Mitglieder des SWR Vokalensembles

Hubert Mayer

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"Die Aufgaben sind vielfältiger geworden."

Der Tenor Hubert Mayer studierte Gesang an der Musikhochschule in Freiburg. Er besuchte Meisterkurse bei Richard Miller, Kurt Widmer, Aldo Baldin und Nicolai Gedda. Engagements führten ihn unter anderem an die Bühnen von Freiburg, Lüneburg, München und Köln. Neben seiner Tätigkeit beim SWR Vokalensemble konzertiert er als Solist. Hubert Mayer ist verheiratet, hat drei Söhne und ist seit 1989 Mitglied des SWR Vokalensembles.

Vokalensemble Hubert Mayer (Tenor) (Foto: SWR, SWR - Klaus Mellenthin)
Hubert Mayer singt Tenor im SWR Vokalensemble.

Herr Mayer, Ihr Sohn singt nun auch als Aushilfe im SWR Vokalensemble – welche Rolle spielt Musik in Ihrer Familie?

Sie spielt eine zentrale Rolle. Meine Frau ist ebenso Sängerin, zwei meiner Söhne studieren inzwischen Musik. Johannes hat inzwischen, parallel zu seinem Gesangsstudium in Frankfurt, einen Solovertrag am Staatstheater Mainz und Alexander studiert E-Bass und Schulmusik in Köln.

Ist man da als Vater stolz oder eher besorgt, wenn die Söhne auch Musiker werden wollen?

Meine Frau und ich haben unsere Söhne zu nichts gedrängt. Wir waren eher überrascht und freuen uns, dass sie von der Musik so begeistert und in viele Richtungen interessiert sind. Ich denke, sie werden schon ihren Weg machen, da mache ich mir keine Sorgen.

Sie haben nach dem Abitur ein Schulmusikstudium angefangen. Wie haben Sie den Weg zum Chorgesang gefunden?

Während des Studiums habe ich zum ersten Mal in guten Chören gesungen, als erstes Werk das Brahms-Requiem und dann die Johannespassion von Bach. Diese Konzerte haben mir eine neue Welt eröffnet. Meine zweite Gesangslehrerin in Freiburg hat mir den Rundfunkchor als Arbeitsplatz nähergebracht. Ich bin nach der Ausbildung dennoch zuerst zum Theater gegangen, und das war auch gut so. Am Theater in Lüneburg habe ich meine Frau kennengelernt, und als unsere Kinder zur Welt kamen, suchten wir etwas Beständigeres. Häufige Ortswechsel, die mit dem Theaterberuf verbunden sind, sind dann nicht mehr möglich. Außerdem habe ich immer sehr gerne in Kirchenkonzerten mitgewirkt. Auch das war mit meinem Engagement im Theater kaum zu vereinbaren, da fast alle Abende mit Aufführungen und Proben belegt waren. Deshalb habe ich mich beim damaligen Südfunkchor in Stuttgart beworben, und es hat sofort geklappt.

Welchen Reiz übt das Arbeiten im Vokalensemble auf Sie aus?

Ich finde es spannend, den Kontakt mit den Komponisten zu erleben. Wir erfahren hautnah, was Neues geschrieben wird und in welche Richtung sich die zeitgenössische Musik entwickelt.

Kann der Chor hier auch aktiv am Prozess mitwirken?

In der Regel bekommen wir fertige Kompositionen. Manchmal suchen Komponisten allerdings auch schon im Vorfeld den Kontakt zu uns. Dann kann es schon eine wechselseitige Beeinflussung geben. Der Komponist Karlheinz Stockhausen war beispielsweise sehr oft bei den Proben dabei und hat Details der Partitur auch immer wieder geändert, wenn er gemerkt hat, dass es nicht so klingt, wie er es sich vorgestellt hat. Seine typische Frage an uns war dann: "Was muss ich schreiben, damit klar wird, was ich hören will?"

Seit 1989 sind Sie im Vokalensemble. Was für eine Rolle muss ein Chor übernehmen, und hat sich diesbezüglich etwas in den letzten 20 Jahren verändert?

Die Aufgaben sind vielfältiger geworden. Zum einen hat sich unser Repertoire in verschiedene Richtungen erweitert – wie etwa bei unserer Kooperation mit der SWR Big Band. Neu sind aber vor allem die pädagogischen Aufgaben. Mit dem Programm Young Classix versuchen wir, Kindern einen Zugang zu unserer Musik zu verschaffen, die vielleicht sonst nicht unsere Konzerte besuchen würden.

Selfie von Hubert Mayer (Foto: Privat -)
Selfie: Hubert Mayer
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