Bitte warten...

Streifzug von Italien nach Südamerika Neue CD von Kontrabassist Ödön Ràcz: My Double Bass

CD-Tipp vom 16.1.2019

CD-Cover: Ödön Rasz: My Double Bass

CD

Titel:
My Double Bass
Interpret:
Ödön Rácz, Noah Bendix-Balgley, Speranza Scappucci, Franz Liszt Chamber Orchestra
Label:
Deutsche Grammophon
Preis:
17,99 €
Bestellnummer:
00289 481 7731

6:35 min | Mi, 16.1.2019 | 10:05 Uhr | SWR2 Treffpunkt Klassik | SWR2

Mehr Info

Neue CD von Kontrabassist Ödön Ràcz: My Double Bass

Catharin Reinmuth

Der ungarische Kontrabassist Ödön Ràcz begibt sich mit seinem neuesten Album „My Double Bass“ auf einen Streifzug von Italien nach Südamerika. Er versucht den Kontrabass mehr in den Mittelpunkt zu stellen, denn oft gilt dieser unter den Orchesterinstrumenten als sperrig und unförmig – und meistens findet der Zuschauer ihn nur an den Rändern der Klangkörper. Ödön Ràcz hat es sich ja schon fast zur seiner Lebensaufgabe gemacht, dieses Bild zu ändern. An seiner Seite spielt auf dem Album das Budapester Franz Liszt Kammerorchester, mit dem er auch sein Vorgängeralbum eingespielt hat.

Das „Gran Duo Concertante für Violine und Kontrabass“ von Giovanni Bottesini eines der zentralen Werke der Kontrabass Literatur, entstanden 1840, in einer Zeit in der der Kontrabass eine wahre Blütezeit erlebt. Viele virtuose Werke, Solokonzerte und Kammermusik werden für den dicken Exoten geschrieben. Giovanni Bottesini verfasst mehr als 30 Werke für den Kontrabass, was nicht überrascht, ist er doch selber einer der führenden Virtuosen seiner Zeit. Geschrieben hat Bottesini sein großes Duo wie eine kleine Oper. Die Violine, spielt der Berliner Philharmoniker-Konzertmeister Noah Bendix-Balgley und den Kontrabass der Wiener Kollege Ödön Ràcz . Sie sind die Schauspieler, die wie in einem Gespräch miteinander kommunizieren. Und im direkten nebeneinander von klein und groß, bekommt der Hörer tatsächlich einen Eindruck - wie erstaunlich beweglich, fein und warm das vermeintlich klobige Instrument sein kann. Vor allem entfaltet der Kontrabass aber einen riesigen Tonspielraum, vom tiefen Bass bis hin zu tenoralen Höhen.

Der Kontrabass im Familienzentrum

Ödön Rácz kennt die Klänge des Kontrabasses von seiner frühesten Kindheit an. Sein Vater, sein Opa und sein Urgroßvater sind Kontrabassisten. Das Instrument ist sozusagen das Familienzentrum. Seit Generationen wird den Neugeborenen der Familie Racz einen Bogen in die kleine Hand gelegt. Als Ödön neun Jahre alt ist und groß genug für die große Streicher-Königsklasse, beginnt er mit dem Unterricht. In Wien schließt er sein Studium ab, wurde mit 23 Jahren ins Wiener Staatsopernorchester aufgenommen und ist seit vielen Jahren Solo-Kontrabassist der Wiener Philharmoniker.

Neue Wege...

Dass Racz gerne experimentiert und versucht, auch andere Wege zu gehen, zeigt er in der Neubearbeitung des Grand Tango von Astor Piazolla. Der Klavierpart des Stückes wird eigens für diese Produktion umgeschrieben. Und aus dem Cello Part machte Ràcz seine Kontrabass Stimme. Um auch endlich mal ein bisschen mehr Melodie zu spielen, als nur den bloßen Tangorhythmus. Der ist normalerweise für die häufig unterforderten Kontrabassisten reserviert. Trotz dieses kleinen Eingriffs verliert Piazollas Tango nie das Romantische und Dramatische.

...und Klassiker der Bassgeigen-Literatur

Komplettiert werden die Stücke auf dem Album mit einem Klassiker der Bassgeigen Literatur. Dem „Divertimento für Kontrabass und Orchester“ von Nino Rota, geschrieben 1973. Rotas Motive sind eingängig. Kein Wunder: Der italienische Komponist hat sich vor allem einen Namen mit Filmmusiken für „Der Pate“ oder „Romeo und Julia“ gemacht. Deshalb erweckt sein Divertimento beim Hören gleich Assoziationen an ganz großes Kino. Nächtliche Schritte im Schnee? Ein winterliches Militärmanöver? Kein Problem für Nino Rota, er lässt all das im Kopf des Hörers entstehen.

Unterhaltung im Hollywood Stil

Auch das Finale ist beste Unterhaltung im Hollywood Stil. Im „Allegro Marcato“  tauschen Solist und Orchester die Rollen. Der Solist begleitet zunächst nur und erst nach einem Tutti übernimmt der Kontrabass die Führung – Das ist harte Arbeit für Ödon Racz. Immer wieder gibt es enorme Sprünge übers gesamte Griffbrett des Kontrabass. Voller Körpereinsatz wird verlangt, wenn er gerade bei den hohen Tönen immer wieder auf die Fußspitzen  muss, um sich mit voller Länge über den ganzen Instrumentenkörper zu beugen.

Mit dem Album und der sorgfältig ausgewählten Stückauswahl, erfüllt sich Ödön Rácz einige persönliche Herzenswünsche. Er schafft es mühelos den Kontrabass aus einer Nische endlich einmal in die erste Reihe zu heben. Und er zeigt, was bislang nur eingefleischte Fans wussten: Dieses Instrument ist im wahrsten Sinne des Wortes GROSS…artig.

CD-Tipp vom 17.01.2019 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik 

Weitere Themen in SWR2