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Zum 350. Todestag von Heinrich Schütz: Ein Besuch im Heinrich-Schütz-Haus in Weißenfels

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AUTOR/IN
Susanne Pütz

Am Sonntag, 6. November, jährt sich der Todestag von Heinrich Schütz zum 350. Wer sich auf die Spuren des Komponisten begibt, wird wahrscheinlich auch auf das Heinrich-Schütz-Haus in Weißenfels stoßen. Sein ehemaliges Wohnhaus ist heute ein Museum und es gibt dort viel zu entdecken.

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Einer der „angesagtesten“ Komponisten seiner Zeit

Die hohe Fassade des aufwendig restaurierten dreistöckigen Hauses ist weiß gekalkt, Holzfenster mit Butzenscheiben – ein prächtiges Gebäude. Mitten im Herzen von Weißenfels steht das ehemalige Wohnhaus, der Alterssitz von Heinrich Schütz.

Keine Frage, Heinrich Schütz war ein wohlhabender Mann. Als Hofkapellmeister am Dresdner Hof war er einer der angesagtesten Komponisten seiner Zeit und konnte sich ein großes und komfortables Haus wie dieses leisten.

„Heinrich Schütz hat dieses Haus 1651 gekauft. Da war es schon hundert Jahre alt und stand zehn Jahre leer. Man fragt sich, wieso er ein zu diesem Zeitpunkt relativ heruntergekommenes, verwahrlostes Gebäude übernommen hat, dass er erst mal über mehrere Jahre sanieren musste.“

Ein Erlebnis-Museum

Gleich im Erdgeschoss des heutigen Museums tauchen die Besucher*innen in die Welt von Weißenfels um 1600 ein. Weißenfels liegt damals an der Via Regia, einer wichtigen Handelsstraße quer durch Europa.

Stadtansichten von damals finden sich heute im Museum. Alte Schulpläne, Vitrinen mit Fiedeln, Trommeln und typische Instrumente der Stadtpfeifer, die Heinrich Schütz als Kind tagtäglich erlebt.

Im ersten Stock: ein Saal mit einem alten Dielenboden. Hier finden Konzerte oder Workshops statt. Doch nicht nur hier gibt es Musik, auch in den angrenzenden neugestalteten Ausstellungsräumen. Denn dieses Museum ist durch und durch ein klingendes Haus mit unterschiedlichen Exponaten, sagt Maik Richter.

Vor allem gibt es Musik auch zum Ausprobieren, zum Beispiel mit einer eigens dafür konstruierten Klangkommode. Dabei sind Werke von Schütz in einzelne Stimmen aufgeteilt. Pro Schublade gibt es die Noten zum jeweiligen Part, vom Bass bis zum Sopran, zum Mitlesen und natürlich auch zum Hören.

Einblicke in die Komponierstube

An einem einfachen Pult komponierte Schütz noch im Alter von über achtzig Jahren in seiner Komponierstube Musik. Fragmente seiner Kompositionen, aber auch eine alte Handschrift sind hier im Original zu sehen.

„Schütz hat vermutlich nicht am Clavichord komponiert, sondern vermutlich wirklich auswendig und nur mit dem Kopf. Zu seiner Zeit war es nicht üblich, von der Taste auf die Vokalstimme zu denken. Zu Bachs Zeiten ändert sich das. Bach komponiert viel im Kopf und an der Orgel, aber zu Schützens Zeiten machte man das tatsächlich, wir wollen heute sagen am Reißbrett.“

Die Klänge hallen bis heute durch diese Räume, und wer auf einem der vier Erzählsofas Platz nimmt, der kann ganz in Ruhe der Lebensgeschichte des Komponisten unter dicken Kopfhörern folgen und natürlich seine Musik genießen.

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