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Ellen Nisbeth und Bengt Forsberg spielen englische Musik für Viola und Klavier Beinahe hypnotische Sogwirkung

CD-Tipp vom 11.7.2017

CD-Cover Nisbeth

CD

Titel:
Let Beauty Awake
Interpret:
Ellen Nisbeth, viola | Bengt Forsberg, piano
Label:
BIS 2182

Singende Bratsche, singendes Klavier
„Let Beauty awake“ – heißt diese neue CD – „Lass die Schönheit erwachen!“ nach einem Lied von dem englischen Komponisten Ralph Vaughan Williams. Die Bratschistin Ellen Nisbeth ist dieser schönen Aufforderung gerne nachgekommen und hat das Lied für ihr Instrument eingerichtet; sie singt dieses Lied von Vaughan Williams auf der Bratsche. Und ihr Pianist singt mit: Bengt Forsberg, er ist seit vielen Jahren der Lied-Begleiter von Anne Sofie von Otter, und ein ebenso begeisterter wie begnadeter Kammermusiker.

Der Name „Ellen Nisbeth“ ist mir auf dieser CD zum ersten Mal begegnet. Aber in ihrer Heimat Schweden und in ganz Skandinavien ist die junge Bratschistin längst sehr präsent auf der Konzertbühne: Seit sie vor ein paar Jahren zwei große Wettbewerbe gewann (in Schweden und Norwegen), spielt Ellen Nisbeth als Solistin mit allen bedeutenden Orchestern Nordeuropas und ist dort auch Gast bei den großen Kammermusikfestivals. In der kommenden Saison wird sich ihr Konzertradius in Richtung Süden erweitern: Da spielt Ellen Nisbeth nämlich im „Rising Stars“-Programm der großen europäischen Konzerthäuser – unter anderem in Paris, Brüssel, Amsterdam, Wien, Dortmund, Baden-Baden und London. Gerade rechtzeitig vor der Europa-Tournee ist jetzt ihre CD mit Bratschenmusik aus England erschienen. Das Herzstück: Die Bratschensonate von Rebecca Clarke, komponiert 1919. Die Komponistin gewann damit den zweiten Preis eines Kompositionswettbewerbs; später sagte sie darüber: „mein einziges, kurzes Gefühl von Erfolg“.

Dunkel-glänzender, sonorer Bratschenton
Als ich diese CD hörte, hatte Ellen Nisbeths Spiel vom ersten Takt an eine beinahe hypnotische Sogwirkung auf mich: der dunkel-glänzende, sonore Klang ihrer Bratsche, der zwischendurch auch hell aufleuchten kann oder in größter Zerbrechlichkeit mit fahler Flamme um sein Leben flackert. Wunderschön finde ich die gesanglichen Passagen. Ellen Nisbeth kann auf der Bratsche Geheimnisse erzählen. Sie kann in Sehnsucht schwelgen, aber auch energisch loswettern, sie beherrscht den leisen Tanz auf Zehenspitzen genauso wie den kraftvollen Sprint, sie kann wild voranstürmen oder dem archaischen Klang längst vergangener Zeiten nachlauschen.

Ellen Nisbeth hat für diese CD neben dieser Sonate von Rebecca Clark zwei Werke von Benjamin Britten ausgewählt: Die Lacrymae-Suite für Bratsche und Klavier und die dritte Cellosuite. Die hat Britten 1971 für Mstislaw Rostropowitsch geschrieben. Die Cellosuiten lassen sich auch wunderbar auf der Bratsche spielen, nur an ein paar Stellen muss man den Notensatz etwas verändern. Ellen Nisbeth hat ihre eigene Fassung aufgenommen.

Kluge Programmwahl
Zwischen die Stücke (und die sind allesamt keine leichte Kost) hat sie die Lied-Bearbeitungen von Vaughan Williams platziert; sie bringen ein paar hellere Strahlen in die dunkel grundierte englische Klanglandschaft – eine kluge Wahl. Gerade auch wegen dieses Abwechslungsreichtums habe ich die CD mit großem Vergnügen am Stück durchgehört. Einen musikalischen Übergang finde ich besonders gelungen: von Brittens Cellosuite zu Vaughan Williams Lied „Youth and Love“. Beide Komponisten sprechen (ohne Worte) die selbe Sprache. „Let Beauty awake“: neben der Schönheit erwacht hier vor allem viel Musikalität.

CD-Tipp vom 11.7.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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