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Amaryllis Dieltiens singt Konzertarien von Luigi Boccherini Perfektes Hörerlebnis

CD-Tipp vom 29.8.2017

Cover Boccherini

CD

Titel:
Luigi Boccherini | Arie da concerto
Interpret:
Amaryllis Dieltiens | Capriola di Gioia | Bart Naessens
Label:
Evil Penguin Records EPRC 0023

Ein Italiener in Spanien hat für den spanischen Infanten Don Luis so ziemlich alles an Streichermusik geschrieben hat, was es gibt: Sonaten, Trios, Quartette, Quintette, Sextette, Sinfonien, insgesamt mehrere 100 Werke. Dass wir heute nur noch eines davon richtig gut kennen, eigentlich nur einen Satz, das Menuett aus dem Streichquintett E-Dur, ist mehr als ein Dilemma. Die Rede ist von Luigi Boccherini oder Luis wie er in Spanien genannt wurde. Da sein Dienstherr ein Faible für Kammermusik hatte, lieferte Boccherini wie am Schnürchen. Dabei ist vollkommen in Vergessenheit geraten, dass er auch Vokalmusik geschrieben hat. Vor ein paar Jahren hat Amaryllis Dieltiens bereits Boccherinis Stabat mater veröffentlicht, jetzt sind es sieben Konzertarien auf Texte des vermutlich meist vertonten italienischen Dichters und Librettisten Pietro Metastasio. Allesamt stammen sie aus antiken Geschichten: Artaserse, Ezio oder Olimpiade. Wann und für wen Boccherini die Arien geschrieben hat, ist leider nicht überliefert. Aber eines weiß Amaryllis Dieltiens: „Die Arien sind Balsam für die Stimme“, so sagt sie, „auf den ersten Blick scheinen die exquisiten Melodien unkompliziert und anspruchslos zu sein, aber in der Ausführung benötigen sie Kraft und die gesamte tessitura, also die Agilität, die Beweglichkeit des vollen Stimmumfangs eines Soprans.“

Lyrische wie virtuose Arien
Amaryllis Dieltiens zusammen mit ihrem Mann, Bart Naessens, Organist und Dirigent. Vor zehn Jahren haben die belgische Sopranistin und ihr Mann, Bart Naessens, Organist und Dirigent gemeinsam das Ensemble Capriola di Gioia gegründet und sich ganz der Vokalmusik des 17. und 18. Jahrhunderts verschrieben. Jetzt entdeckten sie die lyrischen und ebenso virtuosen Konzertarien Boccherinis und haben sie mit viel Leidenschaft und Feingefühl zu Leben erweckt.

Geschmeidige Koloraturen
Dieltiens überzeugt in den geschmeidigen Koloraturen, natürlich und unaufdringlich ohne zu forcieren, bisweilen sind die Höhen ein wenig scharf, aber umso einnehmender und betörender ist ihr warmes Timbre in den Mittellagen. Und wenn ihre Stimme dann noch von den Streichern umsäuselt und umgarnt wird, ist das Hörerlebnis perfekt. Der Kammermusikkönig und Cellist Boccherini zeigt sich hier auch den Sängern von seiner besten Seite.

CD-Tipp vom 29.8.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

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