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Hörbuch über Richard Wagners Liaison mit Mathilde Wesendonck Nichts Neues

Hörbuch-Tipp vom 11.3.2015

Hörbuch-Cover Wagner

CD

Titel:
RICHARD WAGNER - EINE LIAISON IN Zürich, Wesendonck-Lieder und Briefe, Ein Hörbuch - herausgegeben von Jens Neubert
Interpret:
Elisabeth Kuhlman, Regula Mühlemann, Chris Pichler, Katharina Thalbach
Label:
Syquali Crossmedia 7640165381007

Richard Wagners Vertonung der fünf Gedichte Mathilde Wesendoncks sind Vorstudien zu seinem „Tristan“, zu dem ihn nicht zuletzt die schöne und musische begabte Gattin seines Zürcher Mäzens, des steinreichen Seidenhändlers Otto Wesendonck, animierte. Der Sächsische Hofkapellmeister Wagner wurde wegen seiner Teilnahme an der Dresdner Revolution per Steckbrief gesucht. Er flüchtete in die Schweiz. Dort verbrachte er zehn Jahre im Exil und befreite sich als Komponist wie als Mensch von allen Konventionen und Rücksichtnahmen, schrieb kämpferische Kunstschriften, machte als Dirigent auf sich aufmerksam und konzipierte den „Ring“ und den „Tristan“.

Wagners Muse während seiner Zürcher Jahre war – zum Leidwesen seiner Gattin Minna – Mathilde Wesendonck. Doch die Beziehung zwischen Mathilde und Wagner bleibt bis heute eine rätselhafte Liaison, bei der nicht klar ist, ob die Liebe der beiden (die sich in überschwänglichen Briefen ausraste) rein platonischer Natur war oder auch ihren körper-lichen Ausdruck fand. Schon weil die Korrespondenz zwischen Wagner und Mathilde nur bruchstückhaft erhalten ist, sind alle intimen Fragen nicht zu beantworten. Auch das Hörbuch „Eine Liaison in Zürich“ von Jens Neubert kann darauf keine eindeutige Antwort geben. Es ist eine willkürliche Textzusammenstellung dreier Texte, der drei CDs mit gelesenen Briefen Wagners und die Interpretation der Wesendonck-Lieder durch Elisabeth Kulman und Eduard Kutrowatz am Érard-Flügel Wagners beigefügt sind. Aber auch das parallel dazu publizierte dreistündige Hörspiel „It must be so“, in dem André Eisermann einen diskret sächselnden Wagner spricht, lässt eigentlich alle Fragen offen. Es vermittelt zwar etwas von der Magie Wagners in Zürich, seinem dortigen Auftreten als exzentrischer Komponist einer stürmisch gefeierten Zukunftsmusik und vom dort bereits entstehenden „Meisterkult“. Doch „Die wahre Geschichte über Richard Wagner und Mathilde Wesendonck“, wie das Hörspiel betitelt ist, bleibt nach wie vor Geheimnis, trotz des Aufwands der Produktion, an der mehr als 30 Schauspieler mitwirkten. In dieser Wort-Musik-Collage liest Katharina Thalbach Ausschnitte aus Wagners Autobiographie „Mein Leben“. Im Hörbuch liest sie Wagnerbriefe, auch den an Schwester Clara, in dem Wagner ihr seine Beziehung zu Mathilde Wesendonck erklärt:

Was mich seit sechs Jahren erhalten, getröstet, und namentlich auch gestärkt hat, an Minnas Seite, trotz der enormen Differenzen unsres Charakters und Wesens, auszuhalten, ist die Liebe jener jungen Frau, die mir anfangs und lange zagend, zögernd und schüchtern, dann aber immer bestimmter und sicherer sich näherte. Da zwischen uns nie von einer Vereinigung die Rede sein konnte, gewann unsere tiefe Neigung den traurig wehmüthigen Charakter, der alles Gemeine und Niedere fern hält, und nur in dem Wohlergehen des Andren den Quell der Freude erkennt.

Bei allem Respekt vor Katharina Thalbach: Es ist schon befremdlich, dass Jens Neubert auch auf weiteren zwei CDs seines Hörbuchs Briefe Wagners an Minna, an Mathilde Wesendonck und an Freunde ausschließlich von Frauen lesen lässt. Vollends fragwürdig ist die Zusammenstellung der drei Essays dieses 122-seitigen, schön bebilderten „Hörbuchs“, in dem der Dresdner Musikwissenschaftler Matthias Herrmann lang und breit über Wagners Prägungen in Dresden und sein Wirken vor dem Schweizer Exil schreibt. Geradezu abwegig im Zusammenhang des eigentlichen Themas ist der recht akademische Aufsatz der Berliner Philosophin Mariella Richter über Friedrich Nietzsches „Ewige Wiederkunft des Gleichen“. Lediglich der 30-seitige, kenntnisreiche Text von Jens Neubert befasst sich konkret mit dem Thema „Wagner-Wesendonck“. Aber auch Neubert weiß den hinlänglich bekannten und dokumentierten Fakten über Wagners Zürcher Aktivitäten als Komponist, Dirigent und Liebender nichts Neues hinzuzufügen. Sein Fazit: „Warum und wie das Verhältnis zwischen Richard Wagner und Minna Wagner sowie Otto und Mathilde Wesendonck gestaltet war und 1858 in Zürich zu einem vorläufigen Ende kam, bleibt im Dunkeln.“ Sicher ist nur der Anlass des Eklats, den Minna Wagner entfachte, nachdem sie einen Brief ihres Mannes an Mathilde Wesendonck abfing. Woraufhin Wagner Zürich und seine Gattin Minna verließ.

Hörbuch-Tipp vom 11.3.2015

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