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Wolfgang Rihm: Leben und Werk (4/4): Über Linien

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AUTOR/IN
Martina Seeber

Musikalische Fragen zu Linien und Kontrasten, zu Vertikalen und Horizontalen, beschäftigen Wolfgang Rihm seit Beginn seiner Arbeit. Er hat der „Linie“ sogar einen eigenen Zyklus gewidmet, der 1999 mit einem Cellosolo beginnt und sich in Kompositionen für viele weitere Instrumente fortsetzt. Auch die Beschäftigung mit religiösen Themen wird für Rihm in einer Phase schwerer Krankheit wichtiger. Dies zeigt sich in seiner Komposition „Stabat Mata“ für Bariton und Viola.

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„Ich habe lange Stücke geschrieben, die heißen ‚Über die Linie‘ ... .Ich reflektiere über das, was Linie ist. Aber ich versuche auch ständig. über die selbst gesetzte Linie hinüber zu gelangen.“

Reflektionen über die Linie

„Über die Linie“ heißt die Werkreihe, die 1999 mit einem Cellosolo begann, es folgten Werke für Geige, für Chor, für Orchester, ein Bratschen- und ein Klarinettenkonzert. Das letzte lose Ende der Serie ist 2015 entstanden. Neu ist das Melos bei Rihm nicht. Sein Opus 1 sind die 1970 uraufgeführten „Gesänge für Stimme und Klavier“. Sein gesamtes Leben lang hat Rihm Lieder komponiert, aber eben auch viel in der Vertikalen gehämmert „gestampft“ und „gestampft“. Dabei ist die Linie mehr als nur Melos: eben Linie, auch Lebenslinie oder das, was aus einer Keimzelle wachsen kann.

Dem inneren Gesang nachspüren

Die Linie als Fläche, als Zeichnung oder als Schrift. In der Zeit nach der Jahrtausendwende hat Wolfgang viel Zeit investiert, um dem inneren Gesang nachzuspüren. Zwar ist das bei weitem nicht das einzige Thema der vergangenen 20 Jahre, in denen mehr als 170 Kompositionen entstanden sind, aber ein wichtiges.

Beschäftigung mit religiösen Themen

Eine kleine und zuletzt immer stärker aufleuchtende Facette seiner Arbeiten ist die Beschäftigung mit religiösen Themen. Nach einem „De Profudis“, einer „Requiem-Strophe“ und einer Messe hat er zuletzt 2020 ein „Stabat Mater“ für die ungewöhnliche Konstellation Bariton und Viola komponiert. Entstanden ist das Duo in einer Zeit schwerer Krankheit – auch deshalb ein Signal, dass die schöpferische Reise nicht zu Ende ist.

Anlässlich seines 70. Geburtstags sendet SWR2 Treffpunkt Klassik eine vierteilige Sendereihe über Wolfgang Rihms Leben und Werk.

Karlsruhe

Musik Wolfgang Rihm zum 70. Geburtstag – Karlsruher Komponist mit Weltwirkung

Wolfgang Rihm ist einer der bedeutendsten, produktivsten und meistgespielten Komponisten zeitgenössischer Musik. Beinahe täglich wird irgendwo auf der Welt eines seiner über 600 Werke aufgeführt, darunter Opern, große Orchesterstücke, Vokalkompositionen und Kammermusik. In Karlsruhe geboren und aufgewachsen, lebt, arbeitet und unterrichtet er nach wie vor in seiner Heimatstadt. Seit Beginn seiner Karriere in den siebziger Jahren ist der Komponist eng mit dem SWR und seinen Orchestern verbunden. Am 13. März 2022 feiert Wolfgang Rihm seinen 70. Geburtstag.

Serie Wolfgang Rihm: Leben und Werk (1/4)

Anfang der 1970er Jahre revolutioniert der junge Wolfgang Rihm aus Karlsruhe die Musikszene. Die Kraft und Direktheit seiner Tonexzesse, aber genauso die Kraft der Stille in seiner Musik beschäftigen Musikkritiker*innen bis heute. In dieser Folge geht es um die Lehrjahre Rihms, sein Studium, seine klangliche Wunschvorstellung, um die Personen, die ihn in seinen Werken inspiriert haben und um die Thematik seiner Werke.

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Serie Wolfgang Rihm – Leben und Werk (2/4) : Völlig irre Zustände

Wolfgang Rihm sagt über sich selbst, er könne in seiner Musik nicht einfach akademische Dialoge oder Alltagsszenen abbilden. Stattdessen geht es in seiner Musik um essenzielle Fragen und Gefühle. Jedes neue Werk wirft Fragen auf, die er im nächsten zu beantworten versucht. So entstehen Werkgruppen: In den 1980er Jahren sind dies die werkgruppe „Tutuguri“, der Paul Celan Zyklus, ein Nietzsche-Block, weitere Opern, Streichquartette, Lieder und der Zyklus Chiffre. Insgesamt über 100 zum ausufernde Werke komponierte Wolfgang Rihm in den 80er Jahren.

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Musik Wolfgang Rihm: Leben und Werk (3/4)

Wolfgang Rihms Werke wuchern förmlich ineinander: Aus einem „Mutterwerk“ entstehen neue Werke und Formen. Sein Bild von der Form als nichts Festes, sondern als etwas permanent Veränderndes und Wanderndes zeigt sich auch in einer neuen Art von Musik. Rihms Kompositionen der 1990er Jahre, wie beispielsweise die Orchesterstücke „Vers une symphonie fleuve“, haben etwas Schwebendes, Fließendes, was im Kontrast zu seinen vorherigen Werken steht.

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Musik Wolfgang Rihm: Leben und Werk (4/4): Über Linien

Musikalische Frage zu Linien und Kontrasten, zu Vertikalen und Horizontalen, beschäftigen Wolfgang Rihm seit Beginn seiner Arbeit. Er hat der „Linie“ sogar einen eigenen Zyklus gewidmet, der 1999 mit einem Cellosolo beginnt und sich in Kompositionen für viele weitere Instrumente fortsetzt. Auch eine Beschäftigung mit religiösen Themen wird für Rihm in einer Phase schwerer Krankheit wichtiger. Dies zeigt sich in seiner Komposition „Stabat Mata“ für Bariton und Viola.

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Martina Seeber