Mitglieder des SWR Vokalensembles

Johanna Zimmer

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"Als Teil einer Stimmgruppe versuche ich, sehr genau auf den Klang meiner Kolleginnen zu hören, um mit ihnen einen möglichst homogenen Gesamtklang zu erreichen."

Die Sopranistin Johanna Zimmer ist sowohl als Oratorien- und Liedsängerin als auch im Bereich der Neuen Musik eine gefragte Interpretin. Nach ihrem Kirchenmusikstudium studierte sie Gesang bei Renée Morloc. 2011 begann sie ihre Tätigkeit als festes Mitglied im SWR Vokalensemble, die sie zwischenzeitlich für ein fünfjähriges Intermezzo als hohe Sopranistin der Neuen Vocalsolisten Stuttgart unterbrach. Rundfunkmitschnitte, CD-Produktionen und Fernsehaufzeichnungen dokumentieren ihre vielfältige künstlerische Tätigkeit.

Portrait Johanna Zimmer Sopranistin SWR Vokalensemble (Foto: SWR, Klaus Mellenthin)
Johanna Zimmer singt Sopran im SWR Vokalensemble.

Frau Zimmer, wie verlief Ihr Weg zur Profisängerin?

Ich hatte ursprünglich vor, Kirchenmusikerin zu werden und sah den Gesangsunterricht zunächst mehr als "notwendiges Übel" an, um hierfür die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Während des Kirchenmusikstudiums fand ich dann jedoch recht schnell Gefallen an der Sache und hängte letzten Endes die Orgelschuhe zugunsten des Gesangs an den Nagel.

Zwischen 2011 und 2015 haben Sie schon einmal beim SWR Vokalensemble gesungen. Wie kam es zur Rückkehr?

Ich bekam 2015 das Angebot, als hohe Sopranistin bei den "Neuen Vocalsolisten" anzufangen. Da mich neue Herausforderungen generell reizen und ich speziell die Neue Musik in so kleiner Besetzung (das Ensemble besteht aus nur sechs Sänger*innen) als interessante Aufgabe sah, beschloss ich, das Ensemble zu wechseln. Tatsächlich waren die fünf Jahre bei den Neuen Vocalsolisten mit vielen Reisen und unzähligen Uraufführungen dann auch eine extrem spannende und bereichernde Zeit, die ich keinesfalls hätte missen wollen. Durch den reinen Fokus auf zeitgenössische Musik, meist in Verbindung mit neuen vokalen Techniken, kam mir jedoch auf Dauer der klassische Gesang zu kurz. Das bewog mich zu der Entscheidung, zum SWR Vokalensemble zurückzukehren.

Sie sind auch als Solistin tätig und standen auch schon bei Opern auf der Bühne. Worin unterscheidet sich das Singen?

Generell spielt für mich beim Musizieren das Zuhören eine entscheidende Rolle. Als Solistin auf der Bühne habe ich sängerisch mehr Freiheit und kann mich trotz des Einfügens in ein Gesamtgewebe stärker auf meinen eigenen Klang konzentrieren. Als Teil einer Stimmgruppe versuche ich, sehr genau auf den Klang meiner Kolleginnen zu hören, um mit ihnen einen möglichst homogenen Gesamtklang zu erreichen, dem sich mein eigener Klang unter Umständen unterordnet.

Sie haben bisher bei einigen hochkarätigen Ensembles für Neue Musik gesungen. Was ist für Sie das Besondere am SWR Vokalensemble?

Wie bereits erwähnt, reizen mich im Gesang unterschiedliche Dinge: zum einen die Neue Musik mit ihren vielfältigen vokalen Möglichkeiten und Ausdrucksformen und zum anderen der klassische "Schöngesang". Das Repertoire des SWR Vokalensembles verbindet diese beiden Interessen für mich in optimaler Weise.

Gab es schon Stücke, bei denen Sie dachten: Das kann man unmöglich singen?

In der Neuen Musik ist das für mich in etwa bei jeder dritten Uraufführung zunächst der Fall. Da das Ausloten der Grenzen für viele Komponisten eine wichtige Rolle spielt, liegt das wohl in der Natur der Sache. Zum Glück hat man jedoch allermeistens in der Zusammenarbeit mit dem Komponisten / der Komponistin die schöne Möglichkeit, gemeinsam eine Fassung des Stücks zu erarbeiten, die am Ende alle Beteiligten glücklich macht.

Welche Leidenschaften haben Sie neben dem Singen?

Vielfältige Arten von Abenteuern an der frischen Luft und basteln.

Sopranistin Johanna Zimmer (Foto: SWR, privat)
Selfie: Johanna Zimmer
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