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Musical Uraufführung von „Hedwig and the Angry Inch“ in Karlsruhe

von Marie-Dominique Wetzel

Hedwig war früher Hänsel und hat in der DDR gelebt. Um nach Amerika zu gelangen, lässt sich Hänsel mit einer dilettantischen Operation zu Hedwig machen. Das Musical „Hedwig and the Angry Inch“ hatte am Sonntag, den 12. Mai am Badischen Staatstheater Karlsruhe Premiere. Die Kinder- und Jungendtheatersparte des Staatstheaters möchte mit dem Stück einen mutigen Umgang mit den Themen Selbstverwirklichung und Identität zeigen.

Hänsel in der DDR

Das Musical „Hedwig and the Angry Inch“ erzählt die tragikomische Geschichte der Sängerin Hedwig, die in der ehemaligen DDR als Hänsel geboren wurde. Hänsel lebt in Ostberlin, der Vater ist kurz nach der Geburt verschwunden, die Mutter lieblos. Hänsel träumt sich in eine andere Welt mit Hilfe eines amerikanischen Radiosenders.

Die Musik ist seine erste große Liebe. Hänsel wird von großer Sehnsucht gepackt. Er lernt einen amerikanischen Soldaten kennen, der diesen zarten Knaben zuerst für eine Frau hält. Er verführt Hänsel mit Gummibärchen und bisher unbekannten, klebrigen Süßigkeiten.

Geschlechtsumwandlung und Auswanderung

Hänsel soll nun die Frau des Soldaten werden und mit in die USA kommen. Die Mutter findet die Idee glänzend und stiftet sogar ihren Pass, ihren Namen – und die Operation.

Doch die Operation wird dilettantisch durchgeführt und zurück bleibt ein ca. 2,5 Zentimeter großer Rest seiner Männlichkeit, ein „angry inch“ wie Hedwig es nennt.
Ein paar Jahre später sitzt Hedwig geschieden und mittellos in einem Wohnmobil irgendwo in Kansas und sieht im Fernsehen, wie in ihrer alten Heimatstadt die Mauer fällt.

Bühnenbild von Hedwig and the angry inch

Hedwig singt von ihrem Leben als Transsexuelle aus der DDR.

Rückkehr nach Deutschland

Hedwig kehrt zurück und wird zur Sängerin. Der Glamour ihres extravaganten Outfits kann aber nur kurz darüber hinwegtäuschen, dass die Chanteuse Hedwig lediglich in drittklassigen Clubs mittelgroßer Städte herumtourt. Doch sie lässt sich nicht unterkriegen und erzählt ihrem Publikum schonungslos wie sie wurde, wer sie ist.

Hedwig sucht ihr Glück. Häufig wird sie ausgenutzt, manchmal nutzt sie selbst andere aus. Der Schauspieler Pål Fredrik Kvale spielt Hedwigs zerrissene und extravagante Persönlichkeit mit großem Einfühlungsvermögen.

Unterhaltsames Stück für Toleranz

Die Fragen, die das Stück stellt, sind: Ist Hedwig selbstbestimmt und frei? War ihr Weg richtig? Sind die Opfer nicht zur groß? Das Junge Staatstheater geht sensibel auf diese Fragen ein, ist dabei unterhaltend und nicht belehrend. Am Ende gibt es Standing Ovations für die Darstellenden und die Band – und wohl auch das Stück als Plädoyer für eine offenere, tolerantere Gesellschaft.

Weitere Aufführungs-Termine: 31. Mai, 14. und 15. Juni, jeweils ab 19 Uhr in der INSEL Karlsruhe

Das Musical ist gedacht für Jugendliche ab 15 Jahren. In Amerika bereits als Film und Broadway-Show beliebt, ist es nun in Karlsruhe zu sehen, in einer Inszenierung von Otto A. Thoß.

Im Programm

Anton Reicha:
Szene
Marie-Lise Schüpbach (Englischhorn)
Symphonieorchester des BR
Leitung: Mario Venzago
Georg Friedrich Händel:
Concerto grosso e-Moll op. 6 Nr. 3
Orpheus Chamber Orchestra
Max Reger:
Sonatine F-Dur op. 89 Nr. 3
Wolfram Lorenzen (Klavier)
Louis Théodore Gouvy:
Allegro aus der Sinfonie Nr. 3 C-Dur op. 20
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Leitung: Jacques Mercier
Francesco Manfredini:
Konzert g-Moll op. 3 Nr. 10
Renate Gentz, Almut Backhaus (Violine)
Les Amis de Philippe
Leitung: Ludger Rémy
Alexander Glasunow:
"Raymonda", Valse fantastique op. 57a
Royal Scottish National Orchestra
Leitung: José Serebrier

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