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Geboren 1931 in eine nicht sonderlich musikalische Familie im tschechoslowakischen Mähren, standen die Zeichen für eine pianistische Karriere eher schlecht. Alfred Brendel ging aber seinen eigenen, sehr ungewöhnlichen Weg und ist heute dankbar für diesen untypischen Werdegang, sagt er im Gespräch mit SWR2. Am 5. Januar 2021 feiert der Jahrhundertpianist seinen 90. Geburtstag.

Als 1945 der Krieg endete, war Alfred Brendel 14 Jahre alt und gerade dem Militärdienst entgangen. Knapp zwei Jahre lang war er auf der Flucht vor den russischen Truppen und kaum in der Lage, Klavier zu üben. „Es gab keinen Intellektuellen, keinen künstlerisch ambitionierten Menschen in meiner Familie. So musste ich alles selbst herausfinden“, sagt der Pianist in SWR2.

Ein untypischer Werdegang: Kein Wunderkind, keine besondere Förderung

Aus heutiger Sicht hatte Alfred Brendel denkbar schlechte Voraussetzungen, um eine Karriere als Pianist anzustreben. Doch der junge Brendel hat gemalt, komponiert, Gedichte geschrieben und Klavier geübt.

Als er 16 Jahre alt war, sagte ihm seine Klavierlehrerin, er könne jetzt alleine weitermachen und bat ihn, seinen ersten Klavierabend zu geben, um dem großen Pianisten Edwin Fischer vorzuspielen.

„Ich hatte in meinem Leben genügend Zeit etwas aufzubauen und war zu meinem Glück nie ein ungeduldiger Mensch. Ich habe mir nicht eingebildet, sofort berühmt sein zu müssen, sondern habe mit 20 überlegt was ich mit 50 tun kann, und das würde ich auch meinen jungen Kollegen empfehlen."

Alfred Brendel, Pianist

Als Autodidakt zum „Jahrhundertpianisten" ausgebildet

So wurde Edwin Fischer zu seinem Lehrer. Allerdings konnte er nur sporadisch Unterricht bei ihm bekommen, da er aus finanziellen Gründen nur gelegentlich für den Unterricht nach Basel fahren konnte.

Ab seinem 20. Lebensjahr bildete er sich vor allem selbst mithilfe eines Magnetofons fort. Er nahm sich immer wieder auf, „um zu lernen, wie man sich selbst zuhört."

„Die Tatsache, dass ich Dinge selbst herausfinden musste, dafür bin ich heute noch dankbar. Es war eine viel längere, langsamere Entwicklung, aber meine eigene."

Alfred Brendel, Pianist

Brendel sieht aber in diesen vermeintlichen Schwierigkeiten seiner Ausbildung einzigartige Vorteile. Er hält nicht viel von Wettbewerben und war bis heute nie Mitglied einer Jury.

Im Dezember 2008 gab Alfred Brendel sein letztes öffentliches Konzert und beendete damit seine über 60 Jahre dauernde beispiellose internationale Karriere. Sein musikalischer Fokus galt vor allem der Wiener Klassik, er setzte sich aber auch maßgeblich für Franz Liszt oder Ferruccio Busoni ein.

(Das Gespräch ist eine Wiederholung von 2011.)

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