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Ein mittelalterliches Gipfeltreffen von Musik & Politik Les Haulz et les Bas: Concilium zu Constanz

CD-Tipp vom 14.1.2019

Nicht nur politisch, sondern auch musikalisch änderte sich in den Jahren 1414-1418 von Konstanz aus die Welt. Die CD „Concilium zu Constanz“ des Ensembles „Les haulz et les bas“ vermittelt einen Eindruck davon.

CD-Cover: Les Haulz et Les Bas - Concilium zu Constanz 1414-1418

CD

Titel:
Concilium zu Constanz 1414-1418
Interpret:
Les Haulz et les Bas
Label:
Ahalani Records
Preis:
17,99
Bestellnummer:
0059

6:29 min | Di, 15.1.2019 | 10:05 Uhr | SWR2 Treffpunkt Klassik | SWR2

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Les Haulz et les Bas: Concilium zu Constanz

Anette Sidhu

Das Ensemble „Les haulz et les bas“ hat sich seit 1993 auf die Aufführung historischer Bläsermusik aus Mittelalter und Renaissance spezialisiert. In dedektivischer Kleinarbeit rekonstruiert es ein selten zu hörendes Repertoire. Sein Spiel ist fantasievoll und brillant und hat nichts vom Image eines angestaubten mittelalterlichen Sounds.

Sänger standen nah an den Mächtigen der Zeit

Zacara da Teramo hat als Sekretär und Komponist unter vier Päpsten der Kapelle des höchsten Kirchenamtes gedient und das Konzil von Pisa und Konstanz miterlebt. Sekretäre und Sänger waren sehr nah dran an den Mächtigen der Zeit und es ging da durchaus nicht so friedlich zu, wie diese Klänge vielleicht vortäuschen könnten. In Teramos Werken werden so manch dunkle Machenschaften thematisiert, im Lied „Deus deorum“ z.B. ergreift er Partei für seinen Papst und vergleicht Kaiser Sigismund, den Initiator des Konzils mit einem Dämonen und dem Unterweltgott Pluto – denn er ließ Papst Johannes XXIII. damals absetzen und gefangen nehmen.

„Do vingen all pfiffer und prosoner an pfiffen und prosonen so strenklich, das nieman sin aigen wort wol hören mocht“

...so schildert der Chronist Ulrich von Richental den Auftritt von Musikern während des Konstanzer Konzils.

In Melodieführung und Harmonie irgendwie fremd

Vielleicht auch mit Rücksicht auf die konkreten Beschreibungen der Zeit, hängt das Ensemble „Les haulz et les bas“ nicht etwa einem falsch verstandenen Schönklang an, einem Bild des Mittelalters, das wir etwa in unseren Köpfen haben. Die Musik klingt oft eher rau und kantig. Manchmal auch überraschend, in Melodieführung und Harmonie vor allem aber irgendwie fremd! Und das arbeiten die Musiker von „Les haulz et les bas“ gut heraus. Immerhin stehen die Stücke in den alten 8 Kirchentonarten und sind an die 600 Jahre alt.

Guillaume Dufay war Chorknabe des Kardinals von Cambrai - Pierre d’Ailly, eine der Schlüsselfiguren des Konzils. Wahrscheinlich hat Dufay in jungen Jahren beim Konzil dessen täglichen Messen mitgesungen. Die Beschreibungen und Bilder der Chronik Ulrich Richtentals zeigen Gesandtschaften des Papstes und der Adligen, Versammlungen im Münster, Szenen auf dem Fischmarkt, aber auch Hofkapellen, Stadtpfeifer, Spielleute, Sänger, Trompeter, Schalmeienspieler und Pauker. Manches klang damals völlig neu: die Mehrstimmigkeit, die die Engländer mitbrachten, die Kammermusik „ars subtilior“ aus Frankreich, Chormusik aus Italien! Beim Konzilsjubiläum 2014-18 in Konstanz wurde all das in Ausstellungen, Veranstaltungen und Konzerten für’s heutige Publikum wieder plastisch.

Das Ensemble „Les Haulz et les Bas“ trat dort ebenfalls auf und macht mit seiner CD hörbar, was damals musikalisch geschah. „Les haulz et les Bas“ – das bezieht sich auf die Instrumente und bedeutet nicht etwa „hoch und tief“ sondern „laut und leise“, es beschreibt die Musik der sogenannten „alta capella“, des Bläserensembles.

Größtenteils handschriftlich überlieferte Lieder und Tänze der Zeit

Ian Harrison, & Gesine Bänfer Schalmei und Pommer, Nathaniel Wood und David Yacus Zugtrompete, sowie Nora Thile und Andrea Piccioni Percussion realisieren die größtenteils handschriftlich überlieferten Lieder und Tänze der Zeit. Die Instrumentalmusik wurde noch nicht notiert, vokale Quellen des frühen 15. Jahrhunderts gibt es aber aus Italien, Österreich, den Niederlanden und Frankreich, darunter sind u.a. Komponisten wie Zacara da Teramo, Guillaume Dufay, Johannes Ciconia und Oswald von Wolkenstein.

Das Ensemble „Les haulz et les bas“ hat sich seit 1993 auf die Aufführung historischer Bläsermusik aus Mittelalter und Renaissance spezialisiert. In dedektivischer Kleinarbeit rekonstruiert es das selten zu hörende Repertoire. Sein Spiel ist fantasievoll und brillant und hat nichts vom Image eines angestaubten mittelalterlichen Sounds. In einem mit Bildern aus der Richental-Chronik auch optisch sehr ansprechenden und inhaltlich informativen Begleitheft wird profund in die Thematik eingeführt.

CD-Tipp vom 15.1.2019 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik

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