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Star-Countertenor Cencic in Karlsruhe Premiere von „Serse“ bei den Händel-Festspielen

Im Februar steht Karlsruhe im Zeichen Georg Friedrich Händels. Die Badische Staatsoper widmet dem Barockkomponisten die jährlichen Händel-Festspiele. Herzstück in diesem Jahr ist die Neuinszenierung der Händel-Oper „Serse“ - im Vegas-Stil. Countertenor Max Emanuel Cencic führt Regie und steht gleichzeitig als Sänger auf der Bühne.

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Oper

Händels „Serse“: Eine spektakuläre Kitschorgie in Karlsruhe

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Händels Barockoper „Serse“ ist Höhepunkt der diesjährigen Händel-Festspiele in Karlsruhe. Schon vor der Premiere hatte sich der Clou der Produktion herumgesprochen: Serse, bzw. Xerxes, der „König der Könige“ wird in Karlsruhe zu Liberace, ein längst untergegangenes Kitschmonster der Popkultur. Sein Reich waren die Showbühnen von Las Vegas. Im Bild: Franco Fagioli (Serse)

Händels Barockoper „Serse“ ist Höhepunkt der diesjährigen Händel-Festspiele in Karlsruhe. Schon vor der Premiere hatte sich der Clou der Produktion herumgesprochen: Serse, bzw. Xerxes, der „König der Könige“ wird in Karlsruhe zu Liberace, ein längst untergegangenes Kitschmonster der Popkultur. Sein Reich waren die Showbühnen von Las Vegas. Im Bild: Franco Fagioli (Serse)

Nun hat schon Händels Opernheld nur noch wenig mit Xerxes, dem persischen Original aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. zu tun. Und nun das, Serse neu verortet in einer Kitschorgie, die im Zuviel an Dekor, in schreiender Buntheit fast ersäuft. Im Bild: Franco Fagioli (Serse), Händel-Festspielchor und die Statisterie des Staatstheater Karlsruhe

Geht das? Warum nicht. Durch diese überdrehte 70er Jahre Popkultur-Perspektive wird das verwinkeltes Intrigenstück des Barock in der Karlsruher Inszenierung zur Comedy. 270 Kostüme und 1000 Requisiten werden bewegt. Die Schauplätze zwischen Diner und Fashion-Boutique sausen vorüber. Im Bild: Max Emanuel Cencic (Arsamene), Yang Xu (Elviro) und die Statisterie des Staatstheater Karlsruhe

Der verrückt-gefährliche Serse willl eine Frau haben, die er nicht haben darf. Es ist Romilda, alias Lauren Souffer. Serse, der aufgedonnerte Superstar, residiert in einer protzigen Kulisse, das junge Showsternchen Romilda wohnt über einem Schwulenclub mit dem treffenden Namen „Tom of Babylon“. Im Bild: Franco Fagioli (Serse), Lauren Snouffer (Romilda)

Auch der Bruder von Serse ist in Romilda verliebt. Es ist Arsamene, dargestellt von Max Emanuel Cencic, der auch Regisseur des Stücks ist. Von der Rivalität der Brüder lebt das Stück. Cencic, im Drama der ehrlichere der beiden, klingt auch gesanglich charakterstark. Im Bild: Yang Xu (Elviro), Max Emanuel Cencic (Arsamene), Franco Fagioli (Serse)

Franco Faggioli ist der primo uomo und Darsteller der Titelfigur; mit seiner jubelnden Höhe und dem bemerkenswerten Brustregister füllt er Räume. Sein weltberühmtes „Ombra mai fu“ singt Serse im Tingeltangel Ambiente, wozu er sich selbst am Klavier begleitet. Sein Lied wird als Hit ausgestellt und das ist als ein Hinweis auf die Rezeptionsgeschichte des Stücks nicht schlecht. Im Bild: Franco Fagioli (Serse) und die Statisterie des Staatstheater Karlsruhe

In Karlsruhe wird durch die Bank hervorragend gesungen. Lauren Souffer als Romilda klingt anmutig und lyrisch. Pavel Kudimov ist ein wunderbarer Basso Cantante. Die Deutschen Händel Solisten sind eine sichere Bank, eine erstklassige Formation der Alten Musik. Unter George Petrou spielen sie elastisch und anschmiegsam. Im Bild: Lauren Snouffer (Romilda) und die Statisterie des Staatstheater Karlsruhe

Der international gefragte Countertenour Max Emanuel Cencic bringt Händels „Serse“ im doppelten Sinn auf die Bühne: Er ist Regisseur der Produktion und singt gleichzeitig eine der Hauptrollen. Für Cencic nicht das erste Mal. Die ungewöhnliche Doppelrolle ist für ihn kein Widerspruch.

„Wenn man eine Oper inszeniert, die man selbst schon gesungen hat, kennt man die Schwierigkeiten und auch die Stärken des Stücks viel besser“, sagt er in SWR2.

