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Florian Noack spielt Klavierwerke von Sergei Ljapunow Einfühlsam, klangsinnig, souverän

CD-Tipp vom 8.7.2016

CD-Cover Ljapunow

CD

Titel:
Works for Piano Vol. 2
Interpret:
Florian Noack
Komponist:
Sergei Lyapunov
Label:
Ars Produktion ARS 38209

Der inzwischen 26-jährige belgische Pianist Florian Noack hat einen zweiten Ausflug in das Reich des russischen Pianisten und Komponisten Sergei Ljapunow unternommen. Nach einer ersten CD, die Noack schon vor drei Jahren aufgenommen hat, zeigte er sich zwischenzeitig auch als geschickter Bearbeiter einiger Orchesterwerke von Tschaikowsky, Rimsky-Korsakow und Rachmaninow. Für diese Einspielung wurde er mit dem Nachwuchspreis des ECHO Klassik 2015 ausgezeichnet und für den International Classical Music Award nominiert.

Eine Generation junger Pianisten wächst gerade heran, die nicht mehr nur nachspielende Interpreten sind, sondern, wie die großen Virtuosen des 19. Jahrhunderts, selbst schöpfende Musiker, was ein anderes Verständnis der Musik ermöglicht. Sergei Ljapunow war ein solcher. 1859 geboren, eine knappe Generation nach Tschaikowsky, Rimsky-Korsakow und Balakirew, kam er nach seinem Studium im Moskau nach Sankt Petersburg, leitete gemeinsam mit Balakirew die Hofsängerkapelle und wurde Lehrer und Leiter von Balakirews Musik-Freischule und später Professor für Klavier und Komposition am Petersburger Konservatorium. Immerhin gibt es einige Aufnahmen seiner Werke, auch von seinen Sinfonien, seinem Violin- und den Klavierkonzerten, aber drei Stücke auf der neuen CD von Florian Noack sind erstmals zu hören. Natürlich wollte der brillante Pianist Ljapunow sich mit seinen eigenen Klavierwerken als großer Virtuose zeigen. In jungen Jahren war das am wichtigsten. 1887, mit 27 Jahren, komponierte er die Etude op. 1 Nr. 1, die Florian Noack mit großer Leichtigkeit und Souveränität perlt. Hier ist Chopin zu Besuch und ein bisschen Liszt, aber von Ljapunows Begegnung mit dem mächtigen Häuflein und der Vorliebe für die russischen Volkslieder spürt man noch nicht. Ganz anders klingt es schon in seinen Préludes op. 6. Da hört man in den rhythmischen Raffinessen, dem gegeneinander der Hände und in der süffigen Harmonik Rachmaninoff und Skrjabin, die allerdings beide erst nachfolgen – sie sind 15 Jahre jünger sind als Ljapunow.

Manches klingelt vielleicht ein bisschen viel, aber Ljapunows Miniaturen entfalten trotzdem die verschiedensten Seelenzustände: Verträumtes, Bedrückendes, Überschwängliches, Sehnsucht und Ausgelassenheit und der junge Pianist Florian Noack zeigt sich als einfühlsamer, klangsinniger und technisch absolut souveräner Interpret.

CD-Tipp vom 8.7.2016 aus der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“

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