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Neues Album des Perkussionsduos Joey Baron und Robyn Schulkowsky Musterbeispiel für spielerische Leichtigkeit

CD-Tipp vom 14.8.2018

CD-Cover: Joey Baron & Robyn Schulkowsky - Now You Hear Me

CD

Titel:
Joey Baron & Robyn Schulkowsky: Now You Hear Me
Interpret:
Joey Baron & Robyn Schulkowsky
Label:
Intakt
Preis:
17,99
Bestellnummer:
307

Vorzeigepaar in Sachen Kooperation

Es ist so ein bisschen wie die Frage nach den Unterschieden zwischen Mann und Frau – auch beim Jazz und der Neuen Musik gibt es sie auf bestimmten Ebenen: Im Umgang mit Struktur und Form, Material und Gestaltungsmitteln. Das schließt Begegnungen auf Augenhöhe natürlich nicht aus. Oder besser: sollte sie nicht ausschließen. Denn in der Realität sieht das leider oft noch anders aus. Lange Zeit haben Komponierende auf Improvisierende eher herabgeschaut und umgekehrt, der Jazz kaum Interesse gezeigt für aktuelle Entwicklungen in der Neuen Musik. Insofern sind Robyn Schulkowsky und Joey Baron ein vorbildliches Vorzeigepaar in Sachen Kooperation.

Sie: eine renommierte Interpretin – und gefragte Urauführungssolistin: Stockhausen, Kagel, Cage haben für sie geschrieben, zu ihrem Kernrepertoire gehört zeitgenössisch Komponiertes von Rebecca Saunders, Wolfgang Rihm oder Christian Wolff. Als Neue-Musik-Perkussionistin hatte auch Robyn Schulkowsky durchaus Vorurteile gegenüber Drummern. Gegenüber deren Muskelspielen am Schlagzeug, den Grooves, dem ständigen Powerplay. Dann aber lernte sie zuerst den Schweizer Fredy Studer kennen und über den wiederum wenig später ihren Landsmann Joey Baron. Und – bei beiden hat es (Achtung Wortspiel) sofort „klick“ gemacht.

Keine Berührungsängste zu anderen Genres

So wie Schulkowsky in der Neuen Musik, ist Joey Baron ein „Big Name“ des Jazz. Ein Schlagzeuger, der mit Dizzy Gillespie genauso gespielt hat wie mit Carmen McRae, John Zorn und Irène Schweizer. Aber er ist eben auch ein vielseitiger Musiker ohne Berührungsängste zu anderen Genres und Kunstrichtungen. Über diese Offenheit und ein ähnliches Interesse an den großen Klangmöglichkeiten ihres Instruments haben sich Baron und Schulkowsky zum Duo zusammengefunden. Zu einem Duo, in dem nicht nur Komposition und Improvisation, sondern auch die verschiedenen Traditionen des Schlagzeugspiels ganz selbstverständlich in Einklang kommen.

Großes Arsenal an Perkussionsinstrumenten

Die Musik von Schulkowsky/Baron changiert organisch zwischen verschiedenen repetitiven Mustern – die trotz raffinierter Polyrhythmen und metrischen Verschiebungen, einem tänzerischen Grundpuls folgen – und sublimen Klangtexturen. Ihr großes Arsenal an Perkussionsinstrumenten setzen die beiden differenziert ein. Und – vermeiden so die Langeweile, die sich beim Hören von reinen Schlagzeugensembles nach einiger Zeit oft einstellt. Wenn es nur noch um Steigerung und Verdichtung geht, ist das Ende der Fahnenstange meist schnell erreicht. Hier aber werden Holz-Trommel- und Metallinstrumente mit verschiedenen Schlägeln und Schlagtechniken abwechselnd und dabei dynamisch nuanciert bedient. Außerdem durchzieht jeden der vier Albumtracks eine Struktur, die den dann doch manchmal entgrenzten Klängen einen formalen Rahmen gibt. Ab und an hätte ich persönlich mir da tatsächlich weniger gut proportioniertes und ausbalanciertes gewünscht – zu Gunsten von mehr Impulsivität und Explosivität – diese Seiten des Jazz bleiben da leider etwas gut gezähmt.

Ein feinsinniges Perkussionsduo sind Robyn Schulkowsky und Joey Baron – und das zweite gemeinsame Album ein Musterbeispiel für spielerische Leichtigkeit, Präzision und Anmut an ihrem Instrumentarium. Dem es im Übrigen egal sein dürfte, ob das, was auf ihm gespielt wird, Jazz ist oder Neue Musik.

CD-Tipp vom 14.8.2018 aus der Sendung SWR2 Cluster

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