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Hannu Lintu dirigiert Erkki-Sven Tüür Schillernd schön

CD-Tipp vom 31.3.2017

CD-Cover Tüür

CD

Titel:
Erkki-Sven Tüür | Peregrinus Ecstaticus, Clarinet Concerto Noesis, Concerto for Violin, Clarinet and Orchestra Le poids des vies non vécues
Interpret:
Christoffer Sundqvist | Pekka Kuusisto | Finnish Radio Symphony Orchestra | Hannu Lintu
Label:
Ondine ODE 12872

Als junger Mann hatte Erkki-Sven Tüür im Estland der frühen 80er Jahre seine Musikkarriere in einer progressiven Rock Band begonnen. Obwohl Tüür schon in der eher muffigen Populärkultur hinter dem Eisernen Vorhang extrem anspruchsvolle Stücke für seine Bandmitglieder schrieb, wurde ihm die Rock-Welt irgendwann musikalisch zu eng.

Numerische Reihen als Basis
Tüür begann ein reguläres Studium, und sein Professor hatte eine riesige Schallplattensammlung mit Boulez, Stockhausen, Nono oder Ligeti. Inzwischen geht Tüür selbst auf die Suche nach neuen Techniken des Komponierens. Numerische Reihen sind die Basis seines Schreibens, die Zahlen verweisen aber nicht auf Tonhöhen, sondern auf Intervalle, beschreiben also eher den Weg von einem erreichten Punkt der Musik zum nächsten, wie Vektoren, wenn man die Schulmathematik bemühen will.

In die Finger geschriebene Klangarchitekturen
„Vektorkomponist“, das klingt nun als Beschreibung doch eher trocken verkopft. Aber das täuscht. Tüürs Klangarchitekturen sind in die Finger geschrieben, er denkt von den handwerklichen Möglichkeiten der Instrumente aus. Oder einfach gesagt: Es klingt, als hätten die Musiker Spaß daran, mit Tüürs Musik ihre Instrumente zu bedienen.

Kompositionsprozess beginnt mit Bildern, Zeichnungen und Grafiken
Komponist Tüür besteht darauf, dass seine numerischen Reihen, die Vektorenketten, nur eine Art Quellcode seien, den er beim Komponieren im Hinterkopf habe. Tatsächlich beginne der Kompositionsprozess mit Bildern, mit Zeichnungen und Grafiken, die er zunächst für sich male, und die er dann mit seinen musikalischen Vektoren realisiere. Man kann das verkopft finden oder esoterisch oder irgendetwas dazwischen.

Letztlich behält beim Verbalisieren von Musik eigentlich immer Mendelssohn recht: „Es wird so viel über Musik gesprochen und so wenig gesagt.“ – Diese alte Weisheit ist wohl der Schlüssel zu Tüürs Musik. Hört man sie, kann man sich ihrer schillernden Schönheit kaum entziehen, egal, wie sie „gemacht“ wurde.

CD-Tipp vom 31.3.2017 aus der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“