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Max-Planck-Institut untersucht Wirkung musikbegleitender Texte Blumige Texte erhöhen Musikgefallen

Wenn es von Mozart ist, muss es gut sein? Nein, sagt die Forschung, die den Einfluss von Textinformationen auf die musikalische Wertschätzung des Hörers untersucht hat.

Currentzis im Programmheft

Die Wissenschaft hat festgestellt: Mit packenden Texten besteht die Möglichkeit, Hörer aller Altersklassen zu begeistern - unabhängig vom Prestige der Komponisten.

Das Hören klassischer Musik wird häufig von Informationen über die Stücke begleitet. Der Klassik-CD liegt ein Booklet bei, im Radio werden klassische Stücke anmoderiert und im Konzert werden Programmhefte verkauft. Haben diese Informationen einen Einfluss auf die Bewertung der gehörten Musik? fragte das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt in einer Studie. Die Erkenntnisse der in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Psychology of Music“ veröffentlichten Ergebnisse: expressive Texte fördern den musikalischen Genuss, die Bekanntheit des Komponisten ist unerheblich.

„Aus früherer Forschung ist bekannt, dass der Grad an emotionaler Regung beim Hörer ein zuverlässiger Indikator für das Gefallen und den Genuss beim Kunsterleben ist.“ (Michaela Kaufmann, Musikwissenschaftlerin am Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik und Co-Autorin der Studie)

Die konkrete Fragestellungen der WissenschaftlerInnen lautete: Hat die Bekanntheit der Komponisten einen Einfluss auf das Gefallen der Stücke? Wie beeinflussen stilistisch unterschiedliche Einführungstexte die Einschätzung der Musik? Für die Studie mussten 170 VersuchsteilnehmerInnen im Alter von 19 bis 80 Jahren eine kurze Einführung vor dem individuellen Hören einer Sinfonie des böhmischen Komponisten Josef Mysliveček (1737–1781) lesen. Dabei wurde der Hälfte der Gruppe gesagt, es handele sich um ein Stück von Wolfgang Amadeus Mozart.

Mozarts Name beeindruckt nur jüngere Hörer

Die verwendeten Einführungstexte waren entweder lebendig, expressiv und blumig gehalten oder nur formal beschreibend und analytisch darlegend. Nach dem Hören bewerteten alle Teilnehmer das Stück unter anderem danach, wie gut ihnen die Musik gefiel. Die Vorab-Informationen hatten demnach einen nachhaltigen Einfluss auf das Hörerleben der Mysliveček-Sinfonie:

  • Im Gegensatz zu älteren Teilnehmern gefiel jüngeren das Stück besser, wenn es Mozart zugeschrieben wurde. Ältere Musikhörer bleiben von der Zuschreibung zu Mozart unbeeindruckt.
  • Den Teilnehmern der Gruppe, die den ausdrucksstarken Text gelesen hatten, gefiel über alle Altersstufen hinweg die gleiche Musik besser, als denen, deren Text nüchterne, musikanalytische Informationen präsentierte.

Die Quintessenz der Studio: Mit einer bewusst lebendig und fantasievoll gehaltenen Gestaltung der musikbegleitenden Texte steigt die Wahrscheinlichkeit, Hörer aller Altersklassen zu begeistern.

Im Programm

darin bis 8.30 Uhr:
u. a. Pressestimmen, Kulturmedienschau und Kulturgespräch

Musikliste:

Giuseppe Antonio Brescianello:
4. Satz Allegro aus dem Concerto à 3 für 2 Violinen und Basso continuo Nr. 1 B-Dur
Der musikalische Garten
Gaëtano Donizetti:
2. Satz Allegro aus der Oboensonate F-Dur
Heinz Holliger (Oboe)
Gabriel Bürgin (Klavier)
Johann Sebastian Bach:
1. Satz aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 2 F-Dur BWV 1047
Orchestra of the Antipodes
Leitung: Anthony Walker
Joseph Martin Kraus:
Schwedischer Tanz für Klavier C-Dur
Alexandra Oehler (Klavier)
Sergej Prokofjew:
4. Satz Finale aus der Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 25 "Symphonie classique"
Chamber Orchestra of Europe
Leitung: Claudio Abbado
Joseph Haydn:
3. Satz aus dem Streichquartett G-Dur op. 77 Nr. 1
Emerson String Quartet
David Matthews:
So damn lucky
Eldar Djangirov (Klavier)
Arcangelo Corelli:
2. Satz Allemanda aus dem Concerto grosso F-Dur op. 6 Nr. 9
The English Concert
Leitung: Trevor Pinnock
Charles Koechlin:
Etüde für Saxophon und Klavier Nr. 8
Claude Delangle (Saxophon)
Odile Delangle (Klavier)
Frédéric Chopin:
Walzer As-Dur op. 42
Alice Sara Ott (Klavier)
Antonio Vivaldi:
1. Satz Allegro aus dem Blockflötenkonzert G-Dur RV 436
Danya Segal (Blockflöte)
Musica Alta Ripa
Giuseppe Verdi:
3. Satz Prestissimo aus dem Streichquartett e-Moll
Artemis Quartett
Stevie Wonder:
Sir Duke
Iiro Rantala (Klavier) & Ulf Wakenius (Gitarre)
Gian Francesco Malipiero:
2. Satz Allegro moderato aus "La Cimarosiana"
Orchestra della Svizzera Italiana
Leitung: Christian Benda
Fiorenzo Carpi:
Pinocchio "in groppa al tonno"
Gianluigi Trovesi (Klarinette)
Gianni Coscia (Akkordeon)
Jean-Philippe Rameau:
"Les Sauvages" aus der Suite g-Moll
Alexandre Tharaud (Klavier)
Harold López-Nussa:
Hialeah
Harold López-Nussa (Klavier)
Gastón Joya (Kontrabass)
Ruy Adrian López-Nussa (Schlagzeug)

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