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Musikstück der Woche vom 20.12.-26.12.2010 Gesang des Erzengels

Anton Bruckner: Ave Maria, Motette für 7-stimmigen Chor a cappella

Unser Musikstück der Weihnachts-Woche macht hörbar, wie es geklungen haben könnte, als der Engel Gabriel Maria die frohe Botschaft von der Geburt Christi ankündigte – oder zumindest, wie es sich Anton Bruckner vorgestellt hat. Das SWR Vokalensemble singt Bruckners „Ave Maria“ unter der Leitung von Marcus Creed.

Anton Bruckner: Ave Maria, Motette für 7-stimmigen Chor a cappella

„Herr Bruckner hat hierdurch einen glänzenden Beweis seiner besonderen Befähigung für schaffende kirchliche Kunst geliefert.“ So las man in der Zeitung über die erste Aufführung von Bruckners Chorstück „Ave Maria“. Sie fand 1861 im Rahmen einer Messe in Linz statt, Bruckner war Organist am dortigen Dom.
1860 übernahm er auch die Leitung der Linzer Liedertafel „Frohsinn“, der er schon vier Jahre lang angehörte. Mit ihr kam die Motette auch erstmalig zur Aufführung. Im Gegensatz zu seinem ersten „Ave Maria“, das beinahe fünf Jahre früher entstand, hat Bruckner bei dieser Komposition auf den Generalbass verzichtet – ebenso wie auf andere Begleitinstrumente. Die sieben Chorstimmen (bis auf den Sopran sind alle Register in zwei Stimmen aufgespalten) – singen a cappella.


Zum Text


Das „Ave Maria“ ist eines der wichtigsten Mariengebete der römisch-katholischen Kirche. Es setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil ist biblischen Ursprungs und kombiniert Passagen aus dem Lukas-Evangelium: Worte des Engels Gabriel aus der Verkündigungsrede und Worte von Marias Cousine Elisabeth. Der zweite Teil wurde dem Bibeltext erst im 13. Jahrhundert hinzugefügt. Er formuliert die Bitte um Marias Beistand in der Todesstunde.

Ave Maria,
gratia plena,
Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.



Zur Musik

Das undatierte Archivbild zeigt den 1896 gestorbenen Komponisten Anton Bruckner

Anton Bruckner

Im „Ave Maria“ steckt vieles, was später Bruckners sinfonischen Stil prägt: Die Musik basiert auf wenigen rhythmischen und melodischen Bausteinen, keiner länger als ein Takt. Sie bilden das Grundgerüst dieses Satzes, in immer neuer Veränderung und Kombination. Am Schluss filtert Bruckner eine Synthese aus all diesen Bausteinen heraus. Seine Wirkung bezieht das Chorstück aus einem genau kalkulierten Umgang mit Klangräumen: Systematisch erst aus dem Frauenchor, dann aus dem Männerchor kommend, erweitert Bruckner die Klangräume der gemischten Stimmen in mehreren Steigerungen bis zu orchestraler Wirkung und führt sie dann, ebenso wellenartig und unter Einbeziehung neuer Steigerungen auf melodischem und harmonischem Gebiet, wieder zurück in die Intimität der engen und tiefen Lage. Man kann davon ausgehen, dass Bruckner diesen Umgang mit den Registern der Singstimme an den mehrchörigen Kompositionen des Barock-Komponisten Giovanni Gabrieli und seiner Zeitgenossen ausgiebig studiert hat.


SWR Vokalensemble Stuttgart

Die Geschichte des SWR Vokalensembles Stuttgart spiegelt in einzigartiger Weise die Kompositionsgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wieder. Auf Beschluss der Alliierten und im Zuge von Demokratisierungsmaßnahmen wurden 1946 Rundfunkanstalten und Ensembles gegründet, darunter auch der damalige Südfunkchor. Ihm kam die Aufgabe zu, das Schallarchiv mit Musik aller Arten und für jegliche Anlässe zu versorgen. Mit dem Dirigenten Hermann Joseph Dahmen, der den Chor von 1951 bis 1975 leitete, begann die Zeit der allmählichen Spezialisierung auf Neue Musik. Von 1953 an vergab der Chor regelmäßig Kompositionsaufträge.

Mitglieder des SWR Vokalensembles Stuttgart  stehen einzeln oder in Grüppchen vor einer hellen Wand

SWR Vokalensemble Stuttgart

Zu internationaler Reputation als Ensemble für Neue Musik gelangte das SWR Vokalensemble mit seinen späteren Chefdirigenten Marinus Voorberg, Klaus-Martin Ziegler und mit Rupert Huber. Schon Voorberg, insbesondere aber Huber formte den typischen Klang des SWR Vokalensembles, geprägt von schlanker, gerader Stimmgebung. Viele der mehr als 200 Uraufführungen, die in der Chronik des SWR Vokalensembles verzeichnet sind, hat er dirigiert. Auf diesem Niveau konnte Marcus Creed aufbauen, als er 2003 die Position des Chefdirigenten übernahm. Dem Ensemble ging zu diesem Zeitpunkt bei Fachpresse und Publikum längst der Ruf voraus, in konstruktiver Offenheit mit den Schwierigkeiten zeitgenössischer Partituren umzugehen.

In seinen ersten Stuttgarter Jahren legte Creed, der als einer der profiliertesten Dirigenten internationaler Profichöre gilt, seine Arbeitsschwerpunkte deshalb auf das Vokalwerk von György Ligeti, Luigi Dallapiccola und Luigi Nono. Darüber hinaus setzte er die Reihe der Uraufführungen fort. Intensiviert wurde vor allem die Zusammenarbeit mit Georges Aperghis, Heinz Holliger und György Kurtág. Die Studioproduktion des SWR Vokalensembles Stuttgart erscheinen zu einem großen Teil auf CD und werden regelmäßig mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Preis der Deutschen Schallplattenkritik, der Grand Prix du Disque und der Midem Classical Award. 2009 erhielt das SWR Vokalensemble als "Ensemble des Jahres" den Echo-Klassikpreis.

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Sendezeit

Samstags 10.05 bis 10.30 Uhr

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