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"Heaven & Earth" mit Kamasi Washington und Ensemble Faszinierender Breitbandsound

CD-Tipp am 6.7.2018 von Georg Waßmuth

Kamasi Washington hat weltweit eine große Fan-Gemeinde. Der Saxofonist und Multiinstrumentalist zelebriert seine Bühnenauftritte wie ein Guru. Und auch seine CD-Veröffentlichungen sind immer ein Ereignis. Die Titel auf seinem jüngsten Doppelalbum "Heaven & Earth" lassen sich thematisch Himmel und Erde zuordnen.

CD-Cover von Kamasi Washington, "Heaven & Earth"

CD

Titel:
Heaven & Earth
Interpret:
Kamasi Washington (Tenor Saxophone) und Ensemble
Komponist:
Joseph Koo / Ku Chta Hui / James Wong (1/1), Kamasi Washington (2,4-8/1; 1-5+7,8/2), Freddie Hubbard (2/1), Ryan Porter (6/2)
Label:
Young Turks/Xl/Beggars Group (Indigo)
Produktion:
USA, Henson Studios in Los Angeles
Genre:
Jazz
Preis:
ab 12,99 Euro
Bestellnummer:
B07CBYKNH4

Auf dem CD-Cover schwebt Kamasi Washington wie ein Heiliger über dem Wasser. Der raumfüllende Prophet im phantasievollen Gewand zelebriert Musik im Format XXL. Ein großer Chor, Streichorchester und Bläser, mehrere Schlagzeuge und zwei Keyboarder - darunter macht es der Meister nicht.

Gleich mit seinem ersten Stück "Fists Of Fury" greift Kamasi Washington eines seiner Lieblingsthemen auf. "Das Leben ist grundsätzlich ein ewiger Kampf", sagt er, aber das hieße nicht, dass es ein unendliches Leiden sein müsse. Diese Idee stecke in dem Stück. Wenn man leben wolle, so Kamasi Washington, müsse man kämpfen können.

Der Intergalaktische mit irdischem Werdegang

Obwohl einen manchmal das Gefühl beschleicht, als sei Kamasi Washington ein Entsandter vom Planeten Uranus, hat der "Intergalaktische" doch einen irdischen Werdegang. Geboren wurde der Saxofonist 1981 in Kalifornien. Sein Horizont ist weiter gesteckt als bei vielen Kollegen, denn er studierte auch Musikethnologie. Die Quellen, aus denen sich Kamasi Washington speist, sind schier unerschöpflich. Doch es gibt auch so etwas wie Vorbilder.

Kamasi Washington: "Art Blakey war der erste, den ich wirklich verehrte. Was er am Schlagzeug anregte, faszinierte mich über Jahre. Dann begab ich mich auf eine Art Reise und nahm andere Musiker und ihre Kunst in den Fokus. Wenn man sich einmal auf den Weg gemacht hat, finden sich immer wieder neue, anregende Quellen."

Langsamkeit als musikalisches Geheimnis

Kamasi Washington, der gerne auch mal in kosmologischen Rätseln spricht, macht eine Musik, die ihn als fulminanten Übertreibungskünstler auszeichnet. Wie ein Jäger streift der Hüne durch die Musiklandschaft und trägt seine Beute aus allen möglichen Richtungen zusammen. Dann beginnt die aufwendige und spannende Transformation in einem ganz eigenen Klang-Universum.

Kamasi Washingtion: "Nach drei Minuten hat man die erste Schleife durchgehört. Dann geht es richtig los, denn ich nehme mir einfach Zeit für meine Stücke, und wenn ich dafür zehn Minuten brauche. Das Geheimnis meiner Musik ist vielleicht auch diese Langsamkeit."

Konzeptalbum der Superlative

Auch wenn sich die Stücke auf „Heaven & Earth“ im epischen Format präsentieren, leisten sich Kamasi Washington und sein Ensemble in keiner Sekunde einen Durchhänger. So gelingt die musikalische Verneigung vor seinen Hausgöttern ebenso wie die vielstimmige gesellschaftspolitische Attacke.

Manchmal rutscht das Ensemble ins Geräuschhafte ab, dann wieder entlockt Washington seinem Saxofon geradezu überirdische Töne. Ein Doppelalbum musste es zwingend werden, denn der Meister braucht für seine Musik einfach Raum und Zeit. Zwischen Himmel und Erde ist diese Neuerscheinung ein Konzeptalbum der Superlative geworden.

CD-Tipp am 6.7.2018 aus der Sendung "SWR2 Journal am Mittag"

Titel-Liste

CD 1
1. Fists Of Fury
2. Can You Hear Him
3. Hub-Tones
4. Connections
5. Tiffakonkae
6. The Invincible Youth
7. Testify
8. One Of One

CD 2
1. The Space Travelers Lullaby
2. Vi lua vi sol
3. Street Fighter Mas
4. Song For The Fallen
5. Journey
6. The Psalmnist
7. Show Us The Way
8. Will You Sing

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