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Französischer Organist Jean Guillou gestorben Der die Orgel aus der Kirche haben wollte

Als großer Mann der Orgel war er auf der ganzen Welt anerkannt. Seine Diskographie umfasst mehr als 100 Aufnahmen. Im Alter von 88 Jahren ist Jean Guillou in Paris gestorben.

Jean Guillou an der Orgel

Ein Mann und sein Instrument: Jean Guillou an der Orgel

Der französische Organist und Hochschul-Dozent Jean Guillou ist tot. Er starb am vergangenen Samstag, 26. Januar, in Paris. Guillou habe „das zu Unrecht als veraltet geltende Instrument Orgel zu neuem Leben erweckt, in dem er es aus seinem angestammten kirchlichen Umfeld in neue Sphären führte“, würdigte die Hochschule für Musik Saar den Organisten in ihrem Nachruf. Der international vielfach ausgezeichnete Guillou war seit 2015 Honorarprofessor der Saarbrücker Hochschule.

„Im Grunde finde ich, dass Musik nichts mit Religion zu tun hat. Ich habe immer gesagt, dass man die Orgel aus den Kirchen nehmen und ihr ein anderes Leben geben muss!“ (Guillou in einem AFP-Interview im Jahr 2015)

Guillou wurde 1930 in Angers geboren. Das Klavier- und Orgelspiel brachte er sich selbst bei, im Alter von Zwölf war er bereits Organist seiner Heimatstadt. 1945 begann er am Pariser Konservatorium ein Orgelstudium bei Marcel Dupré, Olivier Messiaen und Maurice Duruflé. Nach Stationen in Lissabon und Berlin wurde er 1963 Titularorganist der berühmten Pariser Hauptkirche St. Eustache - eine Funktion, die er bis 2015 unumstritten ausübte.

Guillou galt als weltweit führender Orgelvirtuose und begehrter Lehrer. „Ich hatte 35 Jahre lang alle jungen Organisten in der Hand“, so Guillou, der bis 2005 bei den jährlich stattfindenden Zürcher Meisterkursen zusammen mit Geza Anda (Klavier) mehr als 300 Schüler ausbildete. Zugleich war er auch als extravaganter Künstler bekannt. Eine Auszeichnung mit dem französischen Verdienstorden der Ritter der Ehrenlegion lehnte er im Jahr 2010 ab: Frankreich schenke der klassischen Musik zu wenig Aufmerksamkeit.

Jean Guillou: der Tanz der Zuckerfeen an der Orgel von Saint-Eustache, Paris

Im Programm

Wolfgang Amadeus Mozart:
Rondo a-Moll KV 511
Nadia Boulanger:
Vers la vie nouvelle
Johann Sebastian Bach:
Chaconne in d-Moll BWV 1004, bearbeitet von Ferruccio Busoni
Alexander Skrjabin:
Sonate Nr. 5 Fis-Dur op. 53
Johannes Brahms:
16 Variationen über ein Thema von Robert Schumann fis-Moll op. 9
Peter Eötvös:
Erdenklavier - Himmelklavier für Klavier solo
Ludwig van Beethoven:
Sonate cis-Moll op. 27 Nr. 2 "Mondscheinsonate"
(Liveübertragung aus dem Jagdsaal)

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