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Karrieren Geigenlegende Gidon Kremer deutet Karriereende an

Seit mehreren Jahrzehnten ist der Geiger Gidon Kremer auf der ganzen Welt unterwegs und hat unzählige Konzerte gespielt. Mit 72 Jahren will er diesen aber nicht noch unzählige Weitere folgen lassen.

Gidon Kremer 2018 in Moskau

Ein paar Konzerte wird Gidon Kremer noch spielen. Zum Beispiel dieses Jahr in Melsungen, in Ingolstadt, in Aschau im Chiemgau, in der Alten Oper Frankfurt, in Hitzacker, im österreichischen Lockenhaus bei seinem von ihm gegründeten Festival et al.

Am 22. Mai begeisterte Gidon Kremer bei den Kunstfestspielen Herrenhausen in Hannover das Publikum noch mit einem Chopin-Weinberg-Programm. Vor seinem Auftritt kündigte er in einem Gespräch an, seine langwährende Karriere beenden zu wollen. Zwar gebe ihm das Geigenspiel viel Kraft, das "ewige Reisen zu den Konzerten" sei ihm aber lästig geworden. Deshalb wolle er nur noch rund 100 Konzerte spielen, wie die Hannoversche Allgemeine berichtet.

Noch 100 Konzerte - oder 500?

Die Agentur des Musikers, Impresariat Simmenauer, relativierte gegenüber dem SWR die Ankündigung allerdings umgehend: "Wenn ein Musiker, 72-jährig, sagt, er gedenkt noch 100 Konzerte zu spielen, sagt er doch das Gegenteil, als dass er aufhört. Wenn Gidon Kremer das sagt, dann sind es am Ende eher 500 als 100."

Seit 1975 in Deutschland zu erleben

Kremer wurde 1947 im lettischen Riga als Kind von Eltern deutscher Herkunft geboren. Er studierte an der Rigaer Musikschule und anschließend am Moskauer Konservatorium bei David Oistrach. Nach Erfolgen bei zahlreichen internationalen Wettbewerben in den 1960er-Jahren starteten ausgedehnte Tourneen durch die ehemalige Sowjetunion. Sein erstes Konzert in Deutschland gab er 1975 als Tourneeauftakt in München, ein Jahr später folgte sein Debüt bei den Salzburger Festspielen.

Kremer hat bereits mehr als 120 Alben aufgenommen und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet - unter anderem mit dem Ernst von Siemens Musikpreis, dem Großen Bundesverdienstkreuz und 2016 mit dem Praemium Imperiale, der auch gerne als Nobelpreis der Musik bezeichnet wird.

Solistisch und mit der Kremerata Baltica unterwegs

1997 gründete Kremer das Kammerorchester Kremerata Baltica zur Förderung herausragender Nachwuchsmusiker aus dem Baltikum. Das Ensemble unternimmt unter seiner Leitung nach wie vor regelmäßig ausgedehnte Konzertreisen. In diesem Jahr wird Kremer nach Auskunft seiner Agentur "neben vielen Konzerten und neuen Projekten mit seinem Kammerorchester auch zahlreiche solo Rezitale spielen". Zudem plane das Konzerthaus Berlin für den Oktober 2019 eine große Hommage mit Gidon Kremer.

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