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Erste DVD der LGT Young Soloists Auf dem Sprung zur großen Karriere

DVD-Tipp vom 30.3.2017

DVD-Cover LGT

DVD

Titel:
LGT | Young Soloistis | Volume 1
Label:
Cmajor 814337013981

Gruppe von Gleichberechtigten
Nikolai Rimsky-Korsakows „Goldener Hahn“ beginnt mit einem solistischen Aufschrei der Geige, dann schaltet sich vorsichtig das Orchester ein. Man könnte einen pompösen Apparat mit Bläsern und Pauken erwarten. Hier aber sind es nur 12 Streicher im Alter zwischen 12 und 23 Jahren. Das Streicher-Ensemble wurde 2013 von Alexander Gilman und LGT Private Banking ins Leben gerufen. In Korsakows „Goldenem Hahn“ ist die Solistin Elena Kawazu. Doch was heißt schon Solistin? Ja, sie spielt den Solopart, sie steht in der Mitte, und die anderen Musiker haben sich im Halbrund um sie geschart. Trotzdem hat man nicht das Gefühl: Einer ist hier der Star und die anderen nur Assistenten. Das würde auch am Ziel dieser Gemeinschaft vorbeigehen. Denn die LGT Young Soloists verstehen sich als Gruppe von Gleichberechtigten, egal wer gerade vorne steht. Denn jede und jeder ist gut genug, um eine herausgehobene Rolle spielen zu können. Bei Rachmaninows „Vocalise“ zum Beispiel ist es der französisch-israelische Bratscher Gerald Karni.

Miteinander unterwegs im Dienst der Musik
Im August 2016 haben die LGT Young Soloists in der Konzerthalle von Arlberg ein Konzert gegeben, dessen Mitschnitt nun auf einer DVD zugänglich gemacht wurde. Dieser Mitschnitt vermittelt nicht nur, was die jungen Musiker auf einer Bühne zu leisten imstande sind, sondern vor allem etwas von dem Geist, der sie zusammengeführt hat: Junge Talente treten als Solisten im eigenen kleinen Orchester auf. Sie sind nicht im Wettbewerb gegeneinander, sondern im Dienste der Musik miteinander unterwegs. Und manchmal, wie in der St Paul’s Suite von Gustav Holst, gibt es auch gar keinen Solisten. Dann sind alle Solisten.

Müheloses Zusammenspiel
Zusammengerechnet haben diese jungen Musiker 80 Preise bei nationalen und internationalen Wettbewerben gewonnen. Das allein sagt nicht viel, aber doch immerhin einiges: Hier stehen Profis, die auf dem Sprung zur großen Karriere sind und die sich mit diesen Auftritten für ihre nächsten Herausforderungen wappnen. Das funktioniert bereits auf erstaunlich hohem Niveau, denn das Zusammenspiel – ohne Dirigent – gelingt mühelos, und egal, wer gerade die Pole Position innehat, sie oder er, erhält die ganze Unterstützung der anderen.

Kleine Musikerportraits
Ergänzt wird der Konzertmitschnitt, der außerdem Werke von Bottesini, Bruch, van Dijk und de Sarasate enthält, um einige kleine Bonus-Filme, in denen sich die Musiker einzeln vorstellen und über ihr Leben als LGT Young Soloist berichten. Einer von ihnen ist der in Bamberg geborene Geiger Alexander Gilman. Er hebt hervor, dass andere Musiker seines Alters normalerweise allein und für sich üben, meist mit dem Blick auf die Teilnahme an Wettbewerben. So, meint Gilman, feilen die meisten an ihrer Laufbahn, aber sie bekommen kaum die Gelegenheit, mit Gleichaltrigen auf so hohem Niveau zu musizieren.

Erste Folge einer mehrteiligen Reihe
Ein Manko hat diese DVD dann aber doch. Anstatt die einzelnen Musiker der Reihe nach sich selbst präsentieren zu lassen, hätte man gern etwas über ihre gemeinsame Zeit abseits der Bühne erfahren. Wie proben sie? Inwieweit organisieren sie sich selbst? Entstehen vielleicht sogar echte Freundschaften? Auch kritische Fragen hätte man sich durchaus gewünscht: Ist es außerhalb dieser Gemeinschaft wirklich so, dass oft jeder für sich (und damit gegen die Konkurrenz) kämpft? Dagegen sprächen die vielen jungen Kammermusikensembles wie Trios oder Quartette. Gerade weil es sich bei dieser DVD um die erste Folge einer offenbar mehrteiligen Reihe handelt, hätte man zu Beginn gern ein bisschen tiefere Einblicke gewonnen – denn der künstlerische Eindruck macht auf jeden Fall neugierig, wie sich diese LGT Young Soloists weiter entwickeln werden.

DVD-Tipp vom 30.3.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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