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Capella de la torre spielt venezianische Musik des 17. Jahrhunderts Feiner und geschmeidiger Instrumentalklang

CD-Tipp vom 1.12.2017

CD-Cover Una serata venexiana

CD

Titel:
Una serata venexiana
Interpret:
Capella de la torre | Katharina Bäuml
Label:
dhm 889854 70112

Wie schon in früheren Alben hat sich die Capella de la torre – ein Ensemble für Musik der Renaissance und des Frühbarock – ein kulturgeschichtliches Thema gewählt. Dieses Mal: Venedig im frühen 17. Jahrhundert. Die musikalischen Formen staatlicher und kirchlicher Repräsentation waren noch völlig intakt. Es gab die Stadtpfeifer des Dogen, also ein reich besetztes Bläserensemble. Aber es gab auch Musikverlage in der Stadt, die Repertoire für ein neues Virtuosentum verlegten, das sich besonders in den Streichinstrumenten ankündigte: Der Aufstieg der Violine begann, zugleich wurde 1637 das erste bürgerliche Opernhaus der Weltgeschichte in Venedig eröffnet, das auch auf fähige Streicher angewiesen war.

Wettstreit zwischen Bläsern und Streichern
Katharina Bäuml, Schalmeisolistin und Leiterin der Capella de la torre, hat auf dieser CD einen Wettstreit zwischen Bläsern und Streichern, alter und neuer Welt inszeniert. „La Bergamasca heißt ein Tanzmodell der Spätrenaissance, dessen Bass-Schritte die Grundfunktionen der Dur-Kadenz enthalten. Viele Komponisten haben es damals verwendet. Darunter auch Gasparo Zanetti, dessen „Bergamasca Katharina Bäuml ausschließlich für Bläser arrangiert hat. Doch nicht nur die Bläser der Capella de la torre verstehen sich darauf, die „Bergamasca zu tanzen. Auch die Streicher steigen ohne Verzug in den Wettkampf ein – mit der „Bergamasca von Bartolomeo Colombi.

Die neue Virtuosität, die sich in diesen „Bergamasca-Sätzen von Gasparo Zanetti und Bartolomeo Colombi zeigt, stand damals noch dem Ensembledenken des alten Stils und seiner polyphonen Satzkunst gegenüber, die keine solistische Herrschaft kannte. Man begegnet ihm in der Instrumentalfassung der Motette „Domine ad adiuvandum me, also dem katholischen Nachtgebet Herr, eile, mir zu helfen, das Giovanni Giacomo Gastoldi komponiert hat. Dank dieser Zusammenstellung auf der CD „Una serata venxianahört man, dass es damals wie heute nicht die Musik im emphatischen Singular gab, sondern verschiedene Musiken für unterschiedliche Anlässe, soziale Schichten und Lebenssphären in Venedig: die Kirche, den Dogenpalast, die Volksfeste auf den Märkten.

Jede Menge Lebensfreude
Die Capella de la torre gefällt sich bei der Interpretation durchaus nicht im Rohen und Draufgängerischen, sogar bei den ausgelassensten Tänzen nicht. Der Instrumentalklang bleibt fein und geschmeidig; doch kommt durch eine pulsierende Phrasierung und den federnden Einsatz des Schlagzeuges auch jede Menge Lebensfreude, körperliche Kraft in die Musik. – Eine lebenspralle, bildungssatte CD.

CD-Tipp vom 1.12.2017 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“

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