Für die Internationalen Händel-Festspiele in Karlsruhe hat Cencic die Händel-Oper „Serse“ nach Las Vegas verortet. Das Setting passe zur Grundstimmung des Stücks: „Serse ist Glamour und Misere gleichzeitig.“

7:29 min | Fr, 15.2.2019 | 10:05 Uhr | SWR2 Treffpunkt Klassik | SWR2

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Händelfestspiele 2019

Countertenor Max Emanuel Cencic im Gespräch

Ulla Zierau

Der gefeierte Countertenor Max Emanuel Cencic wird bei den diesjährigen Händel-Festspielen in Karlsruhe wieder doppelt beschäftigt sein: Als Sänger und gleichzeitig als Regisseur der Händel-Oper „Serse“. Die Idee, Regie zu führen, sei ganz zufällig gekommen, erzählt Cencic in SWR2.

„Serse“ bereits fast ausverkauft

Neben Max Emanuel Cencic wird Franco Fagioli in „Serse“ auf der Bühne stehen und die Hauptfigur verkörpern. Die beiden gefeierten Countertenöre spielen das verfeindete Brüderpaar Serse und Arsamene.

Die musikalische Leitung übernimmt George Petrou, der bereits in den letzten beiden Jahren bei den Festspielen dirigiert hat. Ein Wiedersehen gibt es auch mit der amerikanischen Sopranistin Lauren Snouffer, die nach ihrem Debüt als Tusnelda 2017 ebenfalls erneut in Karlsruhe zu erleben ist.

Bereits vor der Premiere von Händels „Serse“ am 15.2. in Karlsruhe waren die Aufführungen 2019 fast ausverkauft. Tickets für die Vorstellung im nächsten Jahr gibt es bereits jetzt im Vorverkauf.

Wiederaufnahme der Zauberoper „Alcina“

Für magische Momente sorgt die Wiederaufnahme von Händels berühmter Zauberoper „Alcina“ in der Inszenierung von James Darrah. Der junge amerikanische Regisseur gab mit dieser Arbeit bei den Händel-Festspielen 2018 sein Deutschlanddebüt.

Für „Alcina“ steht erneut Händel-Spezialist Andreas Spering am Dirigentenpult der Deutschen Händel-Solisten, dem Festival-Orchester des Staatstheater Karlsruhe. Nachwuchssängerin Lauren Fagan wird mit der Titelpartie der Zauberin Alcina erstmals in Karlsruhe zu Gast sein.

Im Programm

darin bis 8.30 Uhr:
u. a. Pressestimmen, Kulturmedienschau und Kulturgespräch

Musikliste:

Pablo de Sarasate:
Romanza andaluza für Violine und Orchester
Gil Shaham (Violine)
Orpheus Chamber Orchestra
Georg Friedrich Händel:
4. Satz Allegro aus der Sonate für Blockflöte und
Basso continuo a-Moll HWV 362
Genevieve Lacey (Blockflöte)
Daniel Yeadon (Violoncello)
Neal Peres da Costa (Cembalo)
Robert Schumann:
2. Satz Scherzo aus der Sinfonie Nr. 3 Es-Dur
Gewandhausorchester
Leitung: Riccardo Chailly
Joseph Haydn:
2. Satz Scherzando aus der Klaviersonate cis-Moll Hob. XVI:36
Leif Ove Andsnes (Klavier)
Carl Philipp Emanuel Bach:
3. Satz Allegro aus der Sinfonie E-Dur Wq 182 Nr. 6
Capella Istropolitana
Leitung: Christian Benda
Fritz Kreisler:
The Londonderry Air, Volksweise aus Irland für Violine und Klavier
Nigel Kennedy (Violine)
John Lenehan (Klavier)
Ludwig van Beethoven:
1. Satz aus der Klaviersonate d-Moll op. 31 Nr. 2 "Der Sturm",
Jazzversion von Dieter Ilg
Dieter Ilg (Bass)
Rainer Böhm (Klavier)
Patrice Heral (Percussion)
François Couperin:
2. Satz aus dem Konzert Nr. 9 E-Dur "Ritratto dell'amore"
Les Talens Lyriques
Leitung: Christophe Rousset
Wolfgang Amadeus Mozart:
3. Satz Presto aus dem Divertimento für Streicher D-Dur KV 136
Camerata Salzburg
Leitung: Sándor Végh
Renaud García-Fons:
Nove alla turca
Renaud García-Fons (Kontrabass)
Claire Antonini (Laute)
Johann David Heinichen:
4. Satz aus dem Concerto grosso F-Dur Seibel 234
Musica Antiqua Köln
Leitung: Reinhard Goebel
Frédéric Chopin:
Mazurka fis-Moll op. 59 Nr. 3
Maria João Pires (Klavier)
Joshua Redman:
How we do
Joshua Redman Quartet
Felix Mendelssohn Bartholdy:
"Ein Tanz von Rüpeln" aus der Schauspielmusik zu
"Ein Sommernachtstraum" op. 61
Chamber Orchestra of Europe
Leitung: Nikolaus Harnoncourt
Carlo Tessarini:
1. Satz aus der Sinfonie Nr. 1 D-Dur op. 20 Nr. 1
Musica Petropolitana
Domenico Scarlatti:
Klaviersonate G-Dur K 13
Glenn Gould (Klavier)
Waldyr de Azevedo:
Brasileirinho
Yo-Yo Ma (Violoncello) und Ensemble

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