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CD-Tipp Ein Dinner mit Händel: Der Blockflötist Maurice Steger bittet zu Tisch

„Mr. Handel‘s Diner“ heißt eine CD, die der Blockflötist Maurice Steger gemeinsam mit dem Ensemble La Cetra gerade bei Harmonia Mundi herausgegeben hat. SWR-Redakteurin Dagmar Munck hat sich zum Dinner einladen lassen und berichtet von einer äußerst geschmackvollen Hör-Erfahrung.

CD-Cover: „Mr Handel’s Dinner“ Georg Friedrich Händel & friends Maurice Steger, Blockflöte La cetra

CD

Titel:
„Mr Handel’s Dinner“ - Georg Friedrich Händel & friends
Interpret:
Maurice Steger, La cetra
Komponist:
Georg Friedrich Händel
Label:
Harmonia Mundi
Preis:
15,99 €
Bestellnummer:
HMM 902607

8:29 min | Do, 23.5.2019 | 10:05 Uhr | SWR2 Treffpunkt Klassik | SWR2

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CD-Tipp

Ein Dinner mit Händel: Der Blockflötist Maurice Steger bittet zu Tisch

Dagmar Munck

„Mr. Handel‘s Diner“ heißt eine CD, die der Blockflötist Maurice Steger gemeinsam mit dem Ensemble La Cetra gerade bei Harmonia Mundi herausgegeben hat. SWR-Redakteurin Dagmar Munck hat sich zum Dinner einladen lassen und berichtet von einer äußerst geschmackvollen Hör-Erfahrung.

Es ist ein Festmahl für alle Sinne

Maurice Steger ist ein Vulkan. Wenn er spielt, platzt die Musik aus allen Nähten. Selbst ein Prestissimo kann ihn in seiner Virtuosität und seinem Ausdruckswillen nicht auslasten. Energie geladen bis zum Bersten schmückt er auch das noch zusätzlich mit frischen, zierlichen Girlanden. Zur Erholung breitet er dann in den langsamen Sätzen einen wunderbaren Teppich der Ruhe und Gelassenheit aus und lädt dazu ein, sich auf ihm entspannt niederzulassen. Maurice Stegers neuer CD bekommen diese Extreme bestens. Es ist ein Festmahl für alle Sinne. Der Schweizer Blockflötist lädt zu „Mr Handel’s Dinner“. - Wie er darauf kam?

„Ich habe schon längere Zeit nach den Aufführungsmodellen nachgedacht, auch recherchiert und es gab ja im England des frühen 18. Jahrhundert die besondere Tatsache, dass es keine Konzertsäle gab. Man hat Musik gespielt in Pubs und dies nicht nur als billige Hintergrundmusik, sondern auch ernsthaft bei sozialen Anlässen und in Konzertformen. Es gibt auch ziemlich viele Konzertprogramme aus dieser Zeit überliefert. Und wenn's eben nicht das Pub war, war es das Theater. Und damals ins Theater zu gehen, das waren riesige soziale Anlässe, die eben auch ihre Zeit in Anspruch genommen haben. Wenn man daran denkt, so eine Händel Oper dauert gut mal dreieinhalb, 4 Stunden, Kürzungen gabs nicht und so schnelle Wechsel wie heutzutage im Bühnenbild natürlich auch nicht. D.h. man hat viel Zeit mitgenommen, wenn man sich in so ein Theater begeben hat. Nach dem 1. Akt, wenn Herr Händel selbst dirigiert hat, gab es oft eine lange, sehr lange Pause und diese Pause habe ich versucht programmatisch zu beleuchten. Ich habe versucht ein Pausenkonzert einer Händeloper zu rekonstruieren. Es war nämlich so, dass der Maestro selbst ausruhen gehen musste und man weiß eben auch, dass er so oft gegessen hat und zwar nicht nur ein bisschen, sondern sehr viel. Und drum auch der Titel „Mr Handel’s Dinner“.

Natürlich hat Mr. Händel nicht nur getafelt in den Opernpausen Pausen. Er gab auch selbst improvisatorische Einlagen. So sind z.B. seine Orgelkonzerte entstanden, als Neuauflagen eigene Werke oder auch die Blockflötensonate in F-Dur auf dieser CD. 

 „Das war aber nicht nur so, dass man Händels eigene Musik gehört hat in diesen Pausen, sondern er hat das fantastisch bestückte Orchester – das waren ja alles Einladungen von ihm selbst – viele italienische Musiker sind gekommen, aus Frankreich sind sie gekommen – die haben die Gelegenheit bekommen, ihre eigenen Werke dort zu präsentieren. Die wichtigsten Händelmusiker zu dieser Zeit waren wahrscheinlich Giuseppe Sammartini, als der 1. Oboist, der die ganzen riesigen Oboenpassagen gespielt hat und wenn die Oboe mal pausiert hat, dann hat er sehr, sehr gut Blockflöte gespielt. Auch gut Blockflöte gespielt hat William Babell, der auch der Cembalist war in diesem Orchester. Es war meine Idee einmal dieses ganze Umfeld zu beleuchten, nicht so sehr den Komponisten Händel selbst, sondern diese bestimmt Aufführungspraxis in einer Pause, welche manchmal 2 Stunden gedauert hat, zwischen dem 1. Und 2. Akt, ein Programm zu rekonstruieren, welches eben gar nicht nur einfach eine Pausenmusik ist, sondern, wie ich finde, eine großartige musikalische wie soziale Geschichte da eben ganz vielschichtig etwa zu erleben.“

Virtuose Verzierungskünste

Und das gelingt Maurice Steger gemeinsam mit dem beseelt spielenden Ensemble La cetra mit Sebastian Wienand am Cembalo. Er steht mit seinen virtuosen Verzierungskünsten dem Blockflötisten kaum nach. Die meisten Verzierungen sind dabei originalgetreue, handschriftliche Überlieferungen von Musikern aus Händels Umgebung.

„Wie viel man als viel empfindet, das hat sehr mit der eigenen Wahrnehmung im Erleben einer Zeit zu tun. Auch mit Farben! Heute ist alles eher Ton in Ton, eher grau, aber wenn man so ein barockes Kostüm anschaut, dann sind das leuchtende Farben, das ist Unglaublich! Und wenn man 5 Triller hintereinander tut, dann könnte man für andere Stile sagen: „OH, das ist jetzt aber eher viel!“ Wenn man aber diese Manuskripte anschaut, dann ist das so grenzwertig, das ist so überbordend viel für den heutigen Zeitgeist – sage ich mal -, dass ich das einfach ein bisschen hab zeigen wollen und sagen: „Naja, wie man etwas empfindet, das kommt eben sehr darauf an, aus welcher Perspektive man es anhört und anschaut."

CD-Tipp vom 23.05.2019 aus der Sendung SWR2 Treffpunkt Klassik

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