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Frauenstimmen werden immer tiefer Kulturelle Einflüsse geben den Ton an

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frauen heute mit tieferer Stimme sprechen als früher. Das beeinflusst auch die Entwicklung der Singstimmen von Frauen.

Nur noch eine Quinte höher als Männerstimmen

Dass Frauenstimmen im Alter tiefer werden, ist bekannt, sagt Bernhard Richter vom Institut für Musikermedizin in Freiburg. Neu aber ist, dass Frauen heute ein ganzes Stück tiefer sprechen als gleichaltrige Frauen vor zwanzig, dreißig Jahren, wie Leipziger Forscher festgestellt haben. Damals lag die weibliche Sprechfrequenz bei rund 220 Hz und damit eine Oktave über der Männerstimme. Heute sei es nur mehr eine Quinte, sagt Michael Fuchs vom Uniklinikum Leipzig. Die Sprechstimme der Frau wird dabei aber erst im frühen Erwachsenenalter tiefer. Biologisch lässt sich das nicht erklären.

Dazu Michael Fuchs: „Es wird wohl das veränderte Rollenbild der Frau sein, das wir auch an der tieferen Stimmlage hören. Zu vermuten ist, dass sich das vor allem in dem Lebensabschnitt zwischen 20 und 40 auswirkt, in dem man sich etabliert und neue Funktionen vor allen Dingen im beruflichen Alltag übernimmt.“

Tiefe Stimme von Vorteil

Gerade im Beruf kann eine tiefe Stimme von Vorteil sein. Denn, wie man aus psychoakustischen Studien weiß, wirkt sie vertrauenswürdiger und glaubwürdiger. Am tiefsten sprechen Frauen in Skandinavien, wo auch die Emanzipation stark verbreitet ist. In Ländern wie Japan hingegen entspricht eine hohe weibliche Stimme dem Ideal. Kulturelle Einflüsse sind also durchaus von Bedeutung – und das auch im Gesang, sagt Bernhard Richter. „Wir erleben es ja in der Popmusik, dass tiefe Stimmen letztendlich dominant sind.“

Juliane Banse Frontalportrait

Findet den gestiegenen Kammerton unbequem: die Sopranistin Juliane Banse

Sopranstimmen nicht vom Aussterben bedroht

Seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich hier viel verändert. Manche Sängerinnen spielen sogar ganz bewusst mit den verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten. Auch wenn heute tiefere Stimmen tendenziell bevorzugt werden, ist die Sopranstimme nicht vom Aussterben bedroht. Biologisch gesehen können Frauen nämlich bis zur Postmenopause sehr wohl hoch singen. Allerdings ist ein gewisses Training wichtig – und das am besten von Kindheit an.

Herausforderung: der Kammerton wird höher

Was Sänger allerdings zusätzlich herausfordert, ist der ständig steigende Kammerton. Lag er zu Bachs Zeiten – je nach Region – bei rund 435 Hz, stimmen viele Orchester ihre Instrumente heute auf bis zu 446 Hz. Der brillantere Klang der Instrumente kann für den Sänger aber zum Verhängnis werden, sagt die Sopranistin Juliane Banse: „Bei 446 Hz merkt man eindeutig, dass das Singen anstrengender ist.“ Dank der historischen Aufführungspraxis werden Stücke heute oft wieder in ihrer ursprünglichen Tonhöhe gespielt. Das kommt den Sängern durchaus entgegen.

Im Programm

Richard Strauss:
"Christian Schmitt (Orgel)
Mitglieder des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken
Leitung: Johannes Wildner
Carl Philipp Emanuel Bach:
Orgelkonzert G-Dur Wq 34
Rainer Oster (Orgel)
Ensemble Parlando
Anton Bruckner:
"Libera me, Domine" WAB 22
Kammerchor Saarbrücken
Kammerphilharmonie Mannheim
Leitung: Georg Grün
Adalbert Gyrowetz:
Quartett C-Dur op. 11 Nr. 3
Ensemble Agora
Dmitrij Schostakowitsch:
Sinfonie Nr. 14 g-Moll op. 135
Hildegard Hartwig (Sopran)
Peter Meven (Bass)
Rundfunk-Sinfonieorchester Saarbrücken
Leitung: Myung-Whun Chung

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