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Zum Welt-Kuss-Tag: Der Kuss in der Musik

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Es steht „das“ romantische Lippenbekenntnis im Mittelpunkt: Der 6. Juli ist der offizielle, internationale Tag des Kusses. In der Coronazeit kam das Küssen durch die Abstandsregeln ja etwas zu kurz, da muss der Welt-Kuss-Tag umso mehr gewürdigt werden. In der klassischen Musik gibt es ganz viele Küsse in Opernduetten, Kusswalzern oder italienischen Madrigalen.

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Welttag des Kusses: Ein Protest in der Margaret-Thatcher-Ära

Der Puls beschleunigt, der Blutdruck steigt, die Wangen werden rot. Ein wahrer Hormon-Cocktail aus Oxytocin, Serotonin und Dopamin flutet durch den Körper. Das alles passiert bei einem Kuss.

Seit 1990 wird dem Kuss ein eigener Tag gewidmet. In Großbritannien nahm alles seinen Anfang: Den Leuten dort gingen die konservativen Vorstellungen der Margaret-Thatcher-Ära auf den Geist und sie setzten mit dem Weltkusstag ein Zeichen gegen zugeknöpfte Obrigkeit und für Leidenschaft und Liebe.

Der Kuss in der Musik: Kusswalzer und Kuss-Opern

Auch die klassische Musik beschäftigt sich seit Langem intensiv mit dem Kuss: Luigi Arditi hat zum Beispiel seinen „Kusswalzer“ nach ihm benannt. Friedrich Smetana widmet dem Kuss sogar eine ganze Oper.

Ein Liebesbekenntnis in der Oper: Kussduett und Opernkuss bei Verdi

Apropos Oper: Der Opernkuss ist das Stilmittel, um die Liebe der Protagonist*innen auf der Bühne zu zelebrieren. In Verdis „Otello“ versichern sich Otello und seine Desdemona ihre Liebe im berühmten Kussduett des ersten Satzes: „ancora un bacio“

Normal war das Küssen auf der Opernbühne allerdings nicht. Die Oper war bis Ende des 19. Jahrhunderts eher prüde. Erst in Verdis Falstaff gab es den ersten richtigen Opernkuss. Dieser stand sogar auskomponiert in der Partitur.

Aus aktuell bekanntem Anlass sind die Opernküsse allerdings wieder mit Vorsicht zu genießen. Da müssen sich die Liebenden auf der Opernbühne wohl erstmal mit Abstand anschmachten.

Eine explizite Kuss-Anleitung in Liedform

Neben Kussduetten, wie in der Operette „Die schöne Galathée“ von Franz von Suppè, findet man den Kuss auch in Madrigalen, Liedern oder Arien. In dem ein oder anderen Lied gibt es dann auch die ein oder andere Erklärung:

„Nirgends hin, als auff den Mund,
Da sinckts in deß Hertzen grund.
Nicht zu frey, nicht zu gezwungen,
Nicht mit gar zu fauler Zungen.“

Küssen ist Sünde?

Küssen ist für den Barockkomponisten Andreas Hammerschmidt wohl so komplex, dass er das erstmal in einem Lied verarbeiten muss. Es können aber auch nicht alle Küsse schön und liebevoll sein, wie schon Beethoven wusste:

Ein Kuss ist in der Musik also so vielfältig wie auch im echten Leben. Und wer sich gegen Ende seines Lebens fragen sollte: Ja wie viel Zeit habe ich denn mit dem Küssen verbracht? Der kann, jetzt mal ganz grob gesagt, auf 100.000 Küsse und 76 Tage zurückblicken.

Internationaler Tag des Kusses: Dürfen Singles in der Corona-Pandemie noch auf ein Date gehen?

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Musikstück der Woche „Er küsste mich...“ Leonhard Lechners Vertonung des Hohelieds Salomons

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