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Hunderte Kulturinstitutionen bilden Bündnis gegen Rechts Mit Glanz gegen Angst

In Berlin, Dresden, Hamburg und Nordrhein-Westfalen bilden zahlreiche Kulturinstitutionen ein Bündnis gegen Rechts, ausgehend von einer "Erklärung der Vielen". Ihr Motto: Kunst für Demokratie.

Berliner "Erklärung der Vielen", Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palas

"Ab heute sind wir nicht mehr allein auf weiter Flur. Ab heute sind wir viele," sagt einer der Vielen: Berndt Schmidt, Intendant Friedrichstadt-Palast, bei der Pressekonferenz zur "Berliner Erklärung der Vielen". Schmidt hatte im vergangenen Jahr nach seinem Eintreten gegen Rechtsextremismus sein ganzes Haus wegen einer Bombendrohung räumen lassen müssen. 

Fast vierhundert Kulturinstitutionen bundesweit haben sich zu einem Bündnis gegen Rechts zusammengeschlossen. In Berlin und anderen Städten stellten die Initiatoren am geschichtsträchtigen Freitag, 9. November, eine "Erklärung der Vielen" vor, in der sie sich zum Engagement gegen Nationalismus und Intoleranz und für die Freiheit der Kunst verpflichten. "Ich hoffe, wir werden den Rechten von heute an das Leben deutlich schwerer machen", sagte Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, der Dachorganisation von mehr als 250 Bundeskulturverbänden, in Berlin. Gerade in kleineren Orten sei der Druck von Rechts dramatisch gewachsen.

"Unsere Gesellschaft ist eine plurale Versammlung. Viele unterschiedliche Interessen treffen aufeinander und finden sich oft im Dazwischen. Demokratie muss täglich neu verhandelt werden – aber immer unter einer Voraussetzung: Es geht um Alle, um jede*n Einzelne*n als Wesen der vielen Möglichkeiten! Der rechte Populismus, der die Kultureinrichtungen als Akteure dieser gesellschaftlichen Vision angreift, steht der Kunst der Vielen feindselig gegenüber. Rechte Gruppierungen und Parteien stören Veranstaltungen, wollen in Spielpläne eingreifen, polemisieren gegen die Freiheit der Kunst und arbeiten an einer Renationalisierung der Kultur." (Aus der Berliner Erklärung der Vielen)

Der Anstoß zu der Kampagne kam von dem 2017 gegründeten Verein Die Vielen, der von der Stiftung des Fotografen Wolfgang Tillmans unterstützt wird. Gemeinsames Symbol ist eine gold-glitzernde Rettungsdecke, die von allen als Erkennungszeichen genutzt werden soll. Nach lokalen und selbstorganisierten Veranstaltungen in ganz Deutschland sind für Mai 2019 bundesweit "Glänzende Demonstrationen" geplant. In Berlin schlossen sich mehr als 140 Kulturinstitutionen der Initiative an, darunter die drei großen Opernhäuser, die Akademie für Alte Musik Berlin und das Jazzfest Berlin.

Weitere Erklärung in Hamburg, Dresden und Nordrhein-Westfalen

Auch in Nordrhein-Westfalen unterzeichneten mehr als 140 Theater, Künstler, Museen und Kultureinrichtungen die Erklärung. Es gehöre zu den Stärken der Kulturschaffenden, dass sie in der Gesellschaft Zeichen setzen können, sagte Wilfried Schulz, der Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses. In Hamburg zählten die Initiatoren rund 100 Unterzeichner wie die Elbphilharmonie und die Staatsoper Hamburg, in Dresden waren es 50, darunter die Semperoper, die Dresdner Musikfestspiele und die Dresdner Hofmusik.

Im Programm

Johann Sebastian Bach:
"Jauchzet Gott in allen Landen" BWV 51
Natalie Dessay (Sopran)
Le Concert d'Astrée
Leitung: Emmanuelle Haïm
Arnold Schönberg:
"Pelleas und Melisande" op. 5
Deutsche Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern
Leitung: Josep Pons
Joseph Haydn:
Sonate As-Dur Hob. XVI/43
Marc-André Hamelin (Klavier)
Hans Pfitzner:
Sinfonie C-Dur op. 46
Bamberger Symphoniker
Leitung: Werner Andreas Albert
Ludwig van Beethoven:
Musik zu Friedrich Dunckers Drama Leonore Prohaska
Bodil Arnesen (Sopran)
Helga Lehner (Sprecherin)
Konstantin Restle (Glasharmonika)
Renate Erxleben (Harfe)
Rundfunk-Chor
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Leitung: Karl Anton Rickenbacher