich im November 2017 einer Schulteroperation unterziehen und kann noch bis Ende März 2018 nicht dirigieren.

Dirigent Nr. 1: Der 81-jährige Zubin Mehta musste sich im November 2017 einer Schulteroperation unterziehen und kann noch bis Ende März 2018 nicht dirigieren.

Dirigent Nr. 2: Kurz vor der Premiere trat Christoph von Dohnányi von der musikalischen Leitung der Salome zurück. Als Grund gab das Opernhaus „künstlerische Differenzen“ zwischen Dohnányi und Regisseur Hans Neuenfels an, ohne Einzelheiten zu nennen. 

Dirigent Nr. 3: Glück im Unglück – kurzerhand sprang der 24-jährige Thomas Guggeis in die Bresche und rettete die Premiere. Thomas Guggeis ist seit der Saison 2016/17 Assistent von Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und Korrepetitor der Staatsoper. Mit der Spielzeit 2018/19 wird Guggeis sein neues Amt als Kapellmeister am Staatstheater Stuttgart antreten.

Hans Neuenfels, Großmeister der Opernregie und Grund für den Rückzug Dohnányis, dachte vor der Premiere wiederum in einem Interview mit der Berliner Zeitung über das Ende seiner eigene künstlerischen Arbeit nach. "Ich inszeniere im Sommer bei den Salzburger Festspielen Pique Dame von Tschaikowsky und dann höre ich wahrscheinlich auf." 

Der Prophet Jochanaan (dargestellt von Thomas J. Mayer) singt nicht aus einer Zisterne, wie die Partitur es verlangt, sondern aus einer Art phallischer Rakete, die vom Bühnenhimmel herabschwebt. Regisseur Hans Neuenfels und sein Ausstatter Reinhard von der Thannen lassen das altbiblische Orientstück in einem an ein Kino erinnernden, modernen Saal spielen als Stück über die Erotik des Librettisten Oscar Wilde.

Oscar Wilde tritt auch auf (dargestellt von Christian Natter) und zwar wie ein Satyr im Smoking mit großem, freihängendem, versilbertem Gemächt. Mit Salome darf er beim Tanz der sieben Schleier einen Todes-Pas-de-deux tanzen.

Am Ende bekommt Salome in der Inszenierung von Hans Neuenfels statt des abgeschlagenen Hauptes Jochanaans 42 abgeschlagene Männerköpfe präsentiert. Regisseur Neuenfels hat eine Parabel über Eros und Thanatos, die Amoralität der Sexualität und die Homosexualität Oscar Wildes gezeigt, der Salome (dargestellt von Ausryne Stundyte) zu seinem kämpferischen Alter Ego bestimmt habe. Salome tritt denn auch wie ein androgyner Vampir in Männerkleidern auf.

Salome als androgyner Vampir in Männerkleidern

Am Ende bekommt Salome in der Inszenierung von Hans Neuenfels statt des abgeschlagenen Hauptes Jochanaans, der übrigens in Frauenkleidern auftritt, 42 abgeschlagene Männerköpfe präsentiert. Auf einem Bühnenwagen werden sie herangefahren. Der Altmeister des sogenannten Regietheaters hat in dieser, wie er verlautbaren ließ, seiner wohl letzten Inszenierung in Berlin einmal eine Parabel über Eros und Thanatos, die Amoralität der Sexualität und die Homosexualität Oscar Wildes gezeigt, der Salome zu seinem kämpferischen Alter Ego bestimmt habe. Ausryne Stundyte tritt denn auch wie ein androgyner Vampir in Männerkleidern auf.

Der Star des Abends: Einspringer Thomas Guggeis

Diese neue Berliner Salome-Inszenierung wird gewiss für Kontroversen sorgen. Nicht jedoch das Dirigat des Einspringers Thomas Guggeis. Er hat die Staatskapelle Berlin ohne Fehl und Tadel zu einer klug disponierten, spannenden, farben- und kontrastreichen Interpretation der Oper angehalten, souverän auf Transparenz der flirrenden Musik bedacht, energisch und auf der Basis des Konzepts, das er mit Christoph von Dohnányi erarbeitet hat.

Man darf gespannt sein auf den neuen Kapellmeister an der Stuttgarter Oper. Sein erfolgreiches Einspringen für Christoph von Dohnányi in Berlin war eine große Chance, ein überzeugender und sicherlich weithin beachteter Beweis seiner dirigentischen Qualifikation und vielleicht sein großer Durchbruch. In jedem Fall aber ein glänzender Abgang von Berlin – er wird alle fünf Vorstellungen von Salome bis zum Ende der Saison dirigieren – und ein vielversprechender Vorwurf auf seine neue Wirkungsstätte. Zurecht wurde Thomas Guggeis gestern Abend vom Publikum frenetisch gefeiert.

Im Programm

Wann startet die erste bemannte Rakete zum Mars? Wie wird sich die private Raumfahrt entwickeln? Gibt es bald ein Wettrennen der Nationen zum Mond? Antworten gibt der SWR Wissenschaftsredakteur Uwe Gradwohl am Dienstag, 22. Oktober, von 16:05 bis 16:55 Uhr, unter der Telefonnummer 07221 2000


Musiktitel:

1.
A place on the moon
Sarah Ferri
CD: Ferritales

2.
Different spaces
Charlie Cunningham
CD: Permanent way

3.
Son de difuntos
Lila Downs
CD: Balas y Chocolate

4.
Am/Pm
Matt Bianco
CD: Gravity

5.
Black moon rising
Black Pumas
CD: Black Pumas

Weitere Themen in SWR2