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Monteverdi 450 Klingeln bei Claudio

SWR2 feiert Claudio Monteverdis 450. Geburtstag

Von Doris Blaich

Dieses Foto ist ein Klingel-Selfie. Ich habe es in Rom fotografiert, in einem Palazzo aus dem 17. Jahrhundert. Wer hätte mir wohl im Herbst des Jahres 1610 die Tür geöffnet? Damals weilte Claudio Monteverdi in der Stadt - allerdings noch ohne elektrische Türklingel.

Monteverdi träumt von einer Anstellung in Rom

Ein schnarrender Klingelton. Der Klang erinnert an ein Regal, jene tragbare Miniaturorgel, die Monteverdi in der Unterwelt-Szene seiner Oper L’Orfeo verwendet, um den Ohren eine Ahnung zu geben von der Finsternis und dem Schwefelgeruch der Hölle. Als Monteverdi öffnet, ist er sichtlich nervös. Unter dem Arm hält er einen nagelneuen Musikdruck, gewidmet Papst Paul V. Gleich wird er in den Vatikan aufbrechen, um die Noten dem Papst persönlich zu überreichen.

Denn er träumt von einer Stelle an einer der zahlreichen Kirchen Roms – und dem unliebsamen Kapellmeisterposten in Mantua den Rücken zu kehren. Dort schätzt man ihn viel zu wenig, die Bezahlung ist mager und das Klima in der Malaria-Hochburg Mantua schadet seiner Gesundheit.

Bewerbung beim Papst

Die neu komponierten Stücke sind quasi seine Bewerbungsunterlagen: Sie bündeln alles, wofür er steht und was er kann: eine vierstimmige Messe im ehrwürdigen alten Stil und eine Sammlung von prächtigen modernen Psalmen und Motetten für Marienfeste, an deren Virtuosität, Ideenreichtum und Ausdruckskraft man seine zukunftsfähigen kompositorischen Qualitäten ablesen kann.

Der Weg führt nach Venedig ...

Die Zeitgenossen nennen Monteverdi "oracolo della musica". Aber seine hellseherischen Fähigkeiten verraten ihm natürlich nicht, dass der Papst ihm keine Audienz gewähren wird. Am nächsten Morgen wird Monteverdi in aller Frühe die Rückreise antreten, 500 km nach Norden ins ungeliebte Mantua. Zwei Jahre später aber wird er einen der glanzvollsten Musikerposten in ganz Europa antreten: als Kapellmeister der Markuskirche von Venedig.

... nach Schwetzingen ...

Monteverdi würde nicht schlecht staunen über den Enthusiasmus, mit dem die Musikwelt im Mai 2017 seinen 450. Geburtstag feiert: Dass bei den Schwetzinger SWR Festspielen alle drei Opern aufgeführt und in SWR2 gesendet werden; ja, dass man ihn als ersten großen Opernkomponisten der Musikgeschichte verehrt. Seine Madrigale gelten als Inbegriff einer glücklichen Verbindung von Textausdruck und Kompositionskunst, auch davon gibt’s in Schwetzingen reichlich Kostproben und ergänzende Sendungen in SWR2.

... und zu SWR2.

Seine Biographie mit ihren Abgründen und Höhenflügen füllt eine ganze Musikstundenwoche (15. - 19.05.2017). Die Begeisterung für seine Musik ist bei manchen Dirigenten so groß, dass sie – wie John Eliot Gardiner – einen "Monteverdi Choir" gründen und sich in den Details seiner Musik womöglich besser auskennen als der Maestro selbst (). Die moderne Musikwissenschaft schätzt seinen kompositorischen Wagemut und betrachtet ihn als vielleicht wichtigsten Vertreter der neuen Ästhetik um 1600 – als die Komponisten nach Möglichkeiten suchten, die menschlichen Leidenschaften zum Klingen zu bringen (SWR2 Essay am 01.05.2017).

Ich habe es mir verkniffen, den Klingelknopf in Rom durchzudrücken und bin deshalb diesem Signor (oder dieser Signora?) Monteverdi nie begegnet. Claudio Monteverdis Musik aber können Sie rund um seinen 450. Geburtstag etliche Male in SWR2 begegnen. Einfach den Radioknopf drücken!

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