Zum 90. Geburtstag von Glenn Gould: Legendäre „Goldberg-Variationen“

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Christoph Vratz

Ein tollkühner junger Pianist aus Kanada namens Glenn Gould macht die musikalische Welt anno 1955 mit seiner Neuaufnahme von Johann Sebastian Bachs „Goldberg-Variationen“ geradezu verrückt. Rund ein Vierteljahrhundert später geht er mit dem Werk noch einmal ins Aufnahmestudio – und wieder entsteht eine Einspielung, die wie die erste bis heute legendär ist. Am 25. September wäre der genialische Pianist Glenn Gould 90 Jahre alt geworden.

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1981 folgt der zweite Geniestreich

1981: Noch einmal, fast drei Jahrzehnte nach seiner ersten Einspielung der „Goldberg-Variationen“ von Johann Sebastian Bach, begibt sich Glenn Gould wieder ins Aufnahmestudio, um dieses Stück noch einmal für die Schallplatte zu dokumentieren.

Vor allem die neuen Möglichkeiten der Technik haben ihn dazu veranlasst. Die erste Variation setzt er wuchtig, fast grimmig in die Tasten. Jeder Ton ein Ausrufezeichen.

Mehr als ein Vierteljahrhundert zuvor, 1955, klang diese erste Variation noch ganz anders: flüssiger und rasanter.

Zwei legendäre Einspielungen

Beide Aufnahmen gelten heute als legendär, so unterschiedlich sie auch sind: die frühere Einspielung hat den Ruhm des Exoten Glenn Gould begründet, weil er ein Werk ans Licht der Öffentlichkeit zerrt, für das sich Mitte der 1950er Jahre kein Pianist, der auf einem modernen Flügel spielt, interessiert.

1981 gilt der notorische Verblüffer Gould längst als pianistische Legende. Der Gereifte findet, etwa in der dritten Variation, zu einer Gelöstheit, die man dem versessen arbeitenden Gould kaum hätte zutrauen wollen.

Vom Stürmer und Dränger zum Studio-Musiker

Die frühe Aufnahme der „Goldberg-Variationen“ von 1955 lebt von Goulds funkelndem Anschlag, einer kompromisslosen Lesart des Notentextes und einem umwerfend kühnen Klavierspiel, das damals als etwas völlig Neuartiges galt. Insgesamt zeigt diese Produktion mehr den Stürmer und Dränger.

Anders 26 Jahre später: Gould hat sich längst von der Konzertbühne zurückgezogen und spielt nur noch im Aufnahmestudio. Dass er, nach zahlreichen Bach-Einspielungen, noch einmal zu den „Goldberg-Variationen“ zurückkehrt, gleicht einer Sensation.

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