Bitte warten...

Dutoit dirigiert wieder nach #MeToo-Debatte um seine Person Als wäre nichts geschehen

Vor einem Jahr wurde Dirigent Charles Dutoit recht schnell beschäftigungslos, nachdem er mit Vorwürfen sexuellen Fehlverhaltens konfrontiert war. In Frankreich und der Schweiz dirigiert er nun wieder.

Dirigenten Charles Dutoit in Lugano, Silvester 2018

Auch hier stand Charles Dutoit bereits wieder - weitgehend unbemerkt - am Pult: beim Silvesterkonzert 2018 des Orchestra della Svizzera italiana und seiner Ex-Frau Martha Argerich in Lugano

Der Schweizer Dirigent Charles Dutoit wird am 3. Februar kurzfristig - als Krankheitsvertretung - ein Konzert des Nationalorchesters von Frankreich dirigieren. Diese Entscheidung stößt nach den Anschuldigungen gegen ihn auf Unverständnis. Eine der Frauen, die Dutoit der sexuellen Übergriffe beschuldigt, sagte, sie sei über die Entscheidung des Orchesters schockiert. Das schicke eine "mächtige und katastrophale Botschaft" an Opfer sexueller Übergriffe, argumentierte die pensionierte französische Sopranistin Anne-Sophie Schmidt.

Das Orchester teilte der Nachrichtenagentur AP am Mittwoch, 30. Januar, mit, Dutoit sei ausgewählt worden, ein Werk von Berlioz am Sonntag in der Philharmonie von Paris zu dirigieren, weil er der einzige Dirigent mit den nötigen Fähigkeiten sei, der kurzfristig verfügbar gewesen sei. Zudem sei die Entscheidung mit den auftretenden Musikern besprochen worden.

Vorwurf der Vergewaltigung

Der 82-jährige Dirigent Charles Dutoit war nach Vorwürfen des sexuellen Fehlverhaltens im Januar 2018 vorzeitig von seiner Funktion als künstlerischer Direktor und Hauptdirigent des britischen Royal Philharmonic Orchestra zurückgetreten. Zuvor hatten bereits mehrere US-Orchester die Beziehungen zu ihm abgebrochen, nachdem die Agentur AP berichtete, dass mehrere Sängerinnen und Musikerinnern Dutoit sexuelle Übergriffe zwischen 1985 und 2010 vorgeworfen hätten.
Eine Musikerin beschuldigte Dutoit, sie 1988 in den USA vergewaltigt zu haben. Von den Frauen erstattete damals keine eine offizielle Anzeige, weil sie eigenen Angaben zufolge jung waren und Angst um ihre weiteren Karrieren hatten.

Zukunft in Russland

Dutoit hat die Vorwürfe gegen ihn stets bestritten. Sie seien "so schockierend für mich wie sie es für meine Freunde und Kollegen sind", sagte Dutoit. Ab Mai will er als erster Gastdirigent der Sankt Petersburger Philharmoniker wieder regelmäßig mit einem Orchester zusammenarbeiten.

Weitere Themen in SWR2