Bitte warten...

RedHerring baroque ensemble improvisiert Solo-Klaviermusik auf erweitertem Instrumentarium Feines, austariertes Musizieren

CD-Tipp vom 28.6.2016

CD-Cover RedHerring

CD

Titel:
REDHERRING BAROQUE ENSEMBLE | LA MUSE ET LA MISE [EN CONCERT]
Label:
antarctica AR 003

„La Muse et la Mise“ heißt die neue CD des belgischen Ensembles RedHerring. „Die Muse und das freie Spiel“, vielleicht kann man es so sinngemäß am besten übersetzen. Die Musiker wagen sich hier an die Stegreif-Tradition der Barockzeit heran, an die Mise en concert-Praxis des 18. Jahrhunderts, also das freie Arrangieren, Konzertieren, das spontane Erweitern eines Solostückes für ein ganzes Instrumentalensemble, wie es bei den intimen Konzerten in den königlichen Gemächern von Versailles damals üblich war.

Die Musiker des RedHerring-Ensembles sind von den Möglichkeiten der Improvisation begeistert: „Wir haben Stimmen verdoppelt“, sagt Flötist und Ensemblegründer Patrick Denecker, „wir haben die Instrumentationen verändert, Noten hinzugefügt oder ausgelassen, haben Bass-Linien in einen Generalbass verwandelt; wir sind sogar manchmal zur ‚originalen‘ Cembalo-Besetzung zurückgekehrt. Wir haben uns dabei nur am „bon gout“, am guten Geschmack, als Richtlinie orientiert.“ So der Flötist Denecker über die „Mise en concert-Praxis“, die er mit seinem Ensemble auf der neuen CD „La Muse et la Mise“ praktiziert hat.

Französische Cembalomusik von Charles Dieupart oder zum Beispiel „La Raphaéle“ von François Couperin wird hier neu entdeckt im Stile vom „mise en concert“, also variiert und improvisiert vom RedHerring-Ensemble. Im CD-Booklet wird der Vergleich mit dem Wein-Etikett „Mise en bouteille au château“ gezogen – hier wird nicht nur Musik gemacht, sondern, um im Winzerjargon zu bleiben, auch der Moment der Abfüllung unter dem Korken eingefangen, also der Geist des Musizierens. Durch das erweiterte Instrumentarium, Flöte, Violine, Theorbe und Viola da Gamba und die freie Herangehensweise an die Musik entstehen neue Perspektiven, neue Klangräume und neue Akzente.

Es ist ein feines, austariertes Musizieren, ein perfekt aufeinander abgestimmter Dialog, und wenn dann noch im Lullyschen Sinne eine Sängerin hinzukommt, erhält das Ganze einen vielschichtigen Charakter. Die junge belgische Sopranistin Soetkin Elbers hat eine warm timbrierte Stimme, die sie exzellent führt und genial in das Ensemble integriert. Sie tritt nicht als Solistin auf, sondern als Teil des Ganzen. Das ist kultiviertes unterhaltsames Musizieren auf höchstem Niveau, ganz nach dem Geschmack der französischen Könige im Ambiente von Versailles.

CD-Tipp vom 28.6.2016 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

Weitere Themen in SWR2