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Opern-Regisseur Konwitschny vor seiner Medea-Premiere Klagen über den Nachwuchs

Strauss' Elektra im Jahr 2005 war Peter Konwitschnys letzte Arbeit für die Oper Stuttgart. Nun ist er wieder da, inszeniert Cherubinis Medea und übt Kritik.

Opern-Regisseur Peter Konwitschny

Peter Konwitschny inszeniert in Stuttgart die Oper Medea, die am 03.12.2017 Premiere feiert.

Starregisseur Peter Konwitschny (72) beklagt, dass an vielen Bühnen heute nur noch „tote Hose“ herrsche. „In München ist tote Hose, und in Hamburg ist tote Hose. Tote Hose ist, was keine Impulse schafft, keine Widersprüche liefert„, sagte Konwitschny vor der Premiere der Oper „Medea“ von Luigi Cherubini an diesem Sonntag, 3. Dezember, in Stuttgart. „Der Widerspruch ist nun einmal das A und O des Lebens.“ Er selbst wolle „keinen Klimbim, keine schönen Kostüme, schöne Tönchen“ auf die Bühne bringen, sondern eine Botschaft vermitteln.

Die Oper handelt von Medea, die ihren Mann an eine andere verliert und dann ihre beiden Kinder und die neue Partnerin des Mannes tötet. Er selbst habe Sympathien für Medea, sagte Konwitschny, interessiere sich für ihre Botschaft, weil sie sich zur Wehr setze gegen Verrat, Ungerechtigkeit, Lieblosigkeit. „Es müsste eine Gesellschaft
geschaffen werden, die in der Lage ist, solche großartigen Frauen zu integrieren, statt sie zu liquidieren.“ In Sicht sei eine solche Welt aber nicht.

Ein Stück wie Medea sensibilisiert uns für unsere eigene Vergewaltigung, damit das Gute in uns blüht und nicht das Destruktive, damit uns das Leben, die Freundlichkeit, die Liebe wertvoller werden als Besitz, Betrug und Tötungswahn.“ (Peter Konwitschny über Cherubinis Medea)

Zugleich bedauerte Konwitschny, der auch Studenten ausbildet, dass junge Menschen immer weniger die großen Tragödien durchdringen würden. „Sie lernen mehr, sich zu verkaufen, als die Stücke zu analysieren.“ Ihm selbst kämen auch mit 72 Jahren immer noch viele Ideen für Inszenierungen. „Das kommt durch meine Spaziergänge im Wald“, sagte Konwitschny. Er lese auch viel, gehe aber nicht mehr selbst in die Oper. Und auch in seinem Künstlerleben gebe es Tiefpunkte. „Die kommen so alle fünf Jahre bei mir. Das hing immer auch mit Trennungen zusammen“, sagte der Künstler.

Konwitschnys Stuttgarter Inszenierung


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