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George Benjamin & Martin Crimp: Lessons in Love and Violence

Seit 2006 haben der Librettist Martin Crimp und der Komponist George Benjamin drei Opern geschaffen. Große Aufmerksamkeit und Auszeichnungen bekam das britische Duo für ihre zweite Oper „Written on Skin“. Ihre dritte und bisher letzte gemeinsame Arbeit präsentierten sie im Mai 2018 am Royal Opera House in London: Lessons in Love and Violence. Nach der Uraufführung gab es wieder viel Lob, sowohl für das Libretto, als auch für Musik und die Inszenierung von Katie Mitchell. Die Uraufführungsproduktion ist nun auch auf DVD erschienen.

DVD-Cover: George Benjamin und Martin Crimp: Lessons in Love and Violence

DVD

Titel:
Lessons in Love and Violence
Interpret:
Barbara Hannigan, Stephane Degout, Gyula Orendt, Peter Hoare, Orchestra of the Royal Opera House Covent Garden, George Benjamin
Komponist:
George Benjamin
Label:
Opus Arte
Preis:
26,99 €
Bestellnummer:
OA 1221 D

6:20 min | Do, 7.3.2019 | 10:05 Uhr | SWR2 Treffpunkt Klassik | SWR2

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George Benjamin & Martin Crimp - Lessons in Love and Violence

Dorothee Riemer

„Lessons in Love and Violence“: Die Uraufführungsproduktion von George Benjamins Oper am Royal Opera House in London ist nun auch auf DVD erschienen. Dorothée Riemer hat sie sich im Heimkino angesehen.

Lessons in Love and Violence – Lektionen in Liebe und Gewalt – bekommen in der gleichnamigen Oper von George Benjamin und Martin Crimp die beiden Kinder eines im Stück nicht näher benannten englischen Königs: Direkt vor ihren Augen entrollt sich ein Drama um Liebe und Macht, Loyalität und Treue, Begehren und Gewalt – und schließlich Mord. Librettist Martin Crimp:

Martin Crimp: "Der König ist eine begehrende Person. Das heißt, er achtet nicht mehr auf das Politische und das führt zu Instabilität und Chaos."

Die Handlung basiert auf historischen Ereignissen um den englischen König Edward II.

Benjamins Musik kreiert die Grundstimmung: Die unheimliche, Gewalt geschwängerte Atmosphäre ist von der ersten Minute an zu greifen. Immer wieder lassen interessante Klangeffekte durch ungewöhnliche Instrumentationen aufhorchen. Aber außer in den kurzen Zwischenspielen der sieben Szenen steht die Musik nie allein. Sie übernimmt keine eigene dramaturgische Rolle, sondern ist Begleiterin für die knappen, aber präzisen Texte aus Crimps Libretto. Komponist George Benjamin findet dazu intuitiv seine Musiksprache.

George Benjamin: "Ich habe in den vergangenen zehn Jahren dreieinhalb Stunden Musik zu seinen Texten geschrieben und da gibt es ein Signal, das aus seinen Worten kommt, von diesem flachen Stück Papier – 28, 30 Seiten pro Oper – und irgendwie kommt Musik aus mir heraus. Ich weiß auch nicht, da gibt es einfach eine geheimnisvolle Chemie zwischen uns."

Die Regisseurin Katie Mitchell entrollt das Drama einzig und allein an einem Ort: Im Schlafzimmer des Königs vollziehen sich Liebe und Betrug, Machtspiele und Mord – und immer stehen die Königskinder mit großen Augen daneben.

Katie Mitchell: "Als wir von George und Martin erfuhren, dass die Geschichte eine mittelalterliche war, wurden wir von beiden dazu angehalten, sie in einer modernen Welt zu inszenieren. Sie wollten keine langen, spitzen Schuhe und komische Gewänder. Zusammen hatten wir dann die Idee, alles an einem Ort, im Schlafzimmer des Königs, spielen zu lassen. Und dass das Schlafzimmer nicht statisch sein, sondern rotieren sollte. Ich finde, die Idee, eine mittelalterliche Geschichte in der Gegenwart zu inszenieren, verdeutlicht, wie stark die Themen wie Familie, Staat, Kunst, Liebe und Sex heute genauso lebendig sind wie sie damals waren."

Emotionen und Machtspiele intensivieren sich durch das reduzierte Ambiente

Erklärt Regisseurin Katie Mitchell in dem kurzen Einführungsfilm, der sich als Zusatzmaterial auf der DVD findet. Grau und blau dominieren das Setting, die Männer tragen smarte Anzüge. In diesem reduzierten Ambiente intensivieren sich alle Emotionen und Machtspiele. Die DVD-Produktion trägt der Kammerspiel-Atmosphäre der Oper Rechnung. Wie in einem Kino-Film fangen die Bilder die intensiven Emotionen in Close-ups ein. Wir sehen am Zittern des Hemdes den Herzschlag des Königs in seinem Todeskampf; wir sehen vor allem immer wieder das Entsetzen, den Ekel, die Ungläubigkeit der beiden Königskinder, die in jeder Szene neue grausame Lektionen lernen.

Spannende und intensive Produktion

Faszinierend hier die junge Schauspielerin Ocean Barrington-Cook, die in der ganzen Oper kein Wort spricht und auch keine Zeile singt, dafür allein durch ihre Darstellung das ganze Grauen ausdrückt. Auch das Sänger-Ensemble ist erstklassig besetzt: Stéphane Degout singt einen verletzlichen König, Gyla Orendt ist ein unheimlicher und leidenschaftlicher Gaveston, Barbara Hannigan eine starke Königin, die für sich und ihre Kinder versucht, zu retten, was zu retten ist, Peter Hoare ein kühl kalkulierender Mortimer. Der Komponist selbst dirigiert das Orchester des Royal Opera House in dieser spannenden und intensiven Produktion, welche nicht zuletzt die Stärken des Mediums Film deutlich macht: Mit der Kamera sind wir mittendrin und erleben hautnah das Grauen und Schrecken der Lektionen in Liebe und Gewalt, die uns diese Oper erteilt.

DVD-Tipp vom 7.3.2019 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik

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