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Martina Janková singt Lieder von Ján Josef Rösler, Wolfgang Amadeus Mozart u. a. Feiner, ziselierter Gesang

CD-Tipp vom 6.10.2017

CD-Cover Supraphon

CD

Titel:
Prague – Vienna | Journey in Songs | Tomášek | Koželuch | Rösler | Mozart | Voříšek | Kalivoda | Haydn
Interpret:
Martina Janková, soprano | Barbara Maria Willi, fortepiano
Label:
Supraphon SU 4231-2

Die drei großen Wiener Klassiker – also der Burgenländer Joseph Haydn, der Salzburger Wolfgang Amadeus Mozart und der Bonner Ludwig van Beethoven – kamen ursprünglich allesamt nicht aus Wien. Der Mythos dieser Stadt verdankt sich also auch den vielen Zugereisten. Und bei den Musikern stammten viele von ihnen aus den Kronländern Böhmen und Mähren, von denen es hieß, sie seien das Konservatorium Europas.

Echte Überraschungen
Die tschechische Sopranistin Martina Janková spürt diesen Wegen nach und koppelt auf ihrer neuen Lied-CD Werke von Mozart und Haydn mit Vertonungen tschechischer Zeitgenossen. Dabei hat sie ein paar echte Überraschungen zutage gefördert: zum Beispiel den Slowaken Ján Josef Rösler, dessen Klangsprache erstaunlich an Mozart erinnert.

Historisches Tasteninstrument
Janková wird von der Pianistin Barbara Maria Willi auf einem Fortepiano begleitet. Schon die Wahl dieses historischen Tasteninstruments ist eine kluge Entscheidung, denn es passt zum feinen, ziselierten Gesang der tschechischen Sopranistin einfach viel besser als ein moderner Konzertflügel. Auch weil es die Trennschärfe des Klangs betont, die ja ein Ideal des späten 18. Jahrhunderts war. Bei den Akkorden in Röslers „Herbstlied“ etwa nimmt man jeden einzelnen Ton wahr und kann auch gut nachvollziehen, wie durchdacht die Begleitung in den einzelnen Strophen gestaltet ist. Das gilt genauso für die Lieder von Mozart.

Subtile Färbungen und Trübungen im Timbre
Allein mit vokalen Mitteln sorgt Martina Janková zum Beispiel in Mozarts „Veilchen“ für Expressivität und bewegenden Ausdruck. Anders als etwa Dietrich Fischer-Dieskau und seine Schule braucht sie keine äußerliche Rhetorik, keine Theatralik, keinen erhobenen Zeigefinger, um die Miniaturszene zum Leben zu erwecken. Janková genügen dazu subtile Färbungen und Trübungen im Timbre. Geschickt dosiert sie ihr Vibrato vom glasklaren Ton bis zum warmen, leichten Beben, das eine unglaubliche Empathie ausstrahlt. Gerade in der Höhe gewinnt ihre Stimme eine instrumentale Intensität, die an die junge Gundula Janowitz erinnert. Und diese Qualität kommt auch den Liedern Josephs Haydns zugute. Ein schönes Beispiel ist die Kanzonette „O tuneful voice“. Den Titel dieses Haydn-Lieds könnte man auch in ein Lob für Martina Janková ummünzen – tatsächlich ist die Stimme der Sopranistin „tuneful“: Sie hat einen wunderschönen Klang, frisch, charmant und warm. Hinzu kommt, dass Martina Janková ein sicheres Gespür für die Phrasierung besitzt, sie weiß genau, wo der Schwerpunkt innerhalb eines Melodiebogens gesetzt werden muss.

Lohnende Wiederentdeckungen
Aber von diesen interpretatorischen Qualitäten abgesehen, schließt ihre Einspielung auch eine echte Repertoirelücke. Die böhmischen und mährischen Komponisten aus der Zeit vor der musikalischen Nationalbewegung, die ja erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit Smetana und Dvořák einsetzte, die wurden lange im Musikleben ignoriert; doch in den letzten Jahren beginnt man, auch Meister wie Leopold Koželuh oder Jan Václav Voříšek wiederzuentdecken. Und das lohnt sich.

CD-Tipp vom 6.10.2017 aus der Sendung „SWR2 Treffpunkt Klassik – Neue CDs“

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