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The Curious Bards spielen irische und schottische Folklore Aufregendes Debüt

CD-Tipp vom 22.12.2017

CD-Cover The Curious Bards

CD

Titel:
Harmonia Nova #1 | The Curious Bards | [Ex]tradition
Interpret:
Alix Boivert | Jean-Christophe Morel | Sarah van Oudenhove | Louis Capelle | Bruno Harlé
Label:
HMN 916105

Atemberaubend rasant musiziert
„[EX]TRADITION“ heißt die Debüt-CD des Ensembles, man darf das sicher mit „Aus Tradition“ übersetzen. Denn tatsächlich wird bei der Einspielung mit irischer und schottischer Folklore einmal mehr klar, wie sehr auch die vermeintlich „herkömmliche“ Geigentechnik zum Beispiel eines Vivaldi beeinflusst war von Volksmusik, von Fiedlern und Spielleuten, von gelebter Musikantentradition eben. Galante höfische Musik und derbe Volksmusik waren damals oft nur einen Katzensprung voneinander entfernt, daran haben in den letzten Jahren viele junge Ensembles erinnert mit Projekten und CDs, die sich alter Musik und Folklore widmen. Und weil die Konkurrenz immer größer wird, wird auch die Qualität immer besser. Die neue Folk-CD der „Curious Bards“ ist atemberaubend rasant musiziert, und oft schlägt sie ganz unmerklich einen Bogen zur europäischen Kunstmusik auch anderer Jahrhunderte: „Anne Bothwells Klage“ etwa, ein altes überliefertes schottisches Volkslied, hat irgendwann Johannes Brahms zu einem seiner späten Klavierstücke aus op. 116 inspiriert. Und Gottfried Herder hat die ersten Zeilen des Klagelieds einer Mutter so übersetzt:

Schlaf sanft, mein Kind, schlaf sanft und schön!
Mich dauerts sehr, dich weinen sehn,
Und schläfst du sanft, bin ich so froh,
Und wimmerst du – das schmerzt mich so!
Schlaf sanft, du kleines Mutterherz,
Dein Vater macht mir bittern Schmerz.

Dein Vater, als er zu mir trat,
Und süß, so süß um Liebe bat,
Da kannt ich noch sein Truggesicht
Noch seine süße Falschheit nicht.
Nun, leider! seh ichs, seh ichs ein,
Wie nichts wir ihm nun beyde seyn.

Ein schottisches Lied, das also vielfache Spuren in Kontinentaleuropa hinterlassen hat.

Exzellente Artikulation, überschäumende Spielfreude
Wie gut, dass viele Schotten und Iren gerne Europäer sind, denn wechselseitige Einflüsse haben die Musikgeschichte von jeher bereichert. Die „Curious Bards“ folgen dem erfreulichen Trend vieler bestens ausgebildeter klassischer Musiker und blicken über den Tellerrand alter und folkloristischer Töne. Exzellente Artikulation und präzises Quellenstudium treffen hier auf überschäumende Spielfreude und nicht zuletzt brillante Aufnahmetechnik. Ein aufregendes Debüt.

CD-Tipp vom 22.12.2017 aus der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“

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