Musik

Wolfgang Rihm – Leben und Werk (3/4): Fortpflanzung

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AUTOR/IN
Martina Seeber

Wolfgang Rihms Werke wuchern förmlich ineinander: Aus einem „Mutterwerk“ entstehen neue Werke und Formen. Form ist nichts Festes, sondern etwas sich Sich-Veränderndes und Wanderndes. Zugleich verändert sich auch die Musik. Rihms Kompositionen der 1990er Jahre, wie beispielsweise die Orchesterstücke „Vers une symphonie fleuve“, haben etwas Schwebendes, Fließendes.

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Es sind die 90er Jahre. Wolfgang Rihm wird 40, lebt weiterhin in Karlsruhe, ist dort inzwischen Professor für Komposition. Seine Vorstellungen von musikalischer Form und Zeit erinnern manchmal an seinen Freund und Komponistenkollegen Luigi Nono und dessen Bild des permanenten Wanderns und Unterwegsseins.

„Das ist wie mit dem Leben selber. So wie wir jetzt hier sitzen, sind wir zwar scheinbare Endformen, wenn wir uns so angucken, aber wir sind auch Zwischenformen.“

Komponieren in fließenden Strukturen

In Wolfgang Rihms Musik spiegelt sich dieses Bewusstsein nicht nur in fließenden, sich permanent verändernden Strukturen. Auch sein Schaffen ähnelt immer mehr einem großen Fluss, der alles in sich aufnimmt, wieder an Land spült, verändert und neu mit sich reißt.


„Vers une symphonie fleuve“

„Vers une symphonie fleuve“ heißt der Werkkomplex, an dem Wolfgang Rihm zwischen 1992 und 95 arbeitet. Schon im Titel ist alles auf das Werden und Bewegen angelegt: „Vers une symphonie fleuve“ heißt so viel wie: In Richtung einer Fluss-Sinfonie, einer fließenden Sinfonie.

Die sucht sich ihren Weg, sie mäandert, ufert aus, fließt und mischt sich. Die Sehnsucht danach, sagt Wolfgang Rihm, hatte er schon immer, nur hat sich die Suche danach intensiviert. Er spricht damals davon, „den ununterbrochenen Energiestrom wieder zu finden ... zur Horizontalen, zur kompakt gestalteten Zeitgestalt, die sich fortbewegt.“

Anlässlich seines 70. Geburtstags sendet SWR2 Treffpunkt Klassik eine vierteilige Sendereihe über Wolfgang Rihms Leben und Werk.

Karlsruhe

Musik Wolfgang Rihm zum 70. Geburtstag – Karlsruher Komponist mit Weltwirkung

Wolfgang Rihm ist einer der bedeutendsten, produktivsten und meistgespielten Komponisten zeitgenössischer Musik. Beinahe täglich wird irgendwo auf der Welt eines seiner über 600 Werke aufgeführt, darunter Opern, große Orchesterstücke, Vokalkompositionen und Kammermusik. In Karlsruhe geboren und aufgewachsen, lebt, arbeitet und unterrichtet er nach wie vor in seiner Heimatstadt. Seit Beginn seiner Karriere in den siebziger Jahren ist der Komponist eng mit dem SWR und seinen Orchestern verbunden. Am 13. März 2022 feiert Wolfgang Rihm seinen 70. Geburtstag.

Serie Wolfgang Rihm: Leben und Werk (1/4)

Anfang der 1970er Jahre revolutioniert der junge Wolfgang Rihm aus Karlsruhe die Musikszene. Die Kraft und Direktheit seiner Tonexzesse, aber genauso die Kraft der Stille in seiner Musik beschäftigen Musikkritiker*innen bis heute. In dieser Folge geht es um die Lehrjahre Rihms, sein Studium, seine klangliche Wunschvorstellung, um die Personen, die ihn in seinen Werken inspiriert haben und um die Thematik seiner Werke.

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Serie Wolfgang Rihm – Leben und Werk (2/4) : Völlig irre Zustände

Wolfgang Rihm sagt über sich selbst, er könne in seiner Musik nicht einfach akademische Dialoge oder Alltagsszenen abbilden. Stattdessen geht es in seiner Musik um essenzielle Fragen und Gefühle. Jedes neue Werk wirft Fragen auf, die er im nächsten zu beantworten versucht. So entstehen Werkgruppen: In den 1980er Jahren sind dies die werkgruppe „Tutuguri“, der Paul Celan Zyklus, ein Nietzsche-Block, weitere Opern, Streichquartette, Lieder und der Zyklus Chiffre. Insgesamt über 100 zum ausufernde Werke komponierte Wolfgang Rihm in den 80er Jahren.

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Musik Wolfgang Rihm: Leben und Werk (3/4)

Wolfgang Rihms Werke wuchern förmlich ineinander: Aus einem „Mutterwerk“ entstehen neue Werke und Formen. Sein Bild von der Form als nichts Festes, sondern als etwas permanent Veränderndes und Wanderndes zeigt sich auch in einer neuen Art von Musik. Rihms Kompositionen der 1990er Jahre, wie beispielsweise die Orchesterstücke „Vers une symphonie fleuve“, haben etwas Schwebendes, Fließendes, was im Kontrast zu seinen vorherigen Werken steht.

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Musik Wolfgang Rihm: Leben und Werk (4/4): Über Linien

Musikalische Frage zu Linien und Kontrasten, zu Vertikalen und Horizontalen, beschäftigen Wolfgang Rihm seit Beginn seiner Arbeit. Er hat der „Linie“ sogar einen eigenen Zyklus gewidmet, der 1999 mit einem Cellosolo beginnt und sich in Kompositionen für viele weitere Instrumente fortsetzt. Auch eine Beschäftigung mit religiösen Themen wird für Rihm in einer Phase schwerer Krankheit wichtiger. Dies zeigt sich in seiner Komposition „Stabat Mata“ für Bariton und Viola.

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Martina Seeber