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Céline Moinet und Florian Uhlig spielen Kammermusik von Schumann Sehr hübscher Klang

CD-Tipp vom 3.11.2017

CD-Cover Schumann

CD

Titel:
Céline Moinet oboe | Schumann | Romances | Florian Uhlig piano | Norbert Anger cello
Label:
Berlin Classics 0300991BC

Mehr Aufmerksamkeit für vernachlässigte Instrumente
Die CD „Schumann Romances“ – heutzutage muss ja alles international und also Englisch sein auf dem Plattenmarkt – versammelt Kammermusik von Robert Schumann für Oboe und Klavier. Seltsame Besetzung, mag man auf Anhieb denken, hat Schumann überhaupt Solistisches für Holzbläser geschrieben? Hat er, spät im Leben, für Klarinette, für Horn und auch für Oboe, um diesen vernachlässigten Instrumenten gewissermaßen zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Die „Träumerei“ und „Am Kamin“ aus den „Kinderszenen“ etwa gehören erst einmal nicht dazu, sie sind original für Klavier solo komponiert. Mit Oboe und Klavier klingen sie aber auch sehr hübsch, wie das Arrangement des schwedischen Oboisten und Komponisten Emilius Lund in der Interpretation von Céline Moinet und Florian Uhlig zeigt.

Balladenhafte Anmutung
Lund war es auch, der Schumanns op. 94 für Oboe und Klavier als erster öffentlich spielte, 1863 im Leipziger Gewandhaus, fünfeinhalb Jahre nach dem Tod des Komponisten. Die zeitliche Verzögerung mag etwas mit der Besetzung zu tun gehabt haben: „Drei Romanzen für Oboe ad libitum Violine oder Clarinette mit Begleitung des Pianoforte“ heißt es im Verlag Simrock, alle Fluchtmöglichkeiten werden also gleich mit genannt, sollte gerade kein Oboist zuhanden sein. Wie oboen-spezifisch Schumann schrieb, ist dennoch nicht zu überhören, in der balladenhaften Anmutung und Atmosphäre des Ganzen, aber auch in Details wie etwa den weit ausschwingenden Rufen und Klavierarpeggien etwa der dritten Romanze: Die französische Oboistin Céline Moinet und der deutsche Pianist Florian Uhlig räumen so innig wie gründlich mit der Vorstellung auf, der späte Schumann habe um das Revolutionsjahr 1848 herum nichts als Weltflucht betrieben. Falsch: Diese Musik braucht keine Funktion, erst recht keine ex negativo.

CD-Tipp vom 3.11.2017 aus der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“

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