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York Kronenberg und das Zürcher Kammerorchester spielen Bach Ebenso spontan wie tief durchdacht

CD-Tipp vom 27.1.2015

CD-Cover Bach, Kronenberg

CD

Titel:
Johann Sebastian Bach: Klavierkonzerte BWV 1052-1058
Interpret:
Yorck Kronenberg (Klavier), Zürcher Kammerorchester
Label:
Genuin GEN 14323

War Johann Sebastian Bach ein Melancholiker? Sicher auch das. War Johann Sebastian Bach ein Mann des Humors, des Witzes und der Galanterie? Sicher auch das. War Johann Sebastian Bach ein Temperamentsbolzen und forscher Virtuose? Sicher auch das.

Yorck Kronenberg holt Johann Sebastian Bach, diesen ungemein wissenden Musiker, aus dem Museum, vergegenwärtigt seine Musik auf dem modernen, warm klingenden Bösendorfer zusammen mit den auf modernen Instrumenten spielenden Kolleginnen und Kollegen des Zürcher Kammerorchesters. Die Aufnahme entstand dort in Zürich. Robust, vital, kraftvoll, aber facettenreich und auch feinfühlig, motorisch aufregend, metrisch frappierend, federnd ist seine Interpretation. Sein Spiel wirkt ebenso spontan wie tief durchdacht. Bei dieser Doppel-CD handelt es sich um eine hochenergetische Angelegenheit.

Yorck Kronenberg kehrt zu Johann Sebastian Bach zurück. Mit dem Pianisten musiziert unter Leitung seines Konzertmeisters Willi Zimmermann das berühmte Zürcher Kammer-orchester. Diese aufsehenerregende und weithin beachtete Neuerscheinung präsentiert den Beginn der Gattung des Klavierkonzertes, die der Thomaskantor begründete (!). Diese sieben Werke in d-Moll, E-Dur, D-Dur, A-Dur, f-Moll, F-Dur und g-Moll waren gewissermaßen sorgfältigst ausgearbeitete Gelegenheitsmusiken für Konzerte Bachs mit dem 20 Jahre zuvor gegründeten Leipziger Collegium Musicum. Ein Musizieren vor ca. 150 Personen mit dem Virtuosen Bach am Cembalo war das damals. Die Konzerte BWV 1052 – 1058 sind allesamt Bachsche Originalkompositionen – allerdings Umarbeitungen von Konzerten für andere Soloinstrumente. Beim F-Dur Konzert (BWV 1057) – einer Bearbeitung des vierten Brandenburgischen Konzerts – treten zum Tasteninstrument (statt der Solo-Violine) zwei Blockflöten, Laura Schmid und Claudius Kamp, hinzu. York Kronenberg spielt hier ein einziges Mal aus klanglichen Gründen Cembalo.

Nach Bach, Beethoven und Schubert, nach Klaviermusik der klassischen Moderne, nach Klavier- und Orchesterwerken des Beethoven-Zeitgenossen und Konkurrenten Joseph Woelfl und des Symphonikers Karls Amadeus Hartmann sowie einer Doppel-CD mit Werken von Johannes Brahms: nun also endlich eine weitere Veröffentlichung des Musikers, Komponisten und Schriftstellers Yorck Kronenberg. Kenntnisse und Erfahrungen mit der historischen Aufführungspraxis und dem Cembalo sind hörbar in die Produktion eingegangen. Kronenberg beherrscht auch die Kunst der geschmackvollen, angemessenen Verzierung und virtuosen improvisatorischen Auszierung. Yorck Kronenberg, liest man im Booklet, begründet seine Rückkehr zu Bach kurz und bündig mit: „Ich liebe Bach“. Er will die „ganze Bandbreite seiner Kunst dar[..]stellen“. Johann Sebastian Bach: Klavierkonzerte mit Yorck Kronenberg und dem Zürcher Kammerorchester – eine durchgeistigte, klanglich sehr präsente, glasklare hochemotionale und hochengagierte Neuaufnahme, eine Interpretation, die gelegentlich so nachdenklich ist, dass die Zeit anzuhalten scheint, die aber auch wiederum so ungestüm sein kann, dass sie mich aus dem Sessel reißt.

CD-Tipp vom 27.1.2015 aus der Sendung SWR2 Cluster

